Almbauern sollen Prämien zurückzahlen

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Icebreaker 16-02-2010 16:06 - E-Mail an User
Almbauern sollen Prämien zurückzahlen
Die steirische Landwirtschaftskammer vertritt mehr als 100 Bauern, die von der Agrarmarkt Austria (AMA) per Bescheid zur Rückzahlung von angeblich zu Unrecht bezogenen Almprämien aufgefordert wurden. Während die Kammer die späte Ausstattung mit digitalem Kartenmaterial für die Abweichungen verantwortlich macht, kalmiert man bei der AMA und spricht von üblichen, seitens der EU vorgeschriebenen Kontrollen. Eine auffällige Häufung wird nicht gesehen.
Die größere Zahl resultiere daraus, dass auch Almauftreiber - und nicht nur Besitzer - betroffen sein könnten, so AMA-Pressesprecher Harald Waitschacher am Dienstag.

http://derstandard.at/1266278930261/Steiermark-Almbauern-sollen-Praemien-zurueckzahlen


Ist das wirklich Rechtens? Ist hier jemand von betroffen? Was meint ihr grundsätzlich dazu?


mfg Ice


frami antwortet um 16-02-2010 16:44 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Almbauern sollen Prämien zurückzahlen
Naja - grob umrissen sieht es folgendermaßen aus:
Almflächen sind mit herkömmlichen Methoden schwer bis unmöglich zu vermessende Flächen. Seit der Digitalisierung ist dies ziemlich gut möglich.
Die Rückzahlungen kommen dadurch zustande, weil bis zur Digitalisierung jene Parzellen beantragt wurden, die im Kataster als Almflächen eingetragen sind. Diese Werte sind zum Teil Jahrzehnte alt. Oftmals ist im schwierig freizuhaltenden Gelände Wald oder Gestrüpp im Vormarsch bzw. Vermurungen oder Lawinenabgänge haben die Almflächen teilweise stark reduziert. Bei den Flächenanpassungen an den Ist-Stand können Abweichungen, je nach Größe der Alm, von wenigen Prozent bis nahezu 50%! entstehen. Ich kenne den Fall einer kleinen Alm, wo von knapp 20 ha nur knappe 11 ha übrigblieben. Ich konnte es zwar nicht glauben, aber nach Durchsicht der Hofkarte muss man ehrlicherweise zugeben, dass die 11 ha der momentanen Almfutterfläche entsprechen.
Wenn nun ein Almauftreiber 20% Almanteile besitzt, sagen wir bei einer Alm mit 200 ha sind das 40 ha. Bei einer AMA-Kontrolle wird die Gesamtfläche der Alm auf sagen wir 150 ha reduziert. Dann werden dem Auftreiber auch nur mehr 30 ha angerechnet.
Jene Betriebe, die bei 40 ha anrechenbarer Fläche knapp an der 2 GVE Grenze liegen, haben plötzlich das Problem, dass sie über die 2 GVE-Grenze kommen und das lt. AMA die Nichteinhaltung der ÖPUL-Bestimmungen bedeutet.
Wenns dann ganz blöd kommt wird das für die vergangenen 5 Jahre noch korrigiert. Und dann kanns natürlich für manche in die zig-tausende gehen.



Fallkerbe antwortet um 16-02-2010 17:19 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Almbauern sollen Prämien zurückzahlen
hallo,

wenn sie wirklich weit mehr beantragt haben, als sie bewirtschaftet haben, dann sind sie sehr gut bedient, wenn sie nur die Prämie von 2009 zurückzahlen müssen. Da könnte es noch weit schlimmer kommen.
Ist aber in so weit schon nachvollziehbar, Bezahlung für nicht geleistete Arbeit ist nun mal nicht üblich.

mfg



walterst antwortet um 16-02-2010 18:10 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Almbauern sollen Prämien zurückzahlen
Fallkerbe - es ist ja viel schlimmer gekommen.
Zu unrecht bezogenes Geld ist zurückzuzahlen. Ja natürlich. Aber das wäre ja ein Klacks. Weil bei den wenigsten Betrieben (eben nur bei den Grenzfällen zu 2 GVE) ergibt sich eine tatsächliche Differenz beim Förderbetrag.

Aber die Tatsache der Abweichung allein reicht ja schon um
1. Die Betriebsprämien im Verhältnis der Flächenabweichung zurückzufordern, obwohl bei korrekter Angabe gar nicht weniger Betriebsprämie herauskommen würde
2. Enorme Strafbeträge je nach Abweichung aufzuerlegen (bis 100% der BP)
3. Auch jene Betriebe voll abzustrafen, die auf die Flächenangeben überhaupt keinen Einfluss haben (Auftreiber auf Zins- oder Gemeinschaftsalmen)
4. Rückrechnungen bis 2004
5. Kontrollen, die zwischen 2004 und 2008 stattgefunden haben und keine Beanstandungen ergaben, werden ignoriert.

Es gibt bei mir Betriebe, die 4-5 Bescheide bekommen haben, mit Rückforderungen von 2000 bis 15 000€ pro Jahr. UNd das bei Zinsalmen, wo sie selber auf die Flächengabe gar keinen Einfluss haben und ihre Betriebsprämie mit der Alm überhaupt nichts zu tun hat, bzw. immer gleich hoch ausgefallen wäre, egal ob sich der Almbesitzer beim Verbuschungsgrad um 0 oder 10 oder 20 % vertan hat.


Fallkerbe antwortet um 16-02-2010 18:25 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Almbauern sollen Prämien zurückzahlen
oha,
das ist ja wirklich herb. bleibt zu hoffen, das Ama und EU ein einsehen haben, und mit augenmaß das ganze abwickeln.

wünsche den betroffen viel erfolg und Kraft für die verhandlungen



walterst antwortet um 16-02-2010 18:36 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Almbauern sollen Prämien zurückzahlen
...das ist ja wirklich herb....

Ja so ist es Fallkerbe.

Ich habe bei einem Ministertermin (Zukunftsfeld....) einen Kollegen getroffen, der hatte schon 3 Bescheide mit je rund 14000 Rückforderung bekommen und die AMA hat ihm geraten, er solle mit dem Einspruch warten. Es kommen sowieso noch 2 Bescheide dazu.
Der hat ausgesehen bleich wie ein Geist.

Noch mal zur Klarstellung: Es geht da nicht um irgendeine Almförderung, sondern um die gesamte Betriebsprämie.




777 antwortet um 16-02-2010 19:16 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Almbauern sollen Prämien zurückzahlen
Darf ich bitte fragen wieviele GVE man pro Ha Almfutterfläche auftreiben darf ?
Danke Inge


Holzwurm357 antwortet um 16-02-2010 20:18 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Almbauern sollen Prämien zurückzahlen
Hallo,

naja, so ähnlich ists mir leider auch ergangen.

Hatte im Sommer 2005 eine Vorortkontrolle, (war genau in der Zeit, wo ich die erste Hofkarte schon hatte, diese jedoch noch nicht digitalisiert wurde).

Auf der Hofkarte war natürlich schön zu sehen, das ich auf der einen Seite deutlich im Wald war, dafür aber auf der anderen Seite deutliche Wiesenflächen übrigblieben.
Naja, die Hofkarte war um Einiges verschoben, wie sich vor kurzem herausstellte, um satte 21Meter!! ( Hatte im Dezember einen Zivilgeometer da, wegen Grundkaufs).

Da die verschobenen Parzellen natürlich nicht beantragt waren, hat mir der Kontrollor gleich einiges an Fläche abgezogen... hab ich allerdings ein halbes jahr später beim Digitalisieren wieder dazugekriegt, genau die gleiche beantragte Fläche, allerdings auf anderen Parzellen, z.T. als Nutzungsrechte bei Nachbarn, etc.

Naja, hat mir leider alles nichts gebracht, auf der BBK wollten sie mir gar nicht helfen, in Klagenfurt haben sie mir dann doch einige Einsprüche und Ersuchen um Richtigstellung geschrieben, nur gebracht hat das natürlich alles nichts.

Ich flog damals aus der Extensivierungsprämie, die halbe Betriebsprämie wurde mir gestrichen, ebenso die halbe MK-Prämie, und Öpul und AZ war für 5 Jahre teilweise zurückzuzahlen. War ein schöner Brocken Geld!

Naja, war irgendwie lustig, als mir der Zivilgeometer jetzt sagte, das die Nutzflächen noch immer gleich stimmen, wie sie im Grundbesitzbogen im Jahre Schnee eingetragen wurden... das einzige was nicht stimmt, ist diese Sch....ß Hofkarte!

Ooohhh, du gnadenreiche AMA...
beste Grüsse, deine Untergebenen!


Psycho antwortet um 17-02-2010 09:54 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Almbauern sollen Prämien zurückzahlen
wäre das nicht schön als bauer noch bauer sein zu dürfen und sich nicht die ganze zeit mit irgendwelchen weltfremden bürostinkern (die wir ja sogar selber bezahlen) herumschlagen zu müssen ....


Gratzi antwortet um 18-02-2010 08:46 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Almbauern sollen Prämien zurückzahlen
ja aber die Bauern haben das ja soll gewollt .......... Wer Geld von der Allgemeinheit will, der muss auch ehrlich sein!


ggp antwortet um 18-02-2010 09:12 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Almbauern sollen Prämien zurückzahlen
Hallo

@ gratzi
gewollt hat das Geld von der Allgemeinheit kein Bauer, einfach ein gerechter, auf österreichische Verhältnisse abgestimmter Produktpreis und wir haben die ganze Sache vom Tisch!
Welthandel usw. ist wieder ein anderes Thema!


kraftwerk81 antwortet um 18-02-2010 09:15 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Almbauern sollen Prämien zurückzahlen
Um's ehrlich sein geht's nicht sondern um den Zustand dass Du als Bauer ständig in einer Grauzone wirtschaftest wo Rahmenbedingungen meist rückwirkend geändert werden. Ist ja gut wenn man mit der Digitalisierung Flächen genauer errechnen kann aber, warum nachträglich was rückfordern das zum Datum der Antragstellung mit den damaligen besten Möglichkeiten ermittelt wurde?
Noch dazu auch noch von Bauern die nur Zinsvieh aufgetrieben haben und überhaupt keinen Einfluss auf die Almflächen haben können.


Christoph38 antwortet um 18-02-2010 09:26 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Almbauern sollen Prämien zurückzahlen
Ein lässiger Ausbremser ist auch, wenn man damals im Beobachtungszeitraum 2000-2002 auf Basis der damals richtigen Almflächen Zahlungsansprüche auf Almflächen zugewiesen bekommen hat, die sich im Rahmen der jetzigen Digitalisierung als niedriger herausstellen.

Also zuerst Zahlungsansprüche "verdünnen", die man jetzt nicht mehr erfüllen kann, da eine Fläche am Papier weggefallen ist, obwohl die Fläche immer gleich gross war/ist.




Gratzi antwortet um 18-02-2010 09:38 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Almbauern sollen Prämien zurückzahlen
@ ggp

was ist gerecht? was bekommt dann der Marchfeldbauer zum Zillertalbauern?
Nur Weltmarktpreis ist richtig, jedoch OHNE Stützungen , dann brauchen wir nicht mehr Spenden.
Derzeit heisst es in der EU Direktzuwendung und in den Entwicklungsländer Spende!
was hat das fuer einen Sinn? Wenn ich ein Produkt am Markt nicht gewinnbrindend verkaufen kann, muss ich eben die Produktion einstellen. Freie Marktwirtschaft! Ist auch bei jeden Handwerker so.


Hirschfarm antwortet um 18-02-2010 10:37 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Almbauern sollen Prämien zurückzahlen
@gratzi
Der Sinn der Subventionen liegt darin, daß erstens die Banken ihr Geld zurückbekommen, und zweitens sich die Leute ihr Papperl (3€/Tag) leisten können und drittens die Industrie einerseits billigste Rohstoffe beziehen kann und andererseits Investitionsgüter an die Landwirte zu überhöhten Preisen absetzen kann.
ES GIBT KEINEN FREIEN MARKT!!


Holzwurm357 antwortet um 18-02-2010 11:08 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Almbauern sollen Prämien zurückzahlen
Hallo,

doch,den FREIEN MARKT gibts schon, wenn z.B. ein Handwerksbetrieb einen grösseren Aufwand hat, (höhere Frachtkosten, Lohnkosten, hochtechnische Geräte, z.B. Mechaniker,) dann steigt halt der Stundensatz. Hat ja anscheinend keiner ein Problem damit, wenn der Stundensatz bei der KFZ Werkstätte jenseits von 70 Euro liegt.

Der Bauer kann seinen Aufwand leider nicht weitergeben, dem wird der Preis einfach vorgeschrieben.
Und die AMA bzw. Bauernkammer, die ja eigentlich unsere "Partner", bzw. Vertretung sein sollten, haben leider sonst nichts zu tun, als uns zu kontrollieren bzw. zu schikanieren.

Ausserdem geht ja ohnehin ein beträchtlicher Teil der AMA Zahlungen an die Lebensmittelindustrie, siehe Transparenzdatenbank.

Und warum werden eigentlich immer die Bauern als "Almosenempfänger" hingestellt.
Handwerksbetriebe bzw die Industrie bekommen auch jede Menge Förderungen.

LG, Gerhard


Gratzi antwortet um 18-02-2010 11:09 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Almbauern sollen Prämien zurückzahlen
super super, jetzt weis ich das doch Subventionen gut sind. Ja und noch was....... man muss ja die unnötigen in der EU finanzieren!


Restaurator antwortet um 16-07-2010 22:31 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Almbauern sollen Prämien zurückzahlen
kann mir bitte irgendwer erklären warum man dermassen grosse flächen verbuschen / verwalden lässt?????? und was ist daran so schwer die almen freizuhalten?
oder warten da einige darauf, dass es bei uns die almen samt hütten und käsereien nach schweizer vorbild mit öffentlichen geldern wieder hergerichtet werden???????


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