80 Millionen Versager?

Antworten: 17
  11-11-2009 08:37  helmar
80 Millionen Versager?
In einem Artikel des Blick-ins-Land ist zu lesen dass seit Einführung der Milchquote in der EU 1984 80 Milionen Milchbauern(Vergleich so viel wie etwa die Bevölkerung der BRD) die Milcherzeugung eingestellt haben. Wenn hier manche deutlich sagen, dass sie die Milcherzeugung einstellen werden, gibts hier oft grobe Töne.....
Mfg, helmar

  11-11-2009 09:10  biolix
80 Millionen Versager?
warum gibts grobe Töne ? ich sehe eher grobe Töne an die die noch um jeden Milchbetrieb kämpfen und sich Gedanken machen warum das so ist, und Lösungen suchen um das zu verhindern...

lg biolix

  11-11-2009 09:24  helmar
80 Millionen Versager?
Lesefehler meinerseits, bitte um Entschuldigung! 80% der Milchbauern von 1984 ist richtig!!! Es wird sicherlich auch hier im Forum ehemalige Milchbauern geben, schreibt bitte, wenn möglich, aus welchen Gründen ihr aufgehört habt.
Danke, helmar

  11-11-2009 09:55  sturmi
80 Millionen Versager?
Hallo zusammen!
Ich würde das Thema nicht nur auf Milchviehbetriebe reduzieren. Im Schweinebereich gabs in den 80er Jahren noch 200.000 Schweinebauern, jetzt sind´s nur mehr ~ 38.000 und in 10 Jahren wird prophezeit nur mehr 20.000! Nach Vorstellungen der Agrarexperten würden nach heutigen Stand der Technik 5.000 Schweinehalter in Österreich ausreichen um das heutige Produktionsvolumen zu halten. Daher wird von der Agrarpolitik natürlich auch alles getan um Anreize zu schaffen die Produktion zu steigern. Um wiedergewählt zu werden wird natürlich "alles" unternommen um "allen" Bauern zu helfen. Medienwirksam werden dann "Millionen" locker gemacht um den Bauern unter die Arme zu greifen, in Wirklichkeit ist es für den einzelnen Landwirt nur eine "Sterbehilfe".
Der Biolix will ja das Bauernsterben verhindern und bietet die Biolandwirtschaft als "Rettungsanker" an. Was nach meine Ansicht eine reine Augenauswischerei ist. Den längst ist in der Biolandwirtschaft auch die "freie" Marktwirtschaft eingezogen und der Verdrängungswettbewerb ist auch hier im vollem Gange!
Was kann man als einzelner Landwirt tun? Sich zu Gemeinschaften zusammenschließen um gemeinsam zu Vermarkten, dass ist ein Schräubchen an dem man drehen kann. Die Produktionssparte umstellen, Marktnischen suchen, usw. Dies erfordert aber einen gewissen (finanziellen) Mut und Idealismus um vielleicht dann nach Jahren festzustellen vom Regen in die Traufe gekommen zu sein.
Meines Erachtens wird´s in der Landwirtschaft nicht anders ablaufen wie in der restlichen Wirtschaft auch, die Mittelstandsbetriebe werden immer weniger, die Großbetriebe und auch die Hobbybetriebe werden immer mehr.
MfG Sturmi



  11-11-2009 11:09  Tyrolens
80 Millionen Versager?
Ich hab das ja schon mal geschrieben. In Österreich hält der durchschnittliche Milchviehbetrieb 10,5 Milchkühe. Selbst wenn der für seine Milch 50 ct bekommt wird er davon nicht leben können. Würde die Hälfte aller Milchviehbetriebe aufgeben würde der durchschnittliche Milchviehbetrieb immer noch nur 21 Milchkühe halten. Die Deutschen Kollegen stehen derzeit bei 40 Milchkühen im Schnitt.

Wenn man laut Statistik von 40.000 Schweinehaltern im Jahr 2008 ausgeht, die derzeit im Schnitt 71 Mastschweine halten, so halten die bei einer Reduktion auf 20.000 Betriebe im Schnitt 142 Stück, bei 5.000 Betrieben im Schnitt 568 Stück.

Es klingt zwar immer schlimm wenn es heißt, dass 50% der Betriebe verschwinden werden, aber wenn ich mich bei uns im Dorf umsehe - ob man in solche Szenarien Betriebe einbinden soll, wo der Opa als Hobby 2 Kühe hält und sich freut, wenn er von der EU für's Mähen der Hochmähder 2.000 Euro bekommt?

  11-11-2009 11:17  biolix
80 Millionen Versager?
ja toll, und das Ende der Fahnenstange sind dann "Kolchosen" wie im Kommunismus ?

Was merken wir denn nun an den großen Konzernen gerade ? WEnn die großene Konzerne es nun "weiter treiben" im WEttbewerb, wer bleibt über, ein "Weltkonzern" ? nein das will man dann natürlich auch nicht, darum buttert man denen wie auch weiterhin, das werdet ihr sehen, den Agrargroßbetrieben ( anders horch weg.. ;-)) ) Steuergeld um Steuergeld hinein, was dann wie viel bringt am Ende des Tages ?

Würde das nicht passieren, würde das System jetzt schon scheitern, so das es alle merken, warum tut man es nicht ?
Überlegt mal was passiert wenn das passiert: "keine neuen SChulden mehr, und Subventionen auch weg..." wie würde die WElt in 5 Jahren aussehen ?

lg biolix

  11-11-2009 11:43  Tyrolens
80 Millionen Versager?
Wir sprechen jetzt von Landwirtschaft, oder? Die hat mit Konzernen nicht viel zu tun oder glaubst du dass in der EU mittelfristig Konzerne die Agrarproduktion übernehmen werden? Eher nicht. Landwirtschaft muss man mehr mit Handwerksbetrieben vergleichen und ich kenne eher wenige Tischler oder Installateure die global agieren und 10.000 Mitarbeiter haben.
Es gibt gerade auch in der Landwirtschaft sowas wie eine optimale Betriebsgröße. Die hängt von vielen Faktoren ab aber in Osteuropa kann man derzeit auch nur in so großen Strukturen produzieren, weil die Arbeitskräfte billig sind. In Ostdeutschland sieht das schon anders aus weil da gibt's oft überhaupt keine Leute mehr, die im landwirtschaftlichen Sektor arbeiten möchten.
Man darf auch nicht vergessen, dass der Sprung vom Kleinbetrieb mit einem oder zwei Mitarbeitern in die nächst größere Struktur ein riesiger Sprung ist, den sich nur die wenigsten zu machen trauen. Auf einmal bist nicht mehr Landwirt sondern vor allem Personalmanager und das muss man können. Ist nicht so einfach und die Effizienz leidet fürchterlich wenn du deine Mitarbeiter nicht im Griff hast.
Insofern werden sich meiner Meinung nach die Betriebsgrößen vor allem daran orientieren, was mit einen Betriebsleiter plus ein bis zwei Mitarbeiter und bissl outsourcing zu schaffen ist. Und hierbei spielt vor allem wieder die Infrastruktur eine Rolle. Wenn du in einem ariden Gebiet arbeitest und eine durchschnittliche Parzellengröße von zum Beispiel 20 ha hast machst du 300 ha Marktfrucht als Ein-Mann Betrieb noch recht entspannt. Und musst dabei noch nicht mal in Großtechnik investieren, sofern dein Management passt.
Ich bin mir recht sicher dass wir auch in Österreich mittelfristig bei Milchviehbetrieben mit 100 bis 120 Milchkühen landen werden. Wachstum darüber hinaus wird's nur sehr selten geben.

  11-11-2009 12:31  Fallkerbe
80 Millionen Versager?
Hallo,
Das ist immer ansichtssache. Die einen sehen jene als "versager" die den "kampf" aufgeben und einen Unwirtschaflichen Betriebszweig oder Betrieb einstellen.

Die anderen sehen jene als Realitätsverweigerer , die krampfhaft an einem Unwirtschaflichen Geschäft festhalten, und scheinbar nicht verstehen können, das die Zeit vorbei ist, wo man von 10 oder 15 kühen leben konnte.

Diejenigen, die statt sinnlosen Jammern einen anderen weg wählen, nämlich versuchen über Wachstum in zu einer rentablen form der Milchproduktion zu kommen werden natürlich auch noch angefeindet, von Komamelkern ist dann die Rede.

mfg








  11-11-2009 13:44  kraftwerk81
80 Millionen Versager?
Dass man von 10-15 Kühen nicht leben kann is schon klar, aber sehr viele Nebenerwerbler sind sehr froh darüber dass die Frau zum Arbeitengehen nicht vom Hof muss bzw. hätten in ländlichen Gegenden gar nicht die Möglichkeit dazu!

Es gibt genug wachsende Betriebe die genauso Realitätsverweigerer sind und ohne Nachfolger dafür mit Schulden und Depressionen den Betrieb einstellen. Also nicht immer alles so polarisieren! Es gibt in allen Schichten Vorzeigebetriebe und Kamikazeebauern!




  12-11-2009 09:29  Christoph38
80 Millionen Versager?
Ich finde es immer wieder interessant, wie emotional besetzt das Thema "Aufhören" ist.

Tendenziell sind fast alle Begriffe negativ besetzt, wo es darum geht, dass die Milchproduktion eingestellt wird: Bauernsterben, aufhören, Versager, zu faul zum arbeiten, will sich nicht mehr dreckig machen usw.

Mein Eindruck ist, dass im "normalen" Wirtschaftsleben bei weitem weniger Emotionen entfesselt werden, wenn ein Produkt oder eine Produktionsart eingestellt oder der Betrieb umgestellt wird.

Die Einstellung der Milchproduktion ist für mich weder eine Weisheit ersten Ranges, aber auch nicht so einzustufen, als ob das Leben ein Ende hätte.

  12-11-2009 09:54  ginzo
80 Millionen Versager?
@sturmi, 9.55Uhr,
ich will weder frech noch vormittags zynisch posten, aber wenn ich lese, nach Vorstellung
der Experten (und Beratern) fällt mir eine Textpassage der Raiffeisenzeitung ein:
ein Experte (Berater) ist ein Mensch, der weiß 27 Sexstellungen - nur keine (willige) Frau !!
Tschuldigung, muß ich sagen, aber im Leben ist es so.
Wieviele Grundeigentümer haben schon alles verloren, weil sie auf solche Experten
gehört haben. Dein Beitrag ist in Ordnung und regt sehr zum Nachdenken an - von den
5000 Schw.-Bauern sind es dann in kürzester Zeit nur mehr 3000, weil die 2000 den
Kapitaldienst für Pacht und Kredit nicht mehr aufbringen können.

  12-11-2009 10:02  sturmi
80 Millionen Versager?
@Christoph
Die Umstellung oder Aufgabe eines Landw. Betriebes hängt eben mit Emotionen zusammen. Viele Bauern sehen ihr Lebenswerk gefährdet und daher fragen sie sich, soll die viele Arbeit umsonst gewesen sein?!
Ich kann daher z.b. Helmar´s gemischte Gefühle bzgl. ihrer Hofnachfolgerin sehr gut verstehen. Ich wäre vermutlich auch enttäuscht, wenn mein Nachfolger die Landwirtschaft verpachten täte. Jedoch würde ich es respektieren, vor allem dann wenn es beruflich nicht vereinbar sein sollte eine Landwirtschaft im Nebenerwerb weiter zu führen.
MfG Sturmi

  12-11-2009 11:32  Felix05
80 Millionen Versager?
Stimmt Sturmi,

bis auf eine kleine Sache, den Eindruck habe ich aber nur rein gefühlsmäßig.
Ich kann aus helmars postings keinerlei gemischte Gefühle herauslesen.
So wie ich das bisher verstanden habe, lernt ihre Tochter einen Beruf, der mit Landwirtschaft nichts zu tun hat.
Das ist die freie Entscheidung des Mädchens, oder? Da hat ihr wohl keiner reingeredet oder gar versucht sie "umzubiegen".
Von Enttäuschung merke ich auch nichts, im Gegenteil, da ist ein gewisser Stolz über eine gute Matura (ist das richtig ausgedrückt?).

Den Hof und die Wirtschaft scheint sie im Griff zu haben und das Kind kann doch dann allemal drauf zurückgreifen. Eine Wertanlage ist´s immer.

Mein Chef hat eine gutgehende Werkstatt, sein Sohn studiert lieber Kunst.
Der kann´s auch nicht ändern.

Gruß, Lutz!



  12-11-2009 12:01  Fallkerbe
80 Millionen Versager?
Hallo,
Ich kann jeden nur davor warnen, seine Kinder mit welchen mitteln auch immer, in dei Landwirtschaft zu drängen. Ganz im Gegenteil, man sollte unbedingt darauf hindrängen, das die Kinder auch eine nicht Landwirtschaftliche Ausbildung bekommen.

Wenn sie beides Kennen und Können, die Landwirtschaft und einen nicht landwirtschaftlichen Beruf, dann können sie frei entscheiden. Wie viele würden jetz mit 30 oder 40 jahren aus der Landwirtschaft aussteigen. weil sie aber nichts anderes gelernt haben tun sie sich gewaltig schwer, einen Job ausserhalb der Landwirtschaft zu bekommen und zu behalten.


mfg


  12-11-2009 12:21  sturmi
80 Millionen Versager?
Tja Felix, dann hast du einen anderen Eindruck als ich...;-) Vielleicht klärt uns ja Helmar noch auf!
MfG Sturmi

  12-11-2009 12:36  ginzo
80 Millionen Versager?
@fallkerbe,
30 und 40jährige hat man in den Landwirtschaftsschulen nichts anderes gelernt als
sich den BB-Autoritäten unterzuordnen, zu tun, was Kammer und Raiffeisenfunktionäre
von sich geben ohne viel zu denken, zu realisieren.
Jedoch wennn viele vom Elternhaus etwas mitbekommen haben auf die Reise des
schweren (Bauern)Lebens, dann können sie ausgezeichnet reparieren , verkaufen,
einkaufen, erzeugen, betriebsführen, kaufmännisch handeln und sind viellleicht
noch musisch, lyrisch und künstlerisch begabt und werden diesbezüglich von der
übrigen Bevölkerung oft gemobbt.
Die regionale Wirtschaftspolitik hat für solche wertvolle Personen nicht vorgesorgt -
jeder Asylant wird in Ö. mehr gefördert und beraten.....


  12-11-2009 12:39  sturmi
80 Millionen Versager?
Na vergesst doch den MR nicht....als Arbeitgeber.
MfG Sturmi

  12-11-2009 19:33  helmar
80 Millionen Versager?
Nun, ein bisserl stolz auf meine Tochter bin ich schon.........aber im Sommer war ich es nicht immer, aber die Nachmaturawerbinichgegenanblödenhackleroderwasimmer meiner Tochter hat mir schon etwas im Magen gelegen. Inzwischen hat das Mädel einen Job in der Branche der ihr sehr gefällt und es ist inzwischen mit ihr wieder auszukommen........was aber nicht heisst, dass natürlich auch mal in Betracht gezogen werden muss, dass sie von Zuhause auszieht oder auch mal für einige Zeit im Ausland ist. Was wenn sie ihren Lebensmittelpunkt mal irgendwohin verlegt welcher weit weg ist? Dann ist es durchaus möglich, dass vieles sich ändert. Und sollte sie mal von einem Biolix 2 erobert werden, dann ist es auch keine extreme Katastrophe, wenn sie den Kerl liebt und sie es schafft den Burschen im Zaum zu halten( meine Unterstützung hätte sie da sicher!).
Mfg, helmar