Klimawandel: nationales Strategiepapier für Land- und Forstwirtschaft entwickelt
Wie bereiten wir uns auf den Klimawandel vor? Eine Antwort auf diese Frage liefert nun ein Strategiepapier im Auftrag des Lebensministeriums. Darin werden Handlungsempfehlungen für Land- und Forstwirtschaft erörtert.
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Auf Veränderungen in Vegetation und Wasserhaushalt vorbereiten
In der Landwirtschaft kann sich der Klimawandel vor allem auf den Anbau auswirken. Darauf sollten die Auswahl von Kulturpflanzen, die Anbaumethoden und die Bodensicherung ebenso Rücksicht nehmen wie Bewässerung, Düngung, Pflanzenschutz und Züchtungsmethoden. Dürre, eines der wichtigsten agrarmeteorologischen Klimarisiken, wird in Zukunft öfter auftreten als bisher. Klimaanpassung im Marchfeld zum Beispiel bedeutet, eine Möglichkeit für die Bewässerung zu finden, ohne die regionale Trinkwasserversorgung zu sehr zu belasten. Wegen der höheren Kosten einer wassereffizienten Tröpfchenbewässerung hängt der Einsatz jedoch von Förderungen für die Landwirte ab. Ohne Bewässerung ist im Marchfeld mit einem Rückgang der Ernte von Mais, Winterweizen und Gerste von 60 bis 90 % zu rechnen, haben die Wissenschaftler bei einem Start Clim-Projekt herausgefunden.
Forstwirtschaft
Ähnliches gilt auch für die Forstwirtschaft. Hier geht es neben der Auswahl der Baumarten um die Abwehr von Schäden durch Windwurf, Borkenkäfer und die mögliche Zunahme von Waldbränden. Konkret wünschen sich Waldbewirtschafter wegen der zunehmenden Instabilität fichtendominierter Wälder eine größere Baumartenvielfalt, um die Anfälligkeit etwa gegenüber Windwurf und die Gefährdung durch Schädlinge zu verringern. Die europäische Lärche gilt als tiefwurzelnde und windstabile Baumart als mögliche Alternative.
In tieferen Lagen wird sie in Zukunft vor allem wegen höherer Temperaturen voraussichtlich keine geeigneten klimatischen Bedingungen mehr vorfinden, daher muss von einem zunehmenden Risiko durch Schadeinflüsse ausgegangen werden. Im Bergwald kann die Lärche jedoch als stabilisierende Mischbaumart eingesetzt werden.
Wasserwirtschaft
Ziel der Wasserwirtschaft ist es, die Versorgung auch in Gebieten mit drohender Knappheit zu gewährleisten. Zu den Vorsorgemaßnahmen zählen weiters die Sicherung der Fließgewässerqualität und des Grundwassers. Auch die Erhöhung der Wassertemperatur kann eine zunehmende Rolle spielen.
Flora und Fauna
Schon jetzt macht sich der Klimawandel auf Fauna und Flora bemerkbar. Um gefährdete Arten zu erhalten, werden mehr natürliche Rückzugsräume und Schutzprogramme notwendig sein, aber auch der Aufbau von Samen- und Genbanken. Das Gesundheitswesen sollte sich auf die Ausbreitung von Erregern und Infektionskrankheiten sowie von allergenen oder giftigen Arten vorbereiten, empfiehlt das Strategiepapier.
Schutz vor Naturgefahren und Katastrophen weiter ausbauen
An Bedeutung wird der Schutz vor Naturgefahren gewinnen. Ziel ist es, Flächen von Siedlungen und Infrastruktur gezielt freizuhalten, Frühwarnsysteme auszubauen und den Wasserrückhalt in der Fläche zu sichern. Empfohlen wird auch, die versicherungsgestützte Eigenvorsorge auszuweiten und ehrenamtliche Organisationen für die Katastrophenvorsorge aufzubauen.
Um die Energiesicherheit zu gewährleisten, nennt die Anpassungsstrategie die Forcierung der dezentralen Energieerzeugung sowie die Vorbereitung der Stromnetze auf mögliche Engpässe oder Überkapazitäten. Das Bauwesen sollte sich durch alternative Kühltechnologien und adaptierte Baunormen auf eine steigende Zahl von Hitzetagen einstellen.
Noch keine Berechnungsbasis für umfassende Kostenschätzungen
Die österreichische Strategie hat mit vergleichbaren Arbeiten anderer europäischer Länder eines gemeinsam: Die Gesamtkosten für die Anpassung an den Klimawandel sind darin noch nicht bezifferbar. Die bisher vorliegenden wissenschaftlichen Studien konnten noch keine verlässlichen Berechnungsgrundlagen liefern, die Arbeiten dazu laufen auf internationaler Ebene intensiv. "Eines lässt sich aber schon jetzt sagen: Die Kosten zur Bewältigung des Klimawandels werden auf jeden Fall viel niedriger sein als die langfristigen Kosten des Nicht-Handelns ", betont Minister Berlakovich.
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