 Tagebuch
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Junge Europäer @schellniesl Wir wissen ja nicht, ob das vereinte Europa wirklich so toll bleibt, aber wie es früher war, als Europa aus vielen, teilweise verfeindeten Staaten bestand, und was daraus geworden ist, das steht in den Geschichtsbüchern. Und das will wohl keiner mehr haben. Ich habe 3 Kinder. Ich bringe ihnen nicht bei, stolz auf das Vaterland zu sein sondern dass die Nationalstaaten immer mehr an Bedeutung in Europa verlieren. Da habe ich übrigens ganz schön zu tun, weil meine Frau und mein jüngerer Sohn recht sport-begeistert sind und diese Wettkämpfe einer der letzten Rückzugsgebiete des Nationalismus sind. Aber wie ich z.B. am Fußballclub Red-Bull-Salzburg sehe, wo nur einzelne Österreicher spielen, geht auch im Sport der Trend weg vom Nationen-Denken. Ich erkläre meinen Kindern, dass sie, wenn sie mal erwachsen sind, in ganz Europa studieren, arbeiten und leben können. Und dazu gehört auch, dass sie die Weltsprache Englisch perfekt und ohne Akzent lernen müssen. Das sieht bei uns so aus, dass sie, wenn sie bei Premiere einen guten Film zum vierten oder fünften mal anschauen wollen, dies im englischen Original tun müssen. Ich wüsste nicht, was österreichische Eigenheiten für einen Vorteil hätten. Österreicher soll Österreicher bleiben? Wieso? Für mich unverständlich. Bis vor ca. 200 Jahren waren die hier lebenden Salzburger auch keine Österreicher. Mozart, z.B. war damals in Wien ein Ausländer. Er war nie Österreicher. Vielleicht sieht es bei Dir in der Steiermark anders aus. Aber mir als Salzburger sind kulturell und auch sprachlich Oberbayern und Niederbayern viel näher als Kärntner, Burgenländer oder Wiener. Da war früher eine Grenze dazwischen. Die Universität Salzburg hat vor knapp einem Jahr eine Untersuchung über den Salzburger Dialekt gemacht und festgestellt, dass im Rupertigau (das ist jener Teil des Flachgaues, der beim Wiener Kongress, als Salzburg zwischen Bayern und Österreich aufgeteilt wurde, zu Bayern kam) der Flachgauer Dialekt viel besser erhalten geblieben ist, als in den Dörfern um die Stadt Salzburg. Was übrigens zeigt, dass die Dialekte, trotz Fernsehen und unserer hochdeutschen Schriftsprache, noch sehr lange überleben werden. Du schreibst von vielen Kulturen, die aufeinander treffen. Hier an der Grenze zwischen Österreich und Bayern wurde die gleiche Kultur 200 Jahre lang mit einer Grenze durchschnitten. Ich bin froh, dass die Grenze weg ist. Meine Kinder können sich gar nicht mehr daran erinnern, dass neben unserem Dorf hier eine Grenze war, wo man den Ausweis herzeigen musste und der Kofferraum nach Waren durchsucht wurde. Die Neutralität steht auf dem Spiel? Und was soll diese veraltete Einstellung bringen? Außer billigen Schlagzeilen für recht einfach gestrickte Zeitungen.
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