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Blauzungenimpfung verweigern Hallo Bioschurl: Wir können jederzeit das Niveau heben´... Artikel ist im Web leider nicht verlinkt - daher habe ich ihn hereinkopiert. Damit habt ihr eine Diskussionsgrundlage - für eure weiteren Treffen....;-) Auszug aus Virus-Porträts 2007/08 Autoren: Norbert Stäuber, Mathias Ackermann File Info: TPT22:\Vorlesung\Portrats0203.doc BTV Blauzungenkrankheit - Bluetongue Disease Die Blauzungen Krankheit oder Bluetongue disease (BT) ist eine durch blutsaugende Arthropoden übertragene, saisonal auftretende, nicht-kontagiöse Infektionskrankheit der Schafe, Kühe, Ziegen und anderer Wiederkäuer. Sie ist verursacht durch ein doppelsträngiges RNS Orbivirus (Bluetongue Virus, BTV) (orbis = lat. Ring, Kreis) aus der Familie Reoviridae, und ist charakterisiert durch Fieber, Hämorrhagien und Oedeme. Besonderheiten: Empfänglich für BTV sind Wiederkäuer, Schafe sind am empfänglichsten, Kühe, Ziegen und Wildwiederkäuer sind oft nur inapparent infiziert, können aber als Reservoir des Virus dienen. Je nach Virulenz des Virustyps und Rasse des befallenen Tieres entwickeln sich mehr oder weniger starke Symptome. BTV wurde nur einmal aus Nagetieren isoliert, aber experimentell sind diese empfänglich für die Infektion. Drastisch erweitert hat sich das Wirtsspektrum 1994, als in den USA nach einer Serie von Aborten und Todesfällen bei tragenden Hündinnen das BTV als Ursache erkannt wurde. In einer anschliessenden Untersuchung wurde auch eine natürliche Infektion von afrikanischen Carnivoren mit BTV festgestellt. Im August 2006 tranten im Maastrichter Zipfel der Niederlande Dutzende von Fällen der Blauzungenkrankheit beim Schaf auf. Später wurden auch Fälle bei Schafen und Rindern in den Nachbarländern (Belgien, Deutschland, Frankreich) auf. Die Epidemiologie dieser Ausbrüche ist noch nicht geklärt. (eventuell Mücken aus Frachtflugzeugen von Maastricht?). Geschichte: BT als Krankheitsbild wurde das erste Mal 1881 beschrieben als epizootischer Katarrh der Merino-Schafe. 1905 wurde der Namen Bluetongue für dieses Syndrom gegeben, und 1906 wurde durch Resultate aus Filtrationsversuchen die virale Natur der Krankheit postuliert, und vermutet, dass das saisonale Auftreten mit einem Insekten-Vektor zusammenhängen könnte. 1934 wurde dann das infektiöse Agens aus Aedes-Mücken isoliert, und 1944 fanden erste Übertragungsversuche von infizierten Mücken auf Schafe statt. Kurz nach den Filtrationsversuchen und somit der Klärung der Natur des infektiösen Agens wurde mit Impfversuchen begonnen. 1908 wurde beschrieben wie das infektiöse Agens nach mehrmaliger Passage in Schafen offenbar an Virulenz einbüsste und als attenuierter Impfstoff verwendet werden konnte. Dieser Virusstamm diente für über 40 Jahre als Impfstoff, mit weltweit über 50 Millionen verimpften Dosen. Verbreitung: BTV tritt entsprechend dem Verbreitungsgebiet des Vektors, blutsaugende Stechmücken der Gattung Culicoides (Stechgnitzen), in einem Gürtel nördlich und südlich des Aequators auf, zwischen 50°N und 30°S in Amerika und zwischen 40°N und 35°S in Europa, Afrika, Asien und Australien auf. Gebunden an den Entwicklungszyklus des Vektors tritt BTV saisonal auf. Seit der ersten Beschreibung in Süd-Afrika hat BTV sich kontinuierlich weltweit ausgebreitet, mit Ausbrüchen auf der iberischen Halbinsel in den Jahren 1956-60. Bis 1977 galt Australien frei von BTV, im Rahmen von epidemiologischen Untersuchungen wurde dann aber das Virus aus Mücken isoliert, und bis heute acht Serotypen identifiziert. Allerdings wurden nie klinische Ausbrüche der Krankheit in Schafen registriert. Seit 2006 Ausbrüche von BTV in NL, Belgien, Deutschland und Frankreich. Erreger: Das Blauzungen- oder Bluetongue Virus (BTV) ist das am besten untersuchte Virus, und somit das Prototypvirus, des Genus Orbivirus. Zusammen mit den Genera Reovirus, Rotavirus und Coltivirus ist es in der Familie Reoviridae eingeteilt. Nah verwandte Viren sind das Virus der Afrikanischen Pferdepest (AHSV), das Virus der epizootischen hämorrhagischen Krankheit der Hirsche (EHDV) oder das Ibaraki Virus der Kühe und Hirsche. Es existieren weltweit 24 verschiedene Serotypen des BTV, welche in regionale Gruppen eingeteilt werden können. Die Struktur eines Partikels sowie die Lokalisation von Proteinen wurde gezeigt durch Kristallisation von Proteinen (VP7 bei einer Auflösung von 2.5 Angström), durch Röntgenstrahlen-Analyse und kryo-elektronenmikroskopische Aufnahmen und dreidimensionale Analyse bis zu einer Auflösung von 28 Angström. Ein Viruspartikel ist etwa 80 nm gross, ist unbehüllt, und besteht aus einer diffusen äusseren Proteinschicht gebildet von den zwei Proteinen VP2 (180 Moleküle) und VP5 (120 Moleküle). Ein Core mit ikosahedrischer Symmetrie wird gebildet von 780 Molekülen des Proteins VP7, die in 260 Trimeren angeordnet sind, sowie dem darunterliegenden Protein VP3. Darin eingeschlossen sind die Proteine VP1, VP4 und VP6 und die 10 Segmente doppelsträngiger RNS (dsRNS). Zusätzlich kommen in infizierten Zellen mindestens drei Nicht-Strukturproteine vor, NS1, NS2 und NS3. Das Genom mehrerer Serotypen ist komplett sequenziert (10 Segmente ergeben total etwa 20'400 Basenpaare). Jedes Segment kodiert für ein Protein. Mittels Expression in verschiedenen rekombinanten Systemen (wie dem Baculovirussystem) können alle viralen Proteine synthetisiert werden. Dies erlaubt das strukturelle und funktionelle Studium der einzelnen Proteine oder mehrerer zusammen gleichzeitig. Bei simultaner Synthese der Strukturproteine bilden diese leere Viruspartikel, entweder nur Core-ähnliche Partikel (VP7 und VP3) oder Virus-ähnliche Partikel (VP7, VP3, VP2 und VP5), die keine Nukleinsäure enthalten, aber ansonsten den natürlich vorkommenden Virus-Partikeln identisch sind. Dies wiederum erlaubt ein weitergehendes Studium des Virus. Zusätzlich wurde gezeigt, dass diese leeren Viruspartikel ein potenter Impfstoff sind. Das Virus ist stabil in lipid-haltigen Lösungsmitteln sowie in nicht-ionischen Detergenzien. Monovalente und divalente Kationen können die äussere Proteinschicht destabilisieren, dies ist pH-abhängig. Virus-Partikel sind am stabilsten bei einem pH zwischen 8-9, wogegen Core-Partikel stabil sind bis zu einem pH von 5. Nicht-gereinigte Partikel in infizierten Zellen sind stark assoziert mit dem Zellskelett und bei niederen Temperaturen über lange Zeit extrem stabil. Virusvermehrung und Genexpression: Viele Details des Replikations-Zyklus von BTV und Orbiviren sind noch unbekannt, es wird aber angenommen, dass die grundlegenden Mechanismen bei den Reoviridae ähnlich sind. Allerdings kommen bei Orbiviren, die sich, im Gegensatz zu Rotaviren und Reoviren, auch in Arthropoden vermehren, strukturelle und funktionelle Besonderheiten vor. Der gesamte Replikations-Zyklus spielt sich im Zytoplasma ab. Die Adsorption an Zellen wird durch das Protein VP2 vermittelt, und es wird angenommen, dass zelluläre Rezeptoren für die Bindung verantwortlich sind. Bis heute wurden jedoch diese Rezeptoren nicht identifiziert. Das Core- Protein VP7 spielt wahrscheinlich auch eine Rolle bei der Bindung, da dieses Protein ein RGD-Motiv (Arginin-Glycin- Asparaginsäure) aufweist, wie es zum Beispiel auch beim Maul-und Klauenseuche Virus gefunden wird. Kapitel, Arboviren, Bluetongue Die Penetration des BTV ins Zellinnere geschieht durch Endozytose. Durch Verschmelzung mit Lysosomen und entsprechendem Abfall des pH werden die zwei Proteine VP2 und VP5 abgebaut und übrig bleibt der Core-Partikel. Dies führt zu einer Aktivierung der Transkription des viralen Genoms. Core-Partikel werden dann ins Zytoplasma entlassen, wo die Transkription beginnt. Der Core-Partikel bleibt im Zytoplasma intakt. Es gelang nie, nackte dsRNS von dsRNSViren im Zytoplasma nachzuweisen. Zelleigene Enzyme wie die Protein Kinase werden über dsRNS effizient aktiviert. Über nachfolgende Enzym-Kaskaden wird die Produktion von antiviralen Substanzen wie Interferon oder RNasen oder Mechanismen wie Apoptosis ausgelöst. Daher ist es für die Viren wichtig, dass keine freie dsRNS in Zellen vorkommt. Verschiedene Viren haben verschiedene Strategien entwickelt, um gegen die zelluläre Antwort gewappnet zu sein. Virale dsRNS-bindende Proteine wie NS2 bei BTV sind eine weitere Möglichkeit, die durch dsRNS induzierten antiviralen Mechanismen der Zelle zu verhindern. Messenger-RNS (mRNS) aller 10 Segmente, welche methyliert ist und am 5'-Ende ein Cap-Stuktur besitzt, wird innerhalb des Core-Partikels synthetisiert. Der negative Strang der viralen dsRNS dient dabei als Original für die Ablesung. Die mRNS wird aus dem Core ausgeschleust und virusspezifische Polypeptide und Proteine werden durch Translation am Endoplasmatischen Retikulum synthetisiert. Solche Peptide sind schon nach 2-4 Stunden nach Infektion in der Zelle nachweisbar. Die Bildung von Virus-Einschlusskörperchen in der Zelle ist ein Hinweis auf den Zusammenbau von neuen Virus-Partikeln. Dabei scheint mRNS von viralen Proteinen gebunden und in neu geformten Core-Partikeln dann zu dsRNS synthetisiert zu werden. Ebenso kommen im Zytoplasma Tubuli vor, zylindrische Stücke des viralen Proteins NS1, dessen Funktion jedoch unbekannt ist. Neu zusammengesetzte Viruspartikel, ebenso wie Einschlusskörperchen und Tubuli sind alle sehr eng assoziert mit dem Vimentin-reichen, intermediären Filament-Netzwerk des Zytoskeletons. Die Freisetzung der kompletten Viruspartikel erfolgt dann entweder durch Budding oder durch Lyse der infizierten Zelle. Das Nicht-Strukturprotein NS3 scheint bei der Virusausschleusung aus der intakten Zelle eine Rolle zu spielen. Durch das segmentierte Genom von BTV besteht die Möglichkeit, dass bei einer Koinfektion verschiedene Virustypen reassortieren. Dieser Mechanismus für eine genetische Shift und Evolution von Viren ist auch von anderen segmentierten Viren bekannt. Im Zeitalter vor der Sequenzierung von Nukleinsäuren und RNS Translations- Studien wurde diese Fähigkeit der Reassortierung genutzt, um die Kodierung der verschiedenen Segmente und die Funktionen der entsprechenden Proteine herauszufinden. In Feldinfektionen können oft gemischte Populationen von Viren isoliert werden. Es können im selben Wirt somit antigenetisch verschiedene Viren auftreten. Dabei ist die Reassortierungs-Rate im Insekten-Vektor viel höher als im Vertebraten-Wirt. Es bestehen auch Unterschiede in der Reassortierungs-Rate der verschiedenen Segmente. Trotzdem dass diese Reassortierung mit relativ hoher Frequenz vorkommt, scheint die genomische Zusammensetzung der verschiedenen Orbivirus-Stämme relativ konstant über längere Zeiträume, bedingt durch möglicherweise inkompatible Reassortanten oder Reassortanten mit niedrigerer Kompetitivität als Wildtypen. Epidemiologie: Blutsaugende, infizierte Arthropoden übertragen das Virus bei ihrer Mahlzeit auf empfängliche Vertebraten. Während der Virämie dient dann ein infiziertes Tier als Virusquelle für die Infektion weiterer Arthropoden, womit sich der Zyklus schliesst. Stechmücken der Gattung Culicoides sind die biologischen Vektoren für BTV, in welchen das Virus repliziert. Im Vektor ist eine vertikale, transovarielle Übertragung des Virus möglich. Das Virus kann auch in diesen Vektoren überwintern. In verschiedenen geographischen Regionen dienen unterschiedliche Spezies als Haupt-Vektoren. Selbst innerhalb einer Spezies treten individuelle Unterschiede bezüglich Vektor-Kompetenz und -Kapazität auf. Über das Vorkommen von potentiellen Vektoren in Europa liegen nur wenige Studien vor. Weltweit gibt es über 1000 Spezies der Gattung Culicoides, aber nur 8 Spezies sind kompetente Überträger von BTV. Experimentell wurde eine Virusübertragung durch in Grossbritannien heimische Culicoides spp. gezeigt. Mehrere Culicoides spp., darunter ein Hauptüberträger von BTV und Afrikanischer Pferdepest, Culicoides imicola, sind im Mittelmeerraum heimisch, wie weit nördlich sich deren Lebensraum erstreckt ist jedoch nicht genau bekannt. Weiter wurde BTV aus Zecken isoliert. Auch eine experimentelle biologische Übertragung durch Zecken (Ornithodurus spp.) wurde nachgewiesen. Ebenso ist eine rein mechanische Übertragung von BTV durch blutsaugende Arthropoden oder auch iatrogen möglich. Eine Voraussage über das Auftreten von BTV und anderen Arboviren könnte durch Identifizierung potentieller Vektoren, deren notwendigen klimatischen Lebensbedingungen sowie durch Analyse von genetisch kompetenten Vektoren verbessert werden. Andere Möglichkeiten der Übertragung von BTV wurde gezeigt durch inifzierten Samen von virämischen Stieren zur künstlichen Besamung , jedoch offenbar nicht beim Embryotransfer, weder von der Spender-Kuh auf die Embryonen noch von Embryonen auf die Empfängerkühe. Andrerseits wurde eine transplazentare Übertragung bei Kühen gezeigt, verbunden mit teratogenen Erscheinungen. Beim Schaf ist eine intrauterine Übertragungsweise belegt. Pathogenese: Nach Infektion vermehrt sich das Virus vorerst in regionalen Lymphknoten sowie eventuell Tonsillen und Milz, bevor es zu einer Virämie kommt. Das Virus scheint dabei sehr eng assoziert mit verschiedenen Blutzellen. Dabei werden in Erythrocyten-Fraktionen höhere Titer gefunden als im Buffy coat. Experimentell können T-Lymphozyten Kulturen langzeitinfiziert werden. BTV hat eine Affinität zu Endothelzellen, vor allem der kleinen Blutgefässe und Kapillaren. Mit Immunfluoreszenz wurde gezeigt, dass dies vor allem Gefässe der Epithelien betrifft. Ischämische Läsionen der Epithelien folgen den primären viralen Entzündungserscheinungen. Mechanischer Stress in Maul und nasolabialer Gegend sowie sekundär bakterielle Infektionen beeinflussen das Ausmass dieser sekundären Veränderungen. Im weiteren Verlauf der Krankheit sind pathologischanatomisch Kongestion, Oedeme und Hämorrhagien zu finden. Dies betrifft vor allem subkutanes Gewebe, den Digestions- Trakt, das kardiovaskuläre und respiratorische System sowie Lymphknoten, Milz und Nieren. Klinik: Viele Wiederkäuer sind empfänglich für BTV, die klinischen Erscheinungen kommen jedoch primär beim Schaf vor. Dabei scheinen die in endemischen Regionen vorkommenden Rassen weniger empfindlich als importierte, europäische Rassen. Ebenso beeinflusst die Virulenz der verschiedenen Serotypen die Ausprägung der Symptome. Die Morbidität kann bis 50% betragen, die Mortalität variiert und kann von 0%-70% erreichen. Oft verläuft die Krankheit symptomlos oder nur mit einer Temperaturerhöhung. Bei der akuten Form treten klinische Erscheinungen nach einer Inkubationszeit von 3 bis 7 Tagen mit dem Höhepunkt der Virämie auf. Hohes Fieber über 6 bis 8 Tage, Dyspnoe, Hyperämie der Kopfschleimhäute, sowie im weiteren Verlauf eitrige Rhinitis und Lippen- und Zungenödem mit Blaufärbung der Zunge, das der Krankheit den Namen gab, können beobachtet werden. Daneben treten Ulzera und Erosionen der Schleimhäute auf. Mit beginnender Heilung der nasalen und oralen Läsionen können sich Pododermatitiden entwickeln. Die epithelialen Läsionen von Maul und nasolabialer Gegend können chronisch werden, mit Ulzerationen und Sekundärinfektionen die zu Nekrosen führen. Bei Jungtieren treten Diarrhöen auf und die Mortalität ist sehr hoch. Bei subakutem Verlauf finden sich ähnliche, aber weniger ausgeprägte Symptome. Im Verlauf von intrauterinen Infektionen entstehen Fetopathien wie Hydrocephalus, Nekrosen, Verkürzung der Gliedmassen und Aborte. Beim Rind ist die Morbidität geringer und die Mortalität klein, der Verlauf der Krankheit oft symptomlos, die Erscheinungen ansonsten ähnlich aber milder, mit Lippenödem, Speichelfluss, Nasenausfluss und Inappetenz. Immunreaktion: Die zelluläre Immunreaktion ist schlecht untersucht und charakterisiert. Die humorale Immunantwort kann eingeteilt werden in Serotyp-spezifische und Serogruppen-spezifische Antwort. Die humorale Immunantwort bewirkt einen Abfall des Virustiters im Blut, scheint aber die virale Antigenkonzentration im Gewebe nicht zu beeinträchtigen. Andrerseits wird das Virus offenbar nicht vollständig aus dem Blut eliminiert. Sowohl neutralisierende Antikörper wie auch Virus können bis zu 28 Tagen im Blut nachgewiesen werden. Dabei ist es möglich, dass das Virus sich entweder in den Zellen aufhält oder durch kleine antigenetische Unterschiede des Partikels der humoralen Immunantwort temporär zu entgehen vermag. Virus-Neutralisations Tests sind das wichtigste Werkzeug zur Bestimmung des Serotyps. Neutralisierende und auch hämagglutinierende Antikörper sind gegen Epitope auf dem Protein VP2 gerichtet. Gruppen-spezifische Antikörper sind vor allem gegen VP7 gerichtet. Das Vorkommen von Virusneutralisierenden Antikörpern korreliert sehr gut mit einer protektiven Immunität gegen den homologen Virustyp. Passive Immunität durch Antikörper im Kolostrum schützen das Lamm für ungefähr sechs Monate. Tragende Auen sollten allerdings in der frühen Trächtigkeit nicht geimpft werden wegen möglichen teratogenen Auswirkungen. Der Lebendimpfstoff sollte in nicht-endemischen Gebieten während der Vektor-Saison nicht verwendet werden, da das Virus infektiös ist für den Vektor. Prophylaxe: Die Schutzimpfung mit lebend attenuierten Impfstoffen wird in endemischen Gebieten durchgeführt. Zur Verhinderung der Verschleppung der Krankheit in seuchenfreie Gebiete sind seuchenpolizeiliche Massnahmen (und deren Einhaltung) von höchster Wichtigkeit. Diagnose: Die Diagnose kann gestellt werden einerseits aufgrund der klinischen Symptome, dem regionalen und zeitlichen Auftreten, sollte aber andrerseits aufgrund der möglichen Verwechslung mit anderen Krankheiten unbedingt bestätigt werden durch eine Labordiagnose. Labordiagnose: Virusisolation ist möglich durch Inokulation von Schafen, embryonierten Hühnereiern, intracerebrale Inokulation von Babymäusen oder direkte Adaptation des Virus an Zellkulturen von Säugetier- oder Insektenzellen. Die Identifizierung des Virus erfolgt mittels KBR, IIF, ELISA, EM, Hybridisierungsmethoden und PCR. Zur Erhöhung der Sensitivität des für lange Zeit einzigen diagnostischen Tests, der Inokulation von Schafen, wurde die sogenannte "blood autograft technique" verwendet. Es wurde festgestellt, dass diese Technik die einzig verlässliche war, um Virus von persistent infizierten Bullen nachweisen zu können. Die Methode bestand darin, dass dem Schaf, das mit Probenmaterial des zu testenden Bullen inokuliert wurde, am 5. bis 8. Tag nach Inokulation eine gewisse Menge Blut aus der Vena jugularis entnommen wurde. Dieses Blut wurde dann umgehend demselben Schaf subkutan am Hals injiziert, was offenbar zu einer Aktivierung des Virus führte. Eine Erklärung für dieses Phänomen wurde bisher nicht gefunden. Der Antikörpernachweis geschieht mittels gruppenspezifischen Tests wie KBR, IF, Agargel Präzipitation, ELISA, und typenspezifischen Tests wie HHT und SNT. Differentialdiagnose: Mucosal disease/Virus Diarrhö, Infektiöse bovine Rhinotracheitis, Bösartiges Katarrhalfieber, Maul- und Klauenseuche, Vesikuläre Stomatitis oder andere Stomatitiden, Orf. Untersuchungsmaterial: Zur Virusisolation ist Heparin-Blut von virämischen Tieren geeignet. Es wurde gezeigt, dass Blutzellen das beste Material zur Isolation von Virus sind. In Erythrocyten findet man die höchsten Virustiter über die längste Zeitperiode. Virus kann auch isoliert werden aus dem Samen von Bullen. Neutralisierende Antikörper treten ab dem 6-14 Tag nach Infektion auf und können im Serum nachgewiesen werden, ebenso wie gruppenspezifische, nicht-neutralisierende Antikörper. Therapie: Es gibt keine Virus-spezifische Therapie. Staatliche Massnahmen: Vorschriften des Internationalen Tierseuchenamtes in Paris (Office international des Epizooties, O.I.E.) und des Bundesamtes für Veterinärwesen sind massgebend (O.I.E. Animal health code; Tierseuchenverordnung).
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