Absetzdurchfall und Ödemkrankheit in der Ferkelaufzucht

Der Absetzdurchfall und die Ödemkrankheit sind in der Ferkelaufzucht häufig auftretende Erkrankungen, die durch plötzliche Todesfälle und Wachstumsdepressionen der Tiere massive wirtschaftliche Verluste verursachen können. Je mehr man darüber weiß, desto leichter kann man vorsorglich handeln.
Die Ödemkrankheit und der Absetzduchfall können im Ferkelaufzuchtstall großen Schaden anrichten.
Die Ödemkrankheit und der Absetzduchfall können im Ferkelaufzuchtstall großen Schaden anrichten.
Von der Muttersau abgesetzte Saugferkel befinden sich in einer klassischen Stresssituation. Das Ferkel muss sich mit der Trennung von der Mutter, dem Transport, den Rangordnungskämpfen, dem Keimdruck der neuen Umgebung und der Umstellung von der Muttermilch auf Festfutter auseinandersetzen.
Während der Säugephase erhält das Ferkel mit der Milch (Milchzucker, Milchfett, Milcheiweiß, Wasser) ein hoch verdauliches Nahrungsmittel. Durch den Abbau von Milchzucker zu Milchsäure wird der pH-Wert im Darm niedrig gehalten. Dadurch können sich die coliformen Keime nicht gut entwickeln. Durch die Umstellung von der Milch auf Wasser und Festfutter auf Getreidebasis muss sich der gesamte Verdauungsapparat umstellen. Es kommt zu einer Volumenzunahme des Dünn- und Dickdarms, zu einer Verschiebung der Darmflora und zu einer Änderung der Enzymproduktion.
Durch die noch ungenügende Salzsäureproduktion des Magens in den ersten drei bis vier Lebenswochen und durch die damit einhergehende verminderte Darmmotilität (Darmbeweglichkeit) wird den E. coli-Stämmen die Magenpassage sowie das Aufsteigen der Keime vom Dickdarm in den Dünndarm erleichtert. Dadurch kommt es zu einer massiven Vermehrung von Colikeimen im Dünndarm. Dies und die durch die Stresssituation bedingte verminderte Abwehrkraft kann zu einer Erkrankung der Tiere führen.

Absetzdurchfall und Ödemkrankheit
Bisher sind mehrere tausend Serotypen von E. coli bekannt, wobei zwischen pathogenen (krankmachenden) und apathogenen (nicht krankmachenden) Keimen unterschieden werden muss. Die apathogenen Keime sind normale Bewohner des Magen-Darm-Traktes. Die pathogenen Stämme kann man unter anderem in enterotoxische (ETEC) und verotoxische (VTEC) E. coli einteilen.
Sie sind für Durchfälle bei neugeborenen und abgesetzten Ferkeln und für die Ödemkrankheit verantwortlich.

Klinik Absetzdurchfall
Enteropathogene und enterotoxische E. coli-Stämme verursachen den Absetzdurchfall. Sie besitzen Oberflächenstrukturen
(Fimbrien) zur Anheftung an das Darmepithel. Diese Stämme produzieren Enterotoxine (Giftstoffe), welche die Darmzellen veranlassen Wasser und Elektrolyte (Natrium, Chlorid, Kalium) in den Darm abzugeben. Die Erkrankung tritt meist nach dem Absetzen oder nach Futterumstellungen (Prästarter ➞ Absetzfutter, Absetzfutter ➞ Aufzuchtfutter) auf. Es kommt zu einem wässrigen Durchfall mit Verlust an Wasser und Elektrolyten. Die Tiere fallen in den Flanken ein, wachsen auseinander und können durch die Austrocknung verenden.

Autor: Dr. Michael HOLZHEU, Traunkreis Vet Clinic, Ried im Traunkreis


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veröffentlicht: 05.12.2012 09:55