Muttergebundene Kälberaufzucht umsetzen

Das Interesse an mutter- und ammengebundener Kälberaufzucht in der Milchviehhaltung wächst. Pioniere sind den landwirtschaftlichen Beratern voraus.
Milchkuh mit Kalb bei Fuß ist in der muttergebundenen Kälberaufzucht kein Widerspruch. Foto: Thomsen
Milchkuh mit Kalb bei Fuß ist in der muttergebundenen Kälberaufzucht kein Widerspruch. Foto: Thomsen
Agrarjounalistin Astrid Thomsen hat mit Praktikern über die Anforderungen an die Haltung bei muttergebundener Kälberaufzucht gesprochen. Sie fasst zusammen: "Die meisten Milchviehställe lassen sich ohne übermäßige Baumaßnahmen oder Kosten auf die Methode der mutter- und ammengebundenen Kälberaufzucht umstellen." So unterschiedlich die Möglichkeiten dieser Kälberaufzucht sind, so verschieden sehen dann auch die Ställe aus. Entscheidend ist, ob die Kälber ausschließlich von ihren Müttern und/oder auch von Ammen großgezogen werden. Praktiker empfehlen, erst mal mit wenigen Kälbern anzufangen und einen oder zwei Testdurchläufe zu machen. Dann weiß man, welche Methode zu den eigenen Betriebsbedingungen passt.

Provisorium oder gleich perfekt?

Thomsen weiß aus den Praktikergesprächen, dass die Unterbringung der Aufzuchtgruppe auf den Höfen stetig verändert und verbessert wird. Aber es zeigt sich, dass einige Betriebsleiter genug von den ganzen Provisorien haben und etwas „Richtiges“ wollen. Besonders, weil sich die meisten nicht mehr vorstellen können, das System wieder zu ändern. Die Vorteile überwiegen.

Bei ammengebundener Kälberaufzucht ist der Platzbedarf meist geringer als bei muttergebundenen Systemen. Foto: Thomsen
Bei ammengebundener Kälberaufzucht ist der Platzbedarf meist geringer als bei muttergebundenen Systemen. Foto: Thomsen
Genügend Abkalbeboxen

Wichtig bei dieser Kälberaufzuchtmethode ist es, genügend Abkalbeboxen zu haben, in denen die Kälber für einen bis mehrere Tage mit ihren Müttern zusammen bleiben. Manche Betriebe lösen das Platzproblem, indem sie auch auf der Weide abkalben lassen und die Tiere nach einigen Tagen in den Stall zur Aufzuchtgruppe holen.

Beratungsbedarf nicht gedeckt

"Es gibt einen großen Beratungsbedarf in diesem Bereich", sagt Thomsen. Im Moment erhalten Milchviehhalter, die diese Methode anwenden, sehr viele Anfragen. Manche sagen schon, dass sie diese Beratung neben ihrer normalen Arbeit nicht mehr schaffen. Wünschenswert wären landwirtschaftliche Berater, die sich diesem Thema annehmen würden.

Tipps zur Gestaltung von angepassten Ställen für die mutter- und ammengebundene Kälberaufzucht lesen Sie in LANDWIRT 16/2017.

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Aktualisiert am: 04.08.2017 14:28