Kaiserschnitt: Letzte Chance für Kuh und Kalb

Der Kaiserschnitt ist bei Schwergeburten oftmals die letzte Chance, um Kuh und Kalb vor dem Tod zu retten. Aktuell erlebt diese Geburtshilfetechnik in der Nutztierhaltung eine Renaissance.
Schnelles und vor allem sauberes Arbeiten während der Operation senkt die Risiken für Kuh und Kalb.
Schnelles und vor allem sauberes Arbeiten während der Operation senkt die Risiken für Kuh und Kalb.
In der Veterinärmedizin gehört der Kaiserschnitt nach wie vor zu den Routinepraktiken des Rindertierarztes und dass, obwohl bei unseren Milchrassen züchterisch neben der Milchleistung und Fitness auch auf Leichtkalbigkeit selektiert wird.
Anders die Situation in Ländern mit hohem Fleischrassenanteil, wie zum Beispiel den Beneluxstaaten. Dort ist wegen der Größe des Kalbes eine Geburt auf natürlichem Weg oft nicht möglich, weshalb am berechneten Geburtstermin eine für die Operation perfekt vorbereitete Kuh auf den Tierarzt wartet. Dieser führt dann häufig mehrere Kaiserschnitte an einem Tag durch.

Tierarzt entscheidet
Als erster Hinweis für einen Kaiserschnitt ist zunächst einmal das absolut zu große Kalb zu werten, welches den natürlichen Geburtsweg unmöglich passieren kann. Umgekehrt können natürlich vor allem bei Kalbinnen oft die Geburtswege wie zB Becken, Muttermund und Scheide zu eng sein und dadurch die Frucht in Relation zu groß sein. Des Weiteren gibt es eine Anzahl von Komplikationen wie beispielsweise unbehebbare Drehungen der Gebärmutter, auch Drall (Torsio uteri) genannt, oder verschlagener Kopf und Gliedmaßen, sowie ungünstige Lagen, zB Steißlage. Missbildungen des Kalbes oder Wehenschwäche können eine natürliche Geburt ebenfalls verhindern. Mittlerweile kommt auch in der Nutztierpraxis dem Wunsch-Kaiserschnitt eine immer größere Bedeutung zu. Dieser kommt vor allem bei sehr wertvollen Muttertieren mit deren kostbarem Nachwuchs oder einfach aus Termingründen zum Einsatz.
Dringend von einer Operation abzuraten ist bei einem verschleppten Geburtsverlauf, wenn das Kalb schon länger tot ist, sich Haare und Klauen lösen, stinkende Fruchtwässer und Nachgeburtsteile austreten und die Kuh einen sehr schlechten Allgemeinzustand aufweist. Dazu zählen Risikofaktoren wie zB hohes Alter, chronische Klauen- und Gelenksentzündungen sowie Leber- od. Nierenschäden. Die Gefahr einer Bauchfellentzündung und einer allgemeinen Blutvergiftung ist zu groß und schließlich einen erfolgreichen Ausgang der Operation verhindern. Nur der rechtzeitig beigezogene Tierarzt kann entscheiden, wann dieser doch erhebliche Eingriff sinnvoll ist oder nicht.

Autor: Dr. Markus KÖNIGSHOFER, Traunkreis VetClinic


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Aktualisiert am: 25.10.2007 17:03