hans_meister 22-12-2017 12:26 - E-Mail an User
Industrialisierte Landwirtschaft - wo beginnts?
Über industrialisierte Landwirtschaft wird viel geredet und diskutiert. Aber was ist industrielle Landwirtschaft und wo beginnt’s? Oder ist alles nur eine Frage von groß und klein?

Wo liegen die Unterschiede zwischen bäuerlicher und industrieller Landwirtschaft? Wäre es notwendig bei den Förderungen und bürokratischen Aufwand zwischen bäuerlicher und industrialisierter Landwirtschaft zu unterscheiden oder ist jeder landwirtschaftliche Betrieb gleich zu beurteilen?



Ferdi 197 antwortet um 22-12-2017 23:33 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Industrialisierte Landwirtschaft - wo beginnts?
Also ein Ansatz wäre, das es eine Basisförderung gibt, von jeden aktiv im Vollerwerb (min. eine Person) bewirtschaftete Betrieb eben eine Art "Grundförderung" bekommt u. dann irgendwann dieser Beitrag in Euro eben gedeckelt ist.
Dabei müssen aber div. Investitionskosten, Technisierung, usw. mit eingerechnet werden wie z.B. ein Ackerbauer benötigt nicht so aufwendige Gebäude, Melkanlage, Silos, Mischwagen usw. daher ein wenig weniger, ein Milchbauer benötigt Stall, Melkanlage, Futtermischer, Futter-Lägerstätten, Heutrocknung usw. somit ein wenig mehr, ein reiner Forstwirt benötigt wieder ein wenig weniger aus bekannten Gründen, ein Gemüselandwirt, Baumschule, usw. ist wieder Individuell zu beurteilen.
Meines Erachten sollte es dazu noch eine generelle Deckelung von ca. 60.000,- bis 80.000,- € pro Jahr und Betrieb geben.
Was noch abzugelten wäre ist halt auch die Pflege der Natur, speziell in Tourismusgebieten, das muss auch sichergestellt sein u. abgegolten werden. Dafür gibt es jetzt ja ein neues Ministerium auch mit der Agenda Tourismus.
Zusätzlich ist Vorsicht geboten mit Betriebsteilungen damit zusätzliche Förderungen beansprucht werden können.
Vielleicht anzudenken wäre eine Förderzusage immer nur für z.B. die ersten 30ha, dann bis 50ha u. ab 60 ha gibt es keine Förderung mehr zusätzlich, obwohl auch für diese eben eine gewisse Grund u. Boden Pflege erforderlich ist.
Gekoppelt sollte es auf alle Fälle immer auch auf die Beschäftigten im Betrieb sein.
Somit würde vielleicht auch das "Bauernsterben" ein wenig eingedämmt, da doch mit "Gelder" einige angelockt werden würden, damit sie eine Landwirtschaft eben aktiv betreiben.



Juglans antwortet um 23-12-2017 00:27 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Industrialisierte Landwirtschaft - wo beginnts?
Ich würde aus dem Bauch heraus sagen so ab 5000 ha. Sprich wenn man von jeder Maschine schon eine zweite braucht.
In der Tierhaltung würde ich sagen ab 1 ha Stallfläche.
mfg



Vollmilch antwortet um 23-12-2017 07:50 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Industrialisierte Landwirtschaft - wo beginnts?
Guten Morgen!

Das wird jeder etwas anders definieren.
Grundsätzlich sollte man vielleicht davon Abstand nehmen, unter "Industrie" zwangsläufig was negatives vermitteln zu wollen.

LG Vollmilch


meki4 antwortet um 23-12-2017 08:01 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Industrialisierte Landwirtschaft - wo beginnts?
Vollmilch, der Meinung bin ich auch. Ich bin mir sicher das es z.B. 100 Kühen in einem neuen, luftigen und hellen Stall besser geht, als 5 Kühen in einem alten, finsteren Anbindestall, womöglich noch mit "Schwanzfütterung". Industrie hat heute sicher ordentliche Standards und Auflagen. Als negatives Bsp. fällt mir da die frühere Legebatterienhaltung ein, gibts bei uns gottseidank nicht mehr, aber leider noch immer in so manchen Ländern, und diese Eier werden dann in die verarbeitende Lebensmittelindustrie untergejubelt, weil sie ja billieger sind und man die Herkunft verschleiern kann.
LG M.


FeSt antwortet um 23-12-2017 09:02 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Industrialisierte Landwirtschaft - wo beginnts?
Auf der Suche nach Zahlen dazu im Netz z.B.:
Das Institut für Geographie und Geologie der Universität Greifswald hat die Mindestgrößen so wie folgend definiert für industrialisierte Landwirtschaft:
Zitat:
"*Viehanlagen mit mehr als 500 Rindern (GV), und/oder mehr als 2000 Schweinen oder mehr als
380 Sauen mit 3000 Ferkeln und/oder mehr als 9000 Geflügeltieren, wobei die Besetzung einer
Stallanlage 600 Tiere nicht überschreitet

*Betrieben mit mehr als 500 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche."
-------------------------------------

Ab wie vielen Mitarbeiter, Umsatz, Bilanzsumme und Eigenständigkeit(Kapitalanteile) ist ein landwirtschaftliches Unternehmen Industrie?

Außerdem, können wir die Chancen von Landwirtschaft 4.0 vorteilhaft und gewinnbringend umsetzen?


mfj antwortet um 23-12-2017 10:08 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Industrialisierte Landwirtschaft - wo beginnts?

Industrialisierte Landwirtschaft beginnt- wo Geld aus dem Produkt verdient wird.
Also… in fast jeder konventionellen Landwirtschaft.

In der ökologischen Variante steht ja der Förderbezug meist an erster und höchster Stelle des Einkommens.
Diese Variante ist oberflächlich nicht verwerflich, in einer Gesellschaft wo Voll- bzw. Überversorgung mit Nahrungsmitteln stattfindet.

Die politische und mediale Absolution dazu – setzt den Bioverbraucher sozusagen in den „Ich tu was - Beichtstuhl“ - seines ansonsten verschwenderischen und Ressourcenvergeudeten Lebensstils.
Moralisch ist es aber höchstens ein Alibi und stelle es an den Pranger.

Der Begriff „Industrialisierte Landwirtschaft“ kommt Gebetsmühlenartig aus der ÖKO- Richtung/Bewegung und ist in deren Marketing-Buden gesellschaftlich geprägt und verbreitet worden.






mittermuehl antwortet um 23-12-2017 11:03 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Industrialisierte Landwirtschaft - wo beginnts?
Industrielle Fertigung hat einfach ein paar Merkmale.

Es handelt sich um maschinenlastig Massenproduktion. Der Mensch wir in den Fertigungsprozessen von den Arbeitsstunden her immer Unwichtiger.

Die Produktionsverfahren sind nicht mehr individuell angepasst, sondern standardisiert.

Die Produkte sind weitest gehend standardisiert.

Für die Landwirtschaft bedeutet das eine hohe Spezialisierung auf ein Themengebiet in Verbindung mit einer hohen technischen Ausstattung und einer hohen Massenproduktion.

In Österreich kaum möglich. Alles was unter 300 ha oder 300 GVE ist kann mit der industriellen Landwirtschaft unserer Nachbarn nicht mithalten und ist eine Bäuerliche Landwirtschaft. Diese spielt vielleicht „Industriell“.

Man denke an einen großen Schuhersteller in Asien im Vergleich zu „Waldvierter Schuhen“ (letzter sind eine Manufaktur mit vielen Angestellten wo auch industrielle Maschinen zum Einsatz kommen).

Industrielle Landwirtschaft hat nichts mit Gewinn oder Bio zu tun. Im Ausland gibt es längst industrielle Landwirtschaft im Biobereich. Genauso können industrielle Landwirtschaften auch in Konkurs gehen.

Mein persönlicher Schluss: Als Landwirten Österreich können wir im industriellen Bereich gegen die Konkurrenz nicht bestehen. Wir sollten uns weniger auf ein Produkt spezialisieren, sondern Betriebe breiter aufstellen (damit meine ich nicht Silomais,-Silomais, Schottergrube, Baugrund). Man sollte Nischenprodukte suchen die die Industrielle Landwirtschaft nicht so leicht bedienen kann. Glyphosatfreie Milch ist in dem Zusammenhang zumindest ein besonderes Produkt - Ob es ein Produkt mit einem weiteren Sinn oder nur einer guten Vermarktung ist, ist in dem Zusammenhang unwichtig. Aber jeder Versuch einer industriellen Landwirtschaft in Österreich (mit 5 „Hirschen“ im Stadel) schaut im Vergleich zu echter industrieller Landwirtschaft einfach lächerlich aus. Wir sind als Landwirte auf 3% geschrumpft, bewirtschaften jetzt die frei gewordenen Flächen und sind noch immer weit weg von der Industrie. Wenn wir wirklich Industrielle Landwirtschaft in Österreich wollen, werden wir einfach Lohnarbeiter für ein paar Konzerne werden müssen – weil wir selber keine industrielle Landwirtschaft schaffen. Wir sind zu klein. Nicht mein Zunkunftsbild für mich. Aber der Zug fährt in die Richtung.






reinhard.s(fpc28) antwortet um 23-12-2017 11:21 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Industrialisierte Landwirtschaft - wo beginnts?
Da Industrie vom lateineinschen "industria"- das heißt Fleiß- abgeleitet wird, sind wohl alle fleissigen Bauern industriell.
Ich halte eine gewisse Basisförderung ("Arbeitsplatzsicherung") für sinnvoll und eine Dregression mit steigenden ha. Da die allermeisten Betrieb nicht allzu viele ha Eigenfläche haben, wandert ab einer gewissen Größe die allermeiste - bei uns die gesamte - Förderung zu den Verpächtern.
Das halte ich für eine falsche Entwicklung. Wenn das Geld knapper wird, so sollte man versuchen möglichst viel zu den Bewirtschftern zu bringen, die ja die manigfaltigen Aufgaben der Landwirtschft erfüllen.
Wo da die exakten Grenzen sind, ist nicht so leicht zu sagen, da ja die Strukturen überall etwas anders sind.


mfj antwortet um 23-12-2017 12:55 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Industrialisierte Landwirtschaft - wo beginnts?

@mittermuehl - wenn du glaubst dass sich bei den 10 größten Molkereien Österreichs mit über 90% der Gesamtanlieferung in Österreich, um "Handarbeitsbetriebe" handelt, ohne maschinenlastige Massenproduktion...dann kannst morgen unter dem Tannenbaum auch auf das Christkind warten...

z.b. NÖM AG, Pinzgau, Vorarlberg Milch, Privatkäserei Rupp, Obersteirische Molkerei, Ennstalmilch, Gebrüder Wörle, Berglandmilch, Kärntnermilch, Alpenmilch Salzburg, Molkerei Stainz, Gmudner Milch....





erich78 antwortet um 23-12-2017 14:19 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Industrialisierte Landwirtschaft - wo beginnts?
Bei mir in der Nähe hat ein Biobetrieb soviel zusammengepachtet, das er auf ca. 500 ha Ackerfläche kommt. Ist das keine industrielle Landwirtschaft ?


dietmar.s(2cz6) antwortet um 23-12-2017 14:49 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Industrialisierte Landwirtschaft - wo beginnts?
Wo liegen die Unterschiede zwischen bäuerlicher und industrieller Landwirtschaft?

-in der Beschäftigungsstruktur.Anzahl der Beschäftigen. Verwandtschaftsgrad. Stundenlöhne usw.

Wäre es notwendig bei den Förderungen und bürokratischen Aufwand zwischen bäuerlicher und industrialisierter Landwirtschaft zu unterscheiden oder ist jeder landwirtschaftliche Betrieb gleich zu beurteilen?

-solang die Mehrzahl der Betriebe noch bäuerliche Struktur haben, wird es politisch sicherlich noch leichter sein sich selber förderungsmäßig zu Unerstützen. Allerdings arbeitet man hart daran sich selber abzuschaffen.



mittermuehl antwortet um 23-12-2017 15:24 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Industrialisierte Landwirtschaft - wo beginnts?
@erich78 ... Mit 500 ha kann er schon industriell sein. Hängt noch davon ab wieviel Menschen er beschäfftigt und wieviele Produkte er hat und wie er vermarktet. 500ha Getreide ... zwei Personen die da arbeiten ist Industriell. Was macht der?


Znarf86 antwortet um 23-12-2017 17:05 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Industrialisierte Landwirtschaft - wo beginnts?
Ab der SVB Obergrenze, je mehr desto weniger!!!
Je mehr ha desto weniger Versicherungsbeiträge!


gerhard.k(ix721) antwortet um 23-12-2017 18:27 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Industrialisierte Landwirtschaft - wo beginnts?
Das heist du wärst dafür das ein unternehmen für einen Gewinn sage wir mal 150 000.-
dann 100 000 Svb bezahlt + natürl. noch einkommensteuer von 50 %
Dann würde sich dieser wahrscheinlich folgendes Fragen der Bauer mit 10 ha ist ein fauler Sack und ich kann im die Gesamte Krankenk. und Pension Zahlen und anderes auch noch.
um es etwas überspitzt zu formolieren



Juglans antwortet um 24-12-2017 09:38 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Industrialisierte Landwirtschaft - wo beginnts?
@Znarf: Die SVB bietet jedem und jeder die Möglichkeit seine Beiträge nach tatsächlichen Gewinnen zu entrichten. Wenn du wenig verdienst zahlst du auch wenig.
Große Betriebe beschäftigen in der Regel Fremdarbeitskräfte, für welche ebenfalls SV Beiträge zu entrichten sind, was aber immer vergessen wird.
mfg


Znarf86 antwortet um 25-12-2017 20:40 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Industrialisierte Landwirtschaft - wo beginnts?
Große Betriebe beschäftigen Lohnunternehmer und stellen selten Arbeiter ein.

@ gerhard.k(ix721)
Ich bin dafür das große Betriebe auch ihre SVB Beiträge zu entrichten haben und keine Geschenke bekommen.
1. Erkläre dein Beispiel genauer.
2. Vergleiche es mit einem Industriebetrieb.
Wenn es in der Landwirtschaft nicht geht warum dann bei allen anderen Wirtschaftsbetrieben.


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