hans_meister 10-03-2011 10:57 - E-Mail an User
Sind die landwirtschaftlichen Schulen zu erfolgreich?
In den vergangenen Wochen sind vor allem landwirtschaftlichen Fachschulen in einigen Bundesländern in den Fokus der Landes-Einsparungswünsche geraten. Das werden wir schon hinkriegen, denkt die Politik. Jetzt wird einmal gespart.
Praktischerweise liefert eine glückliche politische Konstellation auch gleich die Argumentationslinie mit. Die Schulen, um die es geht, gehören zum kleinen Sektor der landwirtschaftlichen Fachschulen. Diese Schulen speisen sich aber nicht aus dem Topf des Bildungsministeriums, sondern gehören zum Hoheitsgebiet des Landwirtschaftsministers. Warum – die logische Frage – soll also das Landwirtschaftministerium auch die Ausbildung zum EDV Techniker oder das Polytechnikum bezahlen? Als ob es nicht eins wäre, woher das Geld kommt, schließlich werden beide Töpfe – vom Bildungsministerium und vom Landwirtschaftsministerium – von ein und demselben Steuerzahler berappt. Nur in diesem Fall hat das Geld halt ein Mascherl.

In Zeiten des Sparens verleitet das Politiker zur Schlussfolgerung: weniger Schulen, weniger Schüler, weniger Kosten. Das führt aber zu einer weiteren Ausdünnung der ländlichen Gebiete. So wird Erfolg bestraft und richtet sich gegen jene, die erfolgreich arbeiten.

Sollen also landwirtschaftliche Fachschulen nur für die Landwirtschaft oder auch andere Berufsfelder ausbilden?





biozukunft antwortet um 10-03-2011 12:28 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Sind die landwirtschaftlichen Schulen zu erfolgreich?
Teilweise schon, es gibt doch auch sehr gute darunter. Die meist harte Arbeit in der LW,FW mag aber eigentlich nur ein kleiner Bruchteil weiter machen.
Wenn man selbst die Erfahrung machte, daß man trotz erfolgreicher Aufnahmeprüfung wegen Platzmangel, zugunsten eines Kandidaten aus dem gewerblichen Bereich, mit mehr "Vit. B" nicht in eine HBLA aufgenommen wurde, frage ich mich schon, ob nicht die Landwirtskinder, oder solche die tatsächl. Land- u. Forstwirt werden möchten, Vorrang haben sollten.
Ein Sohn von mir will auch wieder in eine solche HBLA gehen. Von 90 Bewerbern werden für die gewünschte Fachrichtung aber nur 30 aufgenommen, weil bei Klassen wieder eingespart werden soll.


ehoe11 antwortet um 10-03-2011 13:53 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Sind die landwirtschaftlichen Schulen zu erfolgreich?
Da sieht man wieder wie notwendig eine Bundesreform wäre: Ein Ministerium für alle Schulen! Dann würde es keine Streiterein über die Finanzierung geben - und die Schüler könnten sich wirklich "ihre Schule" aussuchen. Die Landwirtschaftsschulen arbeiten wirklich sehr gut - das beweisen auch die hohen Anmeldungszahlen - so muß z. B. die Land- und Forstwirtschaftliche Fachschule Kirchberg am Walde eine gesamte Klasse (30 Schüler) abweisen - aus Spargründen - diese Schüler gehen wahrscheinlich dann in andere Schulen - und müssen auch von der öffentlichen Hand finanziert werden! (und wo bleibt die Einsparung??)
Leider schaffen unsere Politiker keine Bundesreform - es ist viel einfacher den Treibstoff erhöhen, Kinderbeihilfe streichen, den Mehrkinderzuschlag halbieren usw.. Und so wurschteln wir wieder ein paar Jahre weiter..........


kolli antwortet um 10-03-2011 17:56 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Sind die landwirtschaftlichen Schulen zu erfolgreich?
Wieviel % der Abgänger von den Landwirtschaftlichen Fachschulen gehen tatsächlich in die Landwirtschaft oder in landwirtschaftsnahe Bereiche?
Der Bevölkerungsanteil der Landwirtschaft nimmt immer mehr ab - ist es da nicht auch logisch, dass die landw. Fachschulen abnehmen? Ist es sinnvoll, in einer landw. Fachschule eine EDV-Ausbildung zu machen?
Ich denke, dass die Anforderung an die Landwirtschaft in der Zukunft sehr groß sein werden. Dazu braucht es eine qualitativ hochwertige Schule - und nicht 10 verschiedene Kraut- und Rüben Schulen. Für die Ausbildung von Gemeindesekretären brauch ich keine Landwirtschaftsschule.


teilchen antwortet um 11-03-2011 07:54 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Sind die landwirtschaftlichen Schulen zu erfolgreich?

Bei den Fachhochschulen ist es ganz logisch, dass sie nur so viele Studierende aufnehmen dürfen, wie es auch Bedarf an Stellen in der Praxis gibt.
Mehr Plätze werden dann nicht finanziert.
Wenn also z.B. Personal im medizinisch-technischen Bereich gebraucht wird, ist es sinnvoll, dort die Studienplätze aufzustocken, und dort wo die Absolventen ohnehin in andere Berufe gehen, zu reduzieren.
Weiß nicht warum die LW-Schulen sich so aufregen, wenn sie am Bedarf vorbei arbeiten.



walterst antwortet um 11-03-2011 08:00 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Sind die landwirtschaftlichen Schulen zu erfolgreich?
@teilchen
wie und wo arbeiten die LFS am Bedarf vorbei?


kraftwerk81 antwortet um 11-03-2011 08:12 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Sind die landwirtschaftlichen Schulen zu erfolgreich?
naja, gibt ja genug die nach der LFS noch eine Lehre beginnen weil sie mit der Schule allein nix anfangen können


teilchen antwortet um 11-03-2011 08:13 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Sind die landwirtschaftlichen Schulen zu erfolgreich?

@walter

Die Absolventen gehen in andere Berufe als die Landwirtschaft.
Die Ausbildung an einer LFS kostet mit Sicherheit mehr als eine andere berufsbildende Schule, weil ein hoher Praxisanteil dabei ist, und dafür natürlich auch die Infrastruktur da sein muss.
Das ist Luxus. Natürlich ist so eine Schule für die Schüler attraktiver als eine "normale" Schule, weil es mehr Spaß macht, eine Schule mit Praxisbereichen zu besuchen.
Ich wär z.B. auch gern in eine Schule mit höherem Anteil an Kunstförderung gegangen.

Wenn es gewollt ist, dass Menschen grundsätzlich mehr Wissen über Landwirtschaft ins Leben mitnehmen, egal was sie beruflich machen, dann muss das ein Committment auf höherer Ebene geben, und das ganze Schulkonzept überarbeitet werden.
Dann sollten aber alle Kinder davon profitieren, und so ein landwirtschaftlicher Praxisteil in jeder Schule angeboten werden.
Gesellschaftspolitisch wäre das sicher ein Gewinn, aber wer zahlt das?



DJ111 antwortet um 12-03-2011 01:15 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Sind die landwirtschaftlichen Schulen zu erfolgreich?
@teilchen: Gegenfrage:

Warum werden dann nicht Studienrichtungen massiv beschränkt, wo es für gewisse Zweige auch sehr wenig Chancen auf Arbeit gibt und andererseits akuter Facharbeitermangel in vielen Berufen herrscht?


teilchen antwortet um 12-03-2011 08:14 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Sind die landwirtschaftlichen Schulen zu erfolgreich?

@DJ111

Werden sie ja eh. Schau einmal in die Institutsräume von Geologie, Paläolontologie oder Kristallographie. Und dann in technische Physik oder die Wirtschaftsuni. In ersteren sitzen vielleicht 9 Studenten pro Semester, in zweiteren 100 mal so viel und mehr. Erstere sind museumsreif, zweitere modern und zeitgemäß ausgestattet.
Du siehst sofort deutlich wohin das Geld fließt.
Die Bildungs- und Forschungsquote ist ein bisschen eine heilige Kuh, wir haben EU-weit eine der schlechtesten Quoten. Dabei ist Bildung DIE einzig sinnvolle Arbeitslosenversicherung für den Staat und für einen selbst.

Der Facharbeiterstatus konkurriert eher mit den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen, dort müsste man ansetzen. Die Lehrlingsausbildung ist aber oft nicht attraktiv genug, da geht man lieber weiter in die Schule.



Restaurator antwortet um 12-03-2011 09:39 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Sind die landwirtschaftlichen Schulen zu erfolgreich?
es sollten sich die unterrichtenden der lfs zu wort melden weil die vorstellungen, wie sie so manche(r) aussenstehnde(r) hier von sich gibt, zwar dem simplifizierten denken, aber nicht der realität entgegenkommen.
wenn man bei den lfs einspart, muss man auf der anderen seite aufstocken. weil irwo müssen die pflichtschüler im 9. schuljahr hin. die lfs sind auch wesentlich näher am leben als die meisten anderen schulen. der praktische teil wird sicher an keiner anderen schulform so intensiv ausgelebt wie in den lfs. sogar wenn ein schüler nichts lernen will, so nimmt er / sie von einer lfs immer etwas lebenspraktisches mit. die lfs eröffnen auch die möglichkeit in verschiedenste berufe mit verkürzter ausbildungszeit zu wechseln, sogar in den altenpflegesektor. auch vom benehmen und dem täglichen umgang miteinander her unterscheiden sie sich wohltuend von so mancher poly.
man könnte diese liste jetzt noch fortsetzen, aber die skeptiker und gegner wollen nicht verstehen und deshalb ist eine argumentation ihnen gegenüber genauso sinnlos wie den politikern gegenüber die einfach politische entscheidungen treffen - bar jeder vernunft.
ich möchte nur noch anmerken, dass ich in keinerlei zusammenhang mit einer lfs stehe, sondern diese nur von aussen als interessierter, bzw. bekannter von absolventen, als kunde ihres hofladens betrachte. es sind schulen die vielfalt bieten, deshalb passt auch die edv dorthin, sie sind sozusagen die artenreichen magerwiesen unter den schulen im gegensatz zu den eintönigen monokulturen die faden, theoretischen einheitsbrei produzieren.


walterst antwortet um 12-03-2011 10:12 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Sind die landwirtschaftlichen Schulen zu erfolgreich?
@teilchen
Vielleicht stehe ich ein wenig auf der Leitung.

Du meinst, die LFS produzieren am Bedarf vorbei, weil die Absolventen in einen Lehrberuf einsteigen und dort eine stark verkürzte Lehrzeit haben?
UNd dass zu viel Praxis in den LFS vermittelt wird? Sollte man dafür eine Luxussteuer einführen?
Ich weiss nicht genau, was Dein Bild von landwirtschaftlicher AUsbildung ist, aber ich habe immer geglaubt, dass UNterricht in Technik, Metall- und Holzbearbeitung, BAuwesen, EDV.....etwas ist, das nicht unbedingt rein landwirtschaftsspezifisch ist.........


teilchen antwortet um 12-03-2011 10:45 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Sind die landwirtschaftlichen Schulen zu erfolgreich?
@walter

Nein, Du stehst nicht auf der Leitung.
Du und ich haben eine unterschiedliche Ansicht von Bedarf.
Was bedeutet Bedarf?
Ist es die Nachfrage nach einer umfassenden Grundausbildung für verschiedene Berufe, oder ist es ein Bedarf an LW-ausgebildeten Arbeitskräften, die der LW-Sektor in dieser Anzahl benötigt?
Ich sehe nur ersteres, und das würde ich als LW-Ministerium auch nicht finanzieren wollen.

Der Bedarf nach Ausbildung in Technik, Metall- und Holzbearbeitung, Bauwesen, EDV... kann auch von anderen Ausbildungsstätten abgeholt werden, zu geringeren Kosten.

Versteh mich bitte nicht falsch, ich würde allen Kindern und Jugendlichen so viel wie möglich landwirtschaftliche Ausbildung gönnen, die Waldorfschulen praktizieren das ja vorbildlich. Das wäre gut für unsere Gesellschaft. Aber wir müssen uns überlegen, welche Qualifikationen unsere Wirtschaft wirklich braucht und wie wir die Ausbildung dafür finanzieren.



muk antwortet um 12-03-2011 20:18 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Sind die landwirtschaftlichen Schulen zu erfolgreich?
die sollen den lehrplan reformieren und nicht noch mehr technikfans ausbilden.


jge antwortet um 12-03-2011 22:15 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Sind die landwirtschaftlichen Schulen zu erfolgreich?
ja muk
die machen den traktorschein und haben dann einen 120bis 150ps traktor
für 100 bh



may antwortet um 13-03-2011 11:29 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Sind die landwirtschaftlichen Schulen zu erfolgreich?
Als Schule haben wir folgende Rechnung angestellt:
Wenn alle Haupterwerbsbetriebe eine landw. Ausbildung fertig machen haben wir bei einer Generationsfolge von 35 Jahren in unserem Haupteinzugsbereich ca. 50 Auszubildende. (Wir haben im Schnitt zwischen 30 und 40 Absolventen, davon immer einige nicht aus der Landwirtschaft)
Wenn auch 50 % der Nebenerwerbsbetriebe eine landw. Grundausbildung machen so könnten in den ersten Jahrgang zusätzlich noch 33 Schüler einsteigen. Da sind dann noch keine interssierten Nicht - Landwirte dabei.
Für diese würde eine Aufnahmesperre mehr oder weniger ein Berufsverbot bedeuten. (Der Betriebsleiter des Landesgutes ist z.B. so ein "Nicht-Landwirt"). Aus dieser Sicht haben meiner Meinung die Landwirtschaftsschulen sehr wohl eine Berechtigung.
Eine andere Diskussion betrifft den 1. Jahrgang. In allen Schulformen außer dem landw. Fachschulwesen wird dieser vom Unterrichtsministerium finanziert. Wenn nun in einem Bereich eingespart werden muss sucht man Bereiche, die man abgeben kann. So entsteht diese Diskussion.

Natürlich haben nicht viele Betriebe eine Betriebsgröße dass 2 Familien daraus ein Einkommen erwirtschaften können. Daher beginnen auch von unseren Schülern ca. 2/3 eine außerlandwirtschaftliche Lehre, damit sie die Zeit bis zur Hofübernahme nicht als Hilfsarbeiter überbrücken müssen.

mfg Hans


forelle antwortet um 13-03-2011 12:33 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Sind die landwirtschaftlichen Schulen zu erfolgreich?
Ich finde auch das viele diese Schule besuchen ,obwohl sie nacher einen anderen Beruf einschlagen weil sie von der kleinen Landwirtschaft nicht leben können. Sie müssen dann auch andere Berufsschulen wieder besuchen. Meine Kritik ist aber das es in keinen Beruf 3 Jahre durchgehend Schule gibt,weil sich das kein Betrieb leisten kann. Nach 3 Jahren durchgehenden Schulbesuch ist man auch nur Facharbeiter, wo man in anderen Berufen nach 3X2 Monaten Schule auch das erreicht.


franz12345 antwortet um 13-03-2011 19:57 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Sind die landwirtschaftlichen Schulen zu erfolgreich?
Hallo Kollegen
Ich halte die Ausbildung in LFS für sehr wertvoll, egal ob die Absolventen später in oder ausserhalb der Landwirtschaft arbeiten. Die Ausbildung ist Vielfältig und Praxisbetont
und die Absolventen sind Begehrte Arbeiter in vielen bereichen der Wirtschaft.
Auch wenn die LFS "nur" als Ersatz für das Poly gemacht wird ist sie sehr wertvoll,
weil die Schulabgänger sehr Begehrt als Lehrlinge sind.
So gesehen ist diese Form der Schule nicht nur für die Landwirtschaft Wertvoll sondern für viele Bereiche der Wirtschaft. Es ist mir darum völlig Unverständlich warum man so ein erfolgreiches System nicht Beibehalten sollte.
Grüsse Franz



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