31-10-2009 16:13  gustl28
Räudebehandlung
Hallo miteinander!
Wie sieht euer Managment bei der Behandlung von Räude bei Zuchten, Zuchtläufern und Ferkeln aus?
Mittel?
Kosten?
Arbeitsaufwand?
Freu mich auf eure Antworten!

gustl28

  02-11-2009 20:55  Getreidemarkt
Räudebehandlung
Hallo Gustl!

Ich habe Dr. Thomas Voglmayr von der Vet Clinic Traunkreis gebeten, dass er deine Fragen zur Räudebehandlung beantwortet.

Bitte etwas Geduld!

LG Michael Bernscherer
bernscherer@landwirt.com

  10-11-2009 21:58  Thomas_Voglmayr
Räudebehandlung
Räude spielt aus meiner Sicht nach wie vor in vielen Betrieben eine große Rolle. In der Diskussion über so manche aktuelle Gesundheitsproblematik treten "Basics" in der Gesundheitsprophylaxe leider oft in den Hintergrund. Juckreiz, Unruhe sowie Aggressivität sind sowohl bei Zuchtsauen (Fruchtbarkeitsgeschehen) als auch bei Mastschweinen (Kannibalismus) große Störfaktoren.
Zur Behandlung:
Grundsätzlich muss man 2 Strateigen unterscheiden.
a. die periodische/produktionsorientierte Behandlung zur Reduktion des Infektionsdruck oder b. ein sogenanntes Räude-Stamping-Out (Räudesanierung).
Die periodische Bestandsbehandlung (2-3x jährlich) ist der produktionsorientierten Behandlung (vor Abferkelung) aus der Sicht der geringeren und verzögerten Reinfektionsrate vorzuziehen. Achtung: eine Entwurmung vor der Geburt kann zusätzlichen Nutzen bringen.
Wie oft man Sauen pro Jahr entwurmen sollte, hängt von mehreren Faktoren ab:
1. Aufstallung: Spaltenboden/planbefestigter Boden
2. Haltungssystem: Kastenstand- oder Gruppenhaltung (direkter Tierkontakt)
3. Management (Rein/Raus, Reingiung, Desinfektion)
4. Räudestatus zugekaufte Tiere (Jungsauen, Mastschweien)
In Betrieben mit regelmäßiger Räudebehandlungen (inklusive Jungsauen in Quarantäne oder aus räudefreien Betrieben) und gutem Hygienemanagement kann häufig auf systematische Behandlungen bei Ferkeln/Mastschweinen verzichtet werden.
Präparate: Wir empfehlen die Anwendung Avermectin-hältiger Präparate. Sie sind enstrechend auf ihre Funktionsweise getestet und in der Anwendung sehr zuverläßig. Ihre Anwendung als Fütterugnsarzneimittel oder als Injektionspräparat hängt von den betrieblichen Gegebenheiten (kann und darf eingemischt werden? die Applikation in der Gruppenhaltung ist in de Regel viel genauer und einfacher) ab. Waschbehandlungen sind aus meiner Sicht sehr zeitaufwendig (v.a. bei Bestandsbehandlungen), sind viel fehleranfälliger (v.a. wird gerne auf die notwendigen Wiederholungsanwendungen vergessen) und jahreszeitlich (kalter Stall im Winter, Zugluft) nicht immer unproblematisch. Bei der Wahl der Präparate rate ich zu einem informativen Gespräch mit dem Tierarzt. Sogenannte "alternative Wunderpräparate" tauschen immer wieder im Handel auf. Deren Wirksamkeit ist in den seltensten Fällen tatsächlich überprüft und ein böses Erwachen ist erst einige Zeit später (ca. nach einem Jahr) mit entsprechenden Schäden erkennbar. Praxisberichte darüber gibt es genug!
Die Kosten variieren je nach Präparart , Wirksamkeit und Wirkdauer. Entscheidend ist nicht immer der Preis/ml sondern die Nachhaltigkeit und Praxistauglichkleit in der Anwendung. Effektive Mittel sind in der Regel auch ihr Geld wert.
Wenn man über Kosten bei der Räudebehandlung spricht, sollte man die Kosten der periodischen Behandlung jener des Räude-Stamping-Outs gegenüberstellen. Ein "Return-of-Investment" ist je nach Sanierungsaufwand nach 2,5-3,5 Jahren erreichbar. Vor einer Räudesanierung muss man allerdings die betrieblcihen Möglichkeiten und das entsprechende Reinfektionsrisiko abklären.

Falls noch Fregen offen sind, stehe ich Euch gerne zur Verfügung.