Was ist so schlimm an den Vorschriften?

Antworten: 10
Name: hans_meister 02-07-2007 17:49
Was ist so schlimm an den Vorschriften?
Die Mehrzahl der Bauern stöhnt unter der Vorschriftenflut. Dabei sehen die Landwirte aber durchaus ein, dass es Regeln geben muss.
Sie beklagen daher nicht die Richtlinien an sich, sondern das viel zu rasche Wechseln von bestehenden Vorschriften und das ständige "Erfinden" neuer Regeln.
Was ist Ihre Meinung zum Thema?
Lähmt und vertreibt die Vorschriftenflut die Bauern?
Name: bergig antwortet um 02-07-2007 19:20 auf diesen Beitrag
Was ist so schlimm an den Vorschriften?
Hallo, alle zusammen.
Die Vorschriftenflut ist bestimmt überall eine gewisse Bremse in jeder Hinsicht.
Dass Regeln die Gesellschaft braucht ist unbestritten, aber der Papierkrieg und die Vorschriftenflut ist bei den Bauern viel zu groß und in allen anderen Lebenslagen genauso. Hier ist klar ein Spielwiese der Beamten zu erkennen.
Bayern ist größer als Österreich und die haben keine 9 Bundesländer, 9 Bauordnungen etc. und die Bayern leben sicher nicht schlechter. Bin der Meinung, dass 2 bis 3 Steuern reichen für den Abgabenkuchen des Staates. Der Bürger könnte auf einen Bierdeckel seine Steuer errechnen. Es braucht überall Spezialisten und Gutachter um in der jeweiligen Sachlage noch Klarheit zu bekommen oder um Recht zu bekommen. Vom Zeitaufwand gar nicht zu reden.
Was dürfen wir noch tun ? Ohne Antrag bald nicht mehr aufs WC !
Wenn bei einen Liftbauprojekt 130 Personen bei der Bauverhandlung nötig sind, jeder will seine Meinung einbringen, dann kann mir niemand klarmachen, dass hier noch Wirtschaftsfreundlichkeit gelebt wird. Dann hängt dieser Liftbau immer noch von einer Umweltverträglichkeitprüfung ab, ob gebaut werden kann. Es vergehn oft Jahre bis eine derartige Anlage gebaut werden kann. Oder eine kleine Jausenstation muß einen Kanal bauen bis ins Tal , die 3 Monate offen hat, mit Kosten bis zu 500 000.- Euro, die in den nächsten 20 jahren nicht verdient werden können. Solche Beispiele gebe es jede Menge. Dem Gesetzgeber ist das egal , Hauptsache" Vorschrift ist Vorschrift " Viel Willenskraft des Menschen wird dadurch gebrochen .
Servus , es ist so.


Name: MUKUbauer antwortet um 02-07-2007 20:32 auf diesen Beitrag
Was ist so schlimm an den Vorschriften?
Die Vorchriften hats scho immer gegeben - daran stößt sich keiner -eher daran das uns die EU und die Ama für deppen hält - das alles und jeder furz einer aufzeichnung bedarf - wenn es auf der Spritzmittelpackung draufsteht wie es anzuwenden ist - warum muß ichs nochmal mitschreiben?

(die behörde will ich nicht sagen die sind meistens nicht so dennen ists ja auch zuviel)

mfg



Name: petermoser antwortet um 02-07-2007 21:10 auf diesen Beitrag
Was ist so schlimm an den Vorschriften?
Die vorschriftn muß es geben weil es 2 sorten leute auf der welt gibt büro hengsten und gauner

Name: iderfdes antwortet um 02-07-2007 21:41 auf diesen Beitrag
Was ist so schlimm an den Vorschriften?
Hallo,

Vorschriften und Regeln sind notwendig, da braucht man gar nicht zu diskutieren. Aber wenn man ein paar Tage alte Kälber bei 30 Minusgraden austreiben soll oder die Tiere schon auf die Alm bringen müsste, bevor noch etwas wächst, weil irgendein welt- und praxisfremder Sesselkleber als Bedingung für den Erhalt einer Prämie ein viel zu frühes Auftriebsdatum festsetzt, oder Ähnliches, dann greift man sich schon an den Kopf.

sg

Name: berghofer antwortet um 02-07-2007 21:57 auf diesen Beitrag
Was ist so schlimm an den Vorschriften?
Jede gesellschaftliche Ordnung braucht ihre Regeln, daher auch ihre Vorschriften, Gesetze und Kontrollen. Soweit in Ordnung!
Betrachtet man die gesellschaftlichen Strukturen, ist vieles im Fluss, und in Anbetracht der Folgen und Konsequenzen oft recht "großzügig geregelt".
Welcher Ausbildung, Audits, Zertifikate, Aufzeichnungen und Kontrollen bedarf es beispielsweise einer Familiengründung?

Ganz anders hingegen bei uns Bauern:
Anwendung von geprüften Reinigungsmitteln für Melkanlagen muß dokumentiert werden. Als ob keiner wüßte, daß es anders gar nicht geht.
Oder ich transportiere mein eigenes Rind, mit dessen Fütterung und Haltung
ich von seiner Geburt an vertraut bin, auf einer öffentlichen Strasse auf meine
eigene Weide: Hier sollten wir neuerdings auf Verlangen der Gesetzeshüter
unsere Befähigungen schriftlich vorweisen können.
Welche andere Berufsgruppe läßt sich sowas noch bieten?
Braucht ein LKW-Fahrer beispielsweise auch einen speziellen Brückenkurs um über solche fahren zu dürfen, oder genügt hier die obligate Ausbildung?
Frage mich auch wo unsere Interessensvertreter gerade sind, wenn so ein Unsinn beschlossen wird!!


P.S.: Zum Nachdenken
Wer glaubt, daß ein Zitronenfalter Zitronen faltet, glaubt auch, daß Bauernvertreter bäuerliche Interessen vertreten.


Name: eicher1 antwortet um 03-07-2007 11:01 auf diesen Beitrag
Was ist so schlimm an den Vorschriften?
Hallo

super berghofer , du hast da sehr viel richtig hervorgebracht. Die Liste ließe sich genauso lang fortsetzen wie es Vorschriften gibt ohne die es heute nicht mehr geht. Aber wer ist überhaupt befähigt solche Vorschriften zu machen, das sind zu 99% Leute die nicht damit arbeiten müßen , sonst wäre da mehr "Hausverstand " zu sehen.
mfg
eicher1

Name: kraftwerk81 antwortet um 03-07-2007 11:35 auf diesen Beitrag
Was ist so schlimm an den Vorschriften?
Und der grösste Krampf daran ist dass wir Vorschriften einhalten müssen und uns ständig dem Stress aussetzt müssen irgendwas falsch zu machen um irgendwelche imaginäre Almosen, vielleicht zu bekommen. Selbst die Witzfiguren von der Kammer wissen nicht was wirklich läuft. Und wenn Sie falsch beraten gibt's ja auch keine Sanktionen für Sie. Auslöffeln müssen wir das! Da steigt mein Blutdruck wenn ich daran denke!

Name: teufelaberauch antwortet um 03-07-2007 12:12 auf diesen Beitrag
Was ist so schlimm an den Vorschriften?
Seh ich auch so - wenn man die heutigen vorschriften (ohrmarken bei Rindern, schweinedatenbank, salonellenpflichtuntersuchung etc) anschaut, dann wundert man sich, daß bei unseren Vätern und deren Vätern nicht alle Tiere an Seuchen verreckt sind.
Bei meinen Eltern wuchsen die Rindvieher auch ohne Ohrmarken sehr gut und es gab keine Probleme mit Seuchen oder ähnlichen Dingen.
Wofür brauch ich einen Pflanzenschutzschrank? ist jemanden schon mal eine Packung explodiert? ich hab das Zeug in einen normalen abschließbaren Schrank, der dank CC jetzt nicht mehr geeignet ist....
Jahrzehntelang wurden die Ferkel mit ca 3 - 4 Wochen kastriert, plötzlich gehts aus tierschutzgründen nur noch in der ersten woche (und wie lange das wohl geht?) - aber Ohrmarken muß man den armen Viehern sofort reinmachen, damit sie die sich bis zum endgewicht ein paar mal ausreißen können....

wenn man das ganze regelzeug sieht, dann muß man sich echt wundern, wie die generationen vor uns trotzdem gesunde nahrung erzeugen konnten....

Name: Christoph38 antwortet um 03-07-2007 12:25 auf diesen Beitrag
Was ist so schlimm an den Vorschriften?
Das schlimme an den Vorschriften ist, dass die Bauern das Geld dafür nicht bekommen um die Vorschriften problemlos zu erfüllen.

Dies führt dazu entweder Vorschriften zu übergehen oder draufzuzahlen.

Ich habe kein Problem damit mit jeder Kuh jeden Tag einzeln gassi zu gehen, wenn ich den Zeitaufwand dafür in Rechnung stellen darf (und auch bezahlt wird). Schwieriger wird es, wenn alles super Bio, SuperÖko und genfrei sein soll und der Preis auf Basis von Massentierhaltung festgesetzt wird.

Name: sputnik antwortet um 04-07-2007 16:03 auf diesen Beitrag
Was ist so schlimm an den Vorschriften?
Vom Kalb bis zur EU konformen Kuh - eine wahre Begebenheit!

Hallo ich bin Susi, dass frisch geboren Kälbchen von Bauer C. Bin noch keine 3 Tage alt, da kommt schon mein Bauer mit so einer komischen Zange u. zwei so gelben Dingern. Er kommt zu mir in den Abkalbestall u. zwickt mir in beide Ohren ,autsch tut ja weh, diese gelben Dinger. Mein freundlicher Bauer strechelt mich u sagt vor sich hin das er möchte mir nicht weh tun möchte, aber er muß innerhalb von 3 Tagen mir zwei Ohrmarken einziehen. Dann muß er diese Nummern in das Bestandesverzeichnis eintragen, die OM meine Mutter dazu u. die des Vaters u. wie die Abkalbung verlaufen ist. Schließlich muß der diese ganze Daten an die AMA melden. Er darf keinen Fehler machen sonst kriegt er als Sanktion weniger Geld. Also sind die Menschen komisch, dass versteh ich als kleines Kalb nicht mehr. Eines Tages kommt ein anderer Mann. Der stupft mich wieder und zapft mir Blut ab. Mein Bauer beruhigt mich und murmelt BVD Untersuchung. Schließlich gibt er den Mann einen Schein (ich glaub ihr Menschen sagt Geld dazu).
Als ich dann größer bin darf ich auf die Weide. Wir Rinder tollen herum. Es sind auch fremde Rinder da. Schon wieder kommt mein Bauer C und schreibt die Nummern auf solche komischen Zettel. Er sinniert vor sich hin und versucht wieder keinen Fehler bei der Weidemeldung zu machen. Eines Tages habe ich die OM verloren. Mein Bauer kommt schon wieder zu mir und denkt daran eine Verlustohrmarke zu bestellen. Er tut das, vermerkt auch pflichtbewusst das ins Bestandesverzeichnis.
Im Jahr darauf darf ich das erste mal auf die Alm. Mein Bauer checkt wieder meine Ohrmarken, macht wieder die Alm/Weide - Meldung. (Angabe aller Orhmarken, Auftrieb, Abtrieb) Gibt die Almauftriebsliste ab, natürlich ordnungsgemäß ausgefüllt. Beim Amtstierarzt fordert er das Weidezeugnis ein. Weil eine Alm noch mitbestoßen wird muß er da auch noch eine eigene Liste abgeben. Auf der Alm ist es aber lustig.
Später krieg ich dann selber ein Kalb. Die ganze Prozedur wieder von vorne (mein armer Bauer!). Nun gebe ich Milch. Auch hier hat mein Bauer Aufzeichnungen zu machen: Meldung für D - Quote. Was kriegen die Kälber, Katzen, Hunde, Menschen. Dann kommt wieder ein anderer Mann und schaut wieviel Milch ich gebe. Der Bauer sagt, dass sein Betrieb ein Zuchtbetrieb ist und auch hier wieder jede Menge Aufzeichnungen sind.
Schließlich nach 16 Jahren muß ich den Betreib verlassen. Ich bin traurig, auch mein Bauer C ist traurig. Er muß mich bei der AMA abmelden u. das im Bestandesverzeichnis vermerken. Fristgerecht sonst gibs keine Schlachtprämie. Am schönsten war es bei meinem Bauer, hier sind alle so brutal und schlagen mich. Ich denke an meinen Bauer und an seine Arbeit und an die Aufzeichnungen. Er hatte schon viel zum schreiben wegen mir, dabei war ich nur eine von 36 Stück Rinder. Warum tut er das wohl? BUMM ich falle zu Boden und spür nichts mehr.

Das war meine wahre Geschichte. Außerdem hat mein Bauer C noch einige ha Fläche und dort nicht minder weniger Aufzeichnungen zu tätigen, aber das ist dann die nächste Geschichte!



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