BIO-Schweinehaltung

Antworten: 18
Name: apfel11 17-03-2008 08:57 nach oben
Tagebuch
BIO-Schweinehaltung
Hallo Forumsteilnehmer

Momentan wird ja für Bioschweinehaltung kräftig die Werbetrommel gerührt und daher wollte ich mal fragen, ob unter uns auch ein Bio-Ferkel-/Schweineproduzent ist und ob uns der realistische Zahlen (Futterpreise, Futterverbrauch, Erlössituation, Aufzuchtverluste, abgesetzte Ferkel/Sau/Jahr usw.) liefern kann.

LG Werner

Name: apfel11 antwortet um 17-03-2008 11:15 auf diesen Beitrag nach oben
Tagebuch
BIO-Schweinehaltung
Hallo Roman!

Danke für dein unermüdliches Engagement - Mailadresse: fetta@gmx.at
Eine kleine Frage ist noch aufgetaucht: Wie praxisorientiert ist das Verbot des Zähneschleifens bei den Bio-Ferkel?? Meiner Meinung und Erfahrung nach kommt man bei großen Würfen (13-16 Ferkel) ohne diese Maßnahme nicht mehr aus. Die Ferkel kämpfen dann einfach die ersten Tage um die Zitzen und die Sau ist die "Leidtragende" und ohne Zähneschleifen sind Verletzungen bei den Ferkel (mit Todesfolge) und der Sau vorprogrammiert.

LG Werner

Name: Werner_Hagmueller antwortet um 18-03-2008 09:24 auf diesen Beitrag nach oben

Tagebuch
BIO-Schweinehaltung
Hallo apfel11!
Gleich vorweg: Der derzeit sehr gute Ferkelpreis (ca. 100.- netto bei 25 kg) darf nicht zu einem allgemeinen Hurra verleiten. Die Futterkosten bewegen sich auf sehr hohem Niveau v.a. bei Fertigfutter (Ferkelaufzuchtfutter ca. 60 ct netto, Zuchtsauenfutter tragend ca. 45 ct netto). In der Mast sind die Erlöse gut, bei ebenfalls hohen Kosten. Für Umsteller ist die Biomast nur sinnvoll, wenn eigene Futterflächen vorhanden sind und die Umbaukosten für Ausläufe im Rahmen bleiben. Neubauten sind kaum finanzierbar. Futterverbrauch und Verluste in der Mast unterscheiden sich prinzipiell nicht von der konventionellen Produktion. Einschränkend dazu muss aber die kritische Situation bei den Eiweißfuttermitteln angesprochen werden (keine Extraktionsschrote erlaubt, sondern nur Presskuchen).
In der Ferkelproduktion sind bei guten Betrieben 20 abgesetzte Ferkel pro Sau und Jahr realistisch. Die 40-tägige Säugezeit erlaubt nicht mehr als max. 2,2 Würfe pro Jahr. Freies Abferkeln ohne Fixierung der Sau bedingt bei vielen Betrieben etwas höhere Erdrückungsverluste als im Käfig. Zusätzlich erfordert der geringere Medikamenteneinsatz (erlaubt ist z.B. eine antibiotische Behandlung pro Ferkel) ein sehr gutes Gesundheitsmanagement. Für Interessierte bietet der Versuchsstall des LFZ Raumberg-Gumpenstein in Wels/OÖ fundierte Einblicke in die Bioferkelproduktion. Wir halten derzeit 25 Zuchtsauen und sind ein biologisch zertifizierter Betrieb.
lg, Werner Hagmüller, Dr. vet med

Name: Werner_Hagmueller antwortet um 18-03-2008 09:38 auf diesen Beitrag nach oben

Tagebuch
BIO-Schweinehaltung
Hallo Werner,
nur zur Klarstellung: Zähne schleifen ist nicht völlig verboten. Die EU-Verordnung lässt die Möglichkeit offen, Zähne im Einzelfall (einzelne Würfe) zu schleifen. Genaueres findest du in der VO 2092/91, die auf der Homepage von www.raumberg-gumpenstein.at unter downloads einzusehen ist. Du findest die Details dazu unter Punkt 6.1.2 (Tierhaltungspraktiken) im Anhang I B. Prinzipiell ist aber immer im konkreten Fall die Maßnahme zu dokumentieren, damit es bei der Kontrolle keine Probleme gibt. Wenn vermehrt Unruhe bei Ferkeln auftritt ist auch immer die Milchproduktion der Mutter zu überprüfen (Wasserversorgung, Kondition, Futtermanagement). Bei sehr großen Würfen ist das Ferkelversetzen erste Wahl! Ist das nicht möglich, sollten Ferkel mit Geburtsgewichten unter 1000 g (evt. 800 g) getötet werden. Das klingt zwar hart, ist aber langfristig für den gesamten Wurf und die Mutter das Sinnvollste.
lg, W.Hagmüller, Dr. vet med

Name: sturmi antwortet um 18-03-2008 11:53 auf diesen Beitrag nach oben

Tagebuch
BIO-Schweinehaltung
***Bei sehr großen Würfen ist das Ferkelversetzen erste Wahl! Ist das nicht möglich, sollten Ferkel mit Geburtsgewichten unter 1000 g (evt. 800 g) getötet werden.***
Verstehe ich nicht ganz, glückliche Ferkel von glücklichen Muttersauen sollen getötet werden?! Wo bleibt der Aufschrei der Tierschutzfreunde?
Weiters stelle ich zur Diskusion, wo fühlt sich ein Schwein wohler?
In der verdreckten Einstreu, die meist erst nach Mastende geräumt wird oder in einem modernen klimatisierten trockenen und hellen mit Beschäftigungsmaterial ausgestatten "4 Sterne Hotel" Stall?!
Als Konsument ist es mir nicht egal, wie mein "Schnitzerl" heranwächst. Hygiene ist mir allemal wichtiger als Fleisch von im Dreck und Kot wühlenden und liegenden "glücklichen" Schweinen!
MfG Sturmi (konv. Schweinemäster und Konsument)


Name: Werner_Hagmueller antwortet um 18-03-2008 12:08 auf diesen Beitrag nach oben

Tagebuch
BIO-Schweinehaltung
Lieber Sturmi,
das soll ein seriöses Forum sein! Diskussionen auf dem Niveau deines Beitrages werden heutzutage nicht einmal mehr in schummrigen Wirtshausstuben geführt. Solltest du Fragen zur Bioschweinehaltung haben, benütze dieses Forum, möchtest du provozieren, such dir eine andere Bühne.
mfg W.Hagmüller

Name: sturmi antwortet um 18-03-2008 12:08 auf diesen Beitrag nach oben

Tagebuch
BIO-Schweinehaltung
Und unter der gut gepflegten Einstreu tummeln sich keine Hygieneprobleme umher wie, Maden, Würmer, Fäulnisbakterien, Viren....usw.?!
MfG Sturmi

Name: Schweinebauer antwortet um 18-03-2008 12:09 auf diesen Beitrag nach oben
Tagebuch
BIO-Schweinehaltung
Bei allem Einsatz für die konventionelle Schweinehaltung muss man schon auch ehrlich bleiben, Sturmi. Man kann sowohl in der biologischen als auch in der konventionellen Schweinehaltung unhygienische und für die Schweine ungünstige Haltungsbedingungen zur Verfügung stellen. Ich bin konventioneller Schweinmäster, großteils auf Vollspalten, und weiß daher was ich sage.
Ob die biologische Schweinehaltung für den einzelnen wirtschaftlich Sinn macht, muss ich als Betriebsleiter für mich selbst entscheiden. Grundlage dafür sind betriebswirtschaftliche Zahlen aus bereits bestehenden Betrieben. Die werden hier schwarz auf weiß angeführt, Wenn du dich dagegen wehrst indem du alles ins Lächerliche ziehst, wird bald niemand mehr was vernünftiges schreiben und du kannst alleine hier streiten, wo sich deine Schweine wohler fühlen.

Name: sturmi antwortet um 18-03-2008 12:17 auf diesen Beitrag nach oben

Tagebuch
BIO-Schweinehaltung
Ich werde nur misstrauisch wenn mit großen Werbeaufwand versucht wird uns Bauern die Bioschweinehaltung schmackhaft zu machen. Mindestdeckungsbeiträge von einzelnen Abnehmern sind mir ehrlich gesagt zu wenig Garantie und Motivation....
MfG Sturmi

Name: apfel11 antwortet um 19-03-2008 20:41 auf diesen Beitrag nach oben
Tagebuch
BIO-Schweinehaltung
S. g. Herr Dr. Hagmüller!

Ich habe noch eine Frage zum Du x Pietrain-Eber den Sie im Bioversuchsstall in Raumberg einsetzen - gibt es schon Ergebnisse bzgl. Fleischqualität, IMF-Gehalt und MFA und wie sieht die Varianz/Streuung bei den Mastschweinen aus?? Ist mit dem Kreuzungseber ein "homogenes" Mastschwein zu erzeugen und würden Sie den Einsatz auch in konventionellen Betrieben empfehlen?

MFG Werner Fetta



Name: Werner_Hagmueller antwortet um 20-03-2008 10:49 auf diesen Beitrag nach oben

Tagebuch
BIO-Schweinehaltung
Sehr geehrter Herr Fetta,
Eine Zusammenfassung der erhobenen Daten zu unserem Kreuzungseber finden Sie in der Zeitschrift: BIO AUSTRIA 3/2007, Seiten 40-41. Ich kann Ihnen den Artikel auch mailen, wenn Sie Ihre Mailadresse bekanntgeben. Bezüglich IMF wurden bereits Untersuchungen durchgeführt, die aber noch nicht veröffentlicht wurden, da die Ergebnisse erst einer zweiten Plausibilitätsprüfung unterzogen werden müssen. Wir setzen den Eber seit ca. einem Jahr fast ausschließlich ein und sind von den Ferkeln sehr positiv überrascht. In der Ferkelaufzucht beobachten wir kein Auseinanderwachsen, die Wüchsigkeit ist sehr gut. Bezüglich weiterer Mastergebnisse kann ich Ihnen nicht weiterhelfen, da wir den Großteil der Ferkel verkaufen. Eine allgemeine Empfehlung kann ich nicht abgeben, da die Datengrundlage zu dünn ist, unsere Erfahrungen sind aber uneingeschränkt gut. Sollten Sie Wert auf sehr hohe MFA legen, ist der Einsatz des DUxPit etwas vorsichtig zu bewerten, da aus der Literatur sowohl die etwas höhere Varianz als auch der geringere MFA bekannt sind.
mfG
W.Hagmüller

Name: snowi antwortet um 26-03-2008 11:36 auf diesen Beitrag nach oben
Tagebuch
BIO-Schweinehaltung
@ sturmi

Ich kann es einfach nicht verstehen das es immer auf ein so tiefes Niveau in den Foren hinaus läuft. Ich lese seit ca. einem Jahr die Beiträge im Landwirt-Forum, und habe nie Lust gehabt irgendetwas zu schreiben, da es meistens ( nicht immer ) blöde Antworten gibt die einen nicht weiter bringen.
Dann wurde das Schweineforum eröffnet und es waren wirklich interressante Beiträge dabei, ohne lächerliche Einträge von einigen Störenfrieden. Lass doch einfach jedem seine Meinung. Ich dachte es geht in einem Forum darum zu lesen wie es andere machen, fragen zu stellen, und ernst gemeinte Antworten zu bekommen. Und nicht irgendwelche Beleidigungen in der Anonymität zu verfassen.
Ich hoffe das Schweineforum bleibt "sauber".
Danke an alle in diesem Forum die vernünftige Beiträge verfassen.

Name: apfel11 antwortet um 26-03-2008 21:30 auf diesen Beitrag nach oben
Tagebuch
BIO-Schweinehaltung
S.g. Herr Dr. Hagmüller!

Vielen Danke für die Informationen - den Artikel in der Bio-Austria habe ich mir in der Bibliothek der BOKU durchgelesen.

Danke

MfG Werner Fetta



Name: sturmi antwortet um 27-03-2008 08:13 auf diesen Beitrag nach oben

Tagebuch
BIO-Schweinehaltung
Morgen Snowi!
Meine "Erfahrung" über Bio-Schweinehaltung beruht auf einem Beitrag im ORF, da stellte ein Abt eines Stiftes seine Bio-Schweinehaltung vor! Hatte eher den Charakter eines Wildschweingeheges in einem Tiergarten.
Ich stelle aber jetzt fest, dass hier Profis an die Sache herangehen und die Probleme sicherlich in den Griff bekommen werden.
Ganz allgemein bin ich aber gegen eine Schwarz-Weiß Malerei von Konv. und Bioliogischer Landwirtschaft.
Die konv. Tierhalter sorgen für die Ernährungssicherheit unseres Landes und das sollte einmal unterstrichen werden! Bio-Tierhalter können eine gewisses Klientel bedienen, mehr nicht!
Die "Umerziehung" der Konsumenten, wie der Biolix meinte, hin zu Bio-Lebensmittel halte ich für fragwürdig!
Zum den Foren noch ein Satz, auch ein Fachforum wird nicht ohne Emotionen geführt werden können, die gehören einfach dazu!
MfG Sturmi