LW in Neuseeland

Antworten: 8
Name: Kathi 19-12-2005 11:59 nach oben

Tagebuch
E-Mail an User
LW in Neuseeland
Hallo,

Rund um die ganze Diskussion um die Förderungen wird immr Neuseeland als Beispieg gebracht, dass sie ohne staatl. Förderungen auskommen.
Weiss jemand von Euch: Stimmt das ?? Wenn ja, wie geht es den Landwirten damit??

Kathi

Name: stb antwortet um 19-12-2005 13:32 auf diesen Beitrag nach oben
Tagebuch
E-Mail an User
LW in Neuseeland
Landwirtschaft ist nicht nur eine Frage von Förderungen, sondern vor allem eine Frage der Produktionsbedingungen.

Der Vorteil einer ausreichenden Betriebsfläche, verbunden mit geringen Investitionen in Technik, kann den Nachteil bei Förderungen bei weitem übersteigen.

Ich hätte kein Problem damit, auf alle Förderungen zu verzichten, wenn ich dafür genug Fläche habe und keinen Stall brauche, sowie keine teure Winterfuttergewinnung machen brauche. Dann arbeitet nämlich tatsächlich die Natur für mich.

Realität ist aber auch, dass es in der Welt nicht nur Gunstlagen gibt und kein Neuseeland in der Lage ist die Weltbevölkerung zu ernähren.

mfg

Name: Kathi antwortet um 19-12-2005 13:53 auf diesen Beitrag nach oben

Tagebuch
E-Mail an User
LW in Neuseeland
Hallo stb,

dass die LW in Neuseeland mit der von Ö nicht zu vergleichen ist ist mir klar. Aber der Weltmarktpreis von Milch geht ja zB von Neuseeland aus. Kann man wirklich um 22 Cent kostendeckend wirtschaften ?? Auch wenn man sich das Stallgebäude spart - In Irland sind die Stallgebäude auch nur notdürftige Blechhütten.
Wie schaut der durchschn. neuseeländische Betrieb aus? Leider habe ich im Net nicht wirklich etwas gefunden.

Kathi



Name: stb antwortet um 19-12-2005 14:12 auf diesen Beitrag nach oben
Tagebuch
E-Mail an User
LW in Neuseeland
Ich habe mal vor ca. 3 Jahren einen Artikel in einer Zeitschrift gelesen, nur leider weiss ich nicht mehr wo.

Ich habe als Grundaussage etwa so im Kopf behalten: Milchproduktion auf Basis des Grundfutters, daher eher niedrigen Durchschnittsleistungen, mit hauptsächlich Weidefutter und sehr geringen Technikkosten.

Was ich mir schon vorstellen kann, ist auf dieser Basis mit 22 ct/kg was zu verdienen. Lass doch mal 75% Deiner Grundfutterkosten (Silage, Heu) weg, reduziere die Technikkosten für Stall und Maschinen auf 10%.
Frei erfundenes Beispiel:
35 ct - 20 ct Futter - 10 ct Technik = 5 ct für Arbeit

Umgerechnet:
22 ct - 5ct Futter -1 ct Technik = 16 ct für Arbeit

Es mag zwar blöd klingen, aber letztendlich ist Erfolg immer von Einnahmen und Ausgaben abhängig und höhere Einnahmen nicht gleichbedeutend mit mehr Gewinn.

Was den Weltmilchpreis ausgehend von Neuseeland angeht, so kann ich dazu nur darauf verweisen, dass Neuseeland nicht die ganze Erde mt Milch versorgen kann. Es entbehrt nicht eines gewissen Zynismus, jemand der zb rein klimatisch bedingt schon viel höhere Kosten hat, einen Erlös auf völlig anderer Kostenbasis entgegenzuhalten.
Das kommt mir ungefähr so vor, wie wenn ich dem Neuseeländer sagen würde, pass auf wir haben zwar ein ungünstiges Klima, aber ich habe 20 Sklaven, die arbeiten gratis, daher kann ich um 15 ct am Weltmarkt verkaufen.

Es geht nicht an, die günstigsten Ausgangsbedingungen als Basis für einen gerade noch Durchschnittslohn anzusetzen. In einer Fabrik mit 1000 Akkordarbeitern, kann ich auch nicht den besten auf Basis € 1.200 netto/Monat einstufen.

Das Problem ist nur, dass Dinge die in anderen Bereichen jedermann einleuchtend absurd sind, in der Landwirtschaft Realität sind.
Aber kein in Europa Lebender, ob Bauer oder sonst wer, kann in seiner Welt auf Basis eines Weltmarktstundenlohns überleben.

Name: sanBenedetto antwortet um 19-12-2005 18:11 auf diesen Beitrag nach oben
Tagebuch
E-Mail an User
LW in Neuseeland
Also das der Weltmilchpreis von Neuseeland bestimmt wir ist absoluter Irrsinn, und dient nur gewissen Lobbies als Argument.

Dass das nicht so ist, beweist schon ein ganz einfacher, logischer Vergleich: Wenn wir Europäer um ca 5% mehr Milch erzeugen, müsste Neuseeland um 100% steigern um die gleiche Mehr-Milchmenge zu erzeugen.

Name: Kathi antwortet um 19-12-2005 19:17 auf diesen Beitrag nach oben

Tagebuch
E-Mail an User
LW in Neuseeland
Hallo,

Der neuseeländische Weltmarktanteil von Milch ist höher (oder zumindest gleich hoch) als der von der EU. Also bestimmen sie doch den Weltmarktpreis.
Ach ja, die EU das Hauptabnahmeland Nr 1 für neuseeländische Butter.

Kathi



Name: woddy antwortet um 19-12-2005 20:19 auf diesen Beitrag nach oben
Tagebuch
E-Mail an User
LW in Neuseeland
hallo zusammen

war vor geraumern zeit in nz.auf einem rinderzucht betrieb.
zum zeitpunkt meines besuches:
befindet sich auf der nord insel
saisonale milchanliefung (molkerei sperrt 4 monate im winter zu)
in diesem zeitraum abkalbungen
180 kühe plus nachzucht stierkälber werden auf der weide
gemästet und mit 450 kg lebendgewicht zum schlachter
80 ha grünland (koppelweiden)
Winterfütterung 10000 ballen heu
maschinen austattung: 1 zetor 65ps, ein tommelmäher,
eine hochdruckpresse.alles andere wird mit den nachbarn
gemacht. die kühe melkt nur der betriebsleiter, frau ist im haushalt (bei bedarf kälber tränken)
austattung milchgewinnung: kein stallgebäude
2x18 fischgräten melkstand (blechdach)
tankraum (blechhütte)
lager für heuballen (blechhütte) 2x melken 2stunde/mahlzeit!!!
milch wird nur nach fett ausbezahlt da molkerei nur butter erzeugt und exportiert. damaliger auszahlungsbetrag 1.-ATS/kg milch. ergibt zirka 1.000.000.-ATS rohertrag+kälber und stierverkauf.
kühe rasse schwarzbunt naturleistung 5500kg
kein kraftfutter einstatz keine mineralstoffe!
nur im winter(bei uns sommer) wird heu gefüttert sonst nur weidegang.
es friert nur ein paar tage im jahr.
der betriebsleiter ist mit seinem einkommen zufrieden und in der zeit wo die molkerei keine milch übernimmt hat er zeit für
2 wochen urlaub.
habe nachwievor kontakt zu ihnen.
heute haben sie 360 kühe flächen wurden auch zugepachtet.
parade beispiel für low input.
es ist interessant wenn man über seinen tellerrand gucken
kann.
mfg
woddy






Name: b:orni antwortet um 22-12-2005 08:06 auf diesen Beitrag nach oben
Tagebuch
E-Mail an User
LW in Neuseeland
Hallo, von meiner Verwandtschaft in Neuseeland weis ich dass die Landwirte in Neuseeland keine Förderungen bekommen. Gefallen tut es keinem! In Neuseeland wird aber alles industriell erzeugt. Da hat dann eben ein Farmer 1.000 oder mehr Kühe. Das selbe finden wir bei den Schafen, beim Wild , beim Wein und beim Obst wieder. Über bleibt dann am Ende nur noch Rubishland, das keiner mehr haben will! Der Lebensstandard ist in Neuseeland auch nicht so hoch wie bei uns, man bekommt zwar alles in riesengroßen Einkaufsmärkten, aber das Neuseeland die höchste Selbstmordrate weltweit hat, davon spricht auch keiner ...

Ich war selbst schon zwei mal in Neuseeland und beide male per Autostopp unterwegs, da erfährt man andere Dinge als in den Medien! www.geocities.com/hitchhiking_nz/

Vor einigen Jahren war zum Beispiel im Fernsehen ein Bericht über einen saudischen Ölscheich, der anstatt einer Ölquelle auf einen unterirdischen See gestoßen ist! Mit dem Aufwand von 10.000/1 Liter lässt er Milch, Joghut und Käse produzieren und exportiert in die EU.
Mit Hilfe des Wassers wurden Günflächen für das Futter der Kühe angelegt. Die Kühe befinden sich in einem geschlossenen Stall, wo sie wegen der Hitze dauerberieselt werden.

Gruss

b:orni

Name: Kathi antwortet um 22-12-2005 10:16 auf diesen Beitrag nach oben

Tagebuch
E-Mail an User
LW in Neuseeland
Hallo,

Danke für Eure Info´s.

Ich beim stöbern im Internet auf folgende Punkte gestolpert.

Wenn wir die selbe LW hätten wie in Neuseeland, dann wären nur die Gunstlagen bewirtschaftet, der Rest würde brach liegen.
Und der damalige Stopp der Agrarförderungen führte zu einer Wirtschaftskrise, von der sie sich anscheinden jetzt wieder erholt haben.

LG Kathi

Login