Tagebuch
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Der Sinn unseres wirtschaftens... > Hallo biolix, ich kenne diese Gesichte in ähnlicher Form, sie ist mir immer wieder untergekommen. Hat aber noch in keinster Weise etwas von ihrer Aktualität verloren. Wenn ich das auf die Landwirtschaft übertrage: Ein Bauer hat einen Betrieb mit 3o Kühen, einen schönen Bauernhof, ein gemütliches Sitzplatzerl vor dem Haus, hat ein einigermaßenes Auskommen, arbeitet noch hin -und wieder beim Maschinenring. Die Bäuerin hat noch Zeit für die Familie, die Kinder und sie sind zufrieden. Das ist der Agrarpolitik ein Dorn im Auge- zufriedene Bauern - wo gäbs denn so was. Also dreht man ein bisschen an der Preisschraube, dafür gibts dann einen minimalen Ausgleich. Berater fahren durch das Land, ein Laufstall für 1oo Kühe muss her, dazu die entsprechende Quote und Fläche, der Traktor passt nicht mehr, ebenso die dazu passenden Maschinen. Auf ein paar Tausend Euro Schulden kommt es doch jetzt auch nicht mehr an. Die Leistung der Kühe muss gesteigert werden, da reicht das Futter nicht mehr, aber es gibt ja genug Pülverchen, um den Tieren aus dem Sackerl alles zu geben, dass sie problemlos 10.000 l und mehr schaffen, sie schaffen es zwar nicht mehr so lange, aber es gibt ja bei den Zuchtversteigerungen genügend schöne, hochleistende Jungkühe. Die Kälber waren auch schon einmal gesünder, aber mit den entsprechenden Impfungen ist auch das in den Griff zu bekommen. Die Güllle stinkt wie ein Weltmeister, aber dafür kauft man einen Schleppschlauchverteiler und weil auf den Wiesen nicht mehr so viel wächst, macht nix, das wird mit Mineraldünger und Zukaufsfutter wieder ausgeglichen. Auf den Äckern ist auch Hochleistung angesagt, der Dünger wird teurer, ebenso der Pflanzenschutz, gentechnisch verändertes Saatgut - das gegen bestimmte Pflanzenschutzmittel ressistent ist, damit sind gleich 2 Probleme aus der Welt geschafft. Für die auftretenden Superunkräuter gibst weiteren Pflanzenschutzbedarf, der Preis für das Getreide ist zwar im Keller, aber ein paaf Firmen sind so gnädig und kaufen zu billigen Preisen das Getreide auf. Eine Biogasanlage dazu, damit lässt sich Energie vom Acker erzeugen, sie ist zwar heute um einiges teurer geworden, aber das ist einfach der Preis, der dafür gezahlt werden muss- Mais kann mit 6o Kilometer weit transportieren. Endlich ist alles so, wie es sein soll, hohe Milchleistung, dafür ist der Milchpreis schon wieder gefallen, also muss halt nochmals die Leistung rauf und man überlegt, ob man nicht doch auf 15o Kühe aufstockt, damit wäre man der grösste Betrieb in der Gegend und es wird ja immer gesagt, dass nur die Besten überleben. Bauer fühlt sich in letzter Zeit nicht mehr so wohl, beim Anblick seiner Buchführung braucht er immer einen Schnaps zur Beruhigung, seine Frau wird ständig angehalten, ja nichts überflüssiges mehr zu kaufen- und im Stall müsste sie auch noch viel besser dahinter sein. Er ärgert sich zwar, dass es beim Mittagessen jetzt so oft nur noch schnelle Küche aus dem Supermarkt gibt, die Frau immer so abgehetzt und gereizt auch für ihn immer weniger Zeit hat, die Kinder mit Grausen das Weite suchen, wenn sie schon wieder helfen sollen, Bauer oder Bäuerin will von den undankbaren Fratzen auch keins werden. Der letzte Kontoauszug war so depriemierend, dass sich da jetzt was ändern muss, ist doch das beste, hin- und wieder beim Maschinenring auszuhelfen, muss halt seine Frau im Stall mehr machen, für die Arbeit im Aussenbetrieb kommt jetzt eben mehr der MR zum Zuge. Das ist hoffentlich auch ein Märchen, leider höre ich von Bäuerinnen aus Wachstumsbetrieben so ähnliche klagen. Und da frage ich mich immer mehr nach dem Sinn unseres Wirtschaftens. frdl. Gr. regi
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