Bäuerliche Kultur und Identität

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Name: theres 10-02-2005 18:32 nach oben
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Bäuerliche Kultur und Identität

Vor ein paar Tagen stand eine Gruppe Jugendlicher beieinander,
alle so angezogen und frisiert, wie es Mode ist.
Man sah keinem seine Herkunft an, nur an der Sprache merkte man,
dass einige von woanders waren.
Irgendwann fielen die Worte- verzieh dich, du stinkiger Bauer!!!!!!
Einige andere lachten und machten mit, 2 Jugendliche verzogen sich,
ein junger Bauernsohn und dessen Freund.
Da ich die beiden kannte und weiß, was sie draufhaben, war ich betroffen.
Die beiden Jugendlichen erklärten mir, dass es ganz normal sei,
als stinkiger Bauer, Bauerntrampel und noch so einiges genannt zu werden.
Unsere Kinder kommen mit ihren bäuerlichen Wurzeln sehr gut klar,
sind zwar auch schon angemoppt worden, haben sich bisher erfolgreich gewehrt, sind aber auch schon traurig und weinend nach Hause gekommen, weil sie eben auch Bauerntrampel genannt wurden.
Unsere Tochter ist nicht mehr in die Ballettstunde gegangen, weil ein paar Mädchen meinten, sie müssten sich über sie lustig machen.
Bin einfach am überlegen, wie wir Bauersein besser rüberbringen,
unsere bäuerliche Kultur, unsere Identität.
Denn ich kenne viele Bauernkinder, die sich schämen, von einem Hof zu stammen.
Das ist bedenklich.
Und beim Nachdenken fing bei mir Fragen an:

Welche Wurzeln, welche bäuerliche Kultur, welche Identiät haben wir noch?
Wo liegen unsere Wurzeln und was ist uns im normalen Alltag davon übrig geblieben.
Bauernfeiertage, Brauchtum, bäuerliches Kulturgut, bäuerliche Werte-
ich war ganz schön entsetzt, wie wenig noch übrig geblieben ist-
und dann stellte ich mir die Frage-
was haben wir stattdessen an Werten übernommen, welche Kultur, welche Identität????????????
regi

Name: ede_1 antwortet um 10-02-2005 19:39 auf diesen Beitrag nach oben
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Bäuerliche Kultur und Identität
> @therese
weisst du regi,wenn von der Identität derBauern nur mehr exzessives Jammern an die anderen Leute rüberkommt,brauch sich niemand wundern,wenn unsere Kinder sich als Kinder von 2.Wahl-Eltern fühlen müssen.
Ich singe in einem Chor als einziger Bauer unter fast lauter Lehrer und Beamten und wenns mich fragen wies mir geht,sage ich danke gut-bin sehr zufrieden.
Ich sag eben die persönliche Wahrheit-mich freuts sehr,dass die profezeite Milchpreisabsenkung mit der Osterweiterung nicht stattgefunden hat ...und pasta...
Mögen mich meine Kollegen dafür lünchen
mfg....ede


Name: breakeven antwortet um 10-02-2005 21:33 auf diesen Beitrag nach oben
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Bäuerliche Kultur und Identität


> hallo an die runde !!!!


zu mir.......ich bin 26 jahre alt von beruf bin ich tischler, ich mache gerade am 2 bildungsweg die studienberechtigungsprüfung. ich will im herbst 05 bwl und publizistik zu studieren beginnen!!!!

Meine eltern haben ne lebensfähige landwirtschaft und ich hab kein problem auf dieser in meiner freizeit zu arbeiten .....weder meine freunde .....noch die studienkollegen ....noch meine freundin haben ein problem damit !!!!!!

wenn es so weit ist werde ich die landwirtschaft meiner eltern übernehmen und ich werde mit stolz bauer sein .....ob ich sie dan im haupterwerb oder im nebenerwerb führen werde weiß ich noch nicht ....aber ich weiß das ich sie weiterführen werde !!!!!!!!!

lg günther



Name: theres antwortet um 11-02-2005 06:47 auf diesen Beitrag nach oben
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Bäuerliche Kultur und Identität
> Hallo Hans,
was sind alte Werte?
Bäuerliche Kultur hatte schon immer auch etwas mit Kultur zu tun,
der Versuch der Bauern, sich an die Werte der anderen anzupassen,
ist wahrscheinlich schon sehr alt.
Aber bei der Suche nach Kultur habe ich mich einfach auf die Suche gemacht, alle Welt bewundert die Musik der Wiener Philharmoniker,
Salzburg mit seinem "Jedermann", mit Mozart hat einen herausragenden Ruf in der Welt, schöne alte Schlösser, Kirchen zeigen von einer grossen künstlerischen Vergangenheit.
Und wo ist unsere Kultur heute?
Die Tatsache, dass ein paar ausländische Jüngelchen ihre heimischen Mitschüler Bauerntrampel nennen, ist mit Sicherheit nicht überzubewerten (Ich habe absolut nichts gegen Ausländer)
Als Mutter habe ich erlebt, dass Bauerntrampel, stinkiger Bauer absolut nichts mit dem Stallgeruch zu tun hat.
Sondern als Abwertung ganz schnell bei der Hand ist.
Du magst mich altmodisch nennen,
aber ich denke schon, dass ich noch nicht so altersverwirrt bin,
dass ich noch unterscheiden kann.
Unterscheiden, dass die meisten Bauernkinder, egal ob sie einen Beruf lernen oder studieren, sich ihren Platz in der Gesellschaft schaffen.
In unserem Haus gehen doch viele junge Leute ein und aus-
ich freu mich, dass die heutigen jungen Menschen eine gute Ausbildung, gute Manieren und gutes Benehmen wieder schätzen,
aber erhalten haben sie diese Werte von ihren Eltern.
Frag mal Handwerksmeister, Personalchefs nach den Einstellungschancen von Bauernkindern.
Sie werden mit Sicherheit in die engere Wahl genommen, weil in ihnen noch Werte vorhanden sind, die immer mehr in Vergessenheit geraten.
Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit, eigenständiges Denken, hoher Arbeitseifer, Leistungsbereitschaft,
eine gute Vernetzung von handwerklichem Können und geistigem Wissen.
Derartige Dinge werden in unserem Bekanntenkreis diskutiert, der sich eben auch aus Handwerkern und Personalchefs zusammensetzt.
Diejenigen Bauernkinder, die sich ihrer Herkunft schämen-
schneiden sich nach Meinung eines Personlachefs von ihren Wurzeln ab,
diejenigen, die dazustehen- haben bessere Karten.
Und das bei Bauern ein Wort noch als ein Wort gilt, dass eben bestimmte Werte, eine bäuerliche Kultur einen tragbaren Grund und Boden für das Leben abgibt-
das wird nach meinem Gefühl für die Zukunft noch wichtiger.
Es gibt schon viel zu viele wurzellose- und haltlose Menschen, die von den Meinungen und Strömungen hin- und hergeweht werden.
Die Suche nach bäuerlicher Kultur hat für mich nichts mit altmodischen Wühlen in der Vergangenheit zu tun, sondern ein Leben ohne Werte und Richtung ist ziemlich ziellos.
Dass Bejammern von PISA-Studien, die scheinbar in einigen Ländern besser, in anderen schlechter sind, hat mit Sicherheit auch etwas mit kulturellen Werten zu tun-
und die lernen Kinder nicht nur in der Schule, sonder im Elternhaus.
Bäuerliche Kultur und Identität ist nicht was vorgestriges, überholtes für die Mülltonne, sondern das Verschwinden von Kultur und Werten sind Zeichen einer sterbenden Hochkultur.
Und ein Blick zurück in die Geschichte ist nie ganz verkehrt,
denn die Vergangenheit ist auch Teil unserer Gegenwart.
Den KIndern und Jugendlichen möchte ich keine Schuld zuschieben, sie sind Spiegel der Erwachsenen.
Ich erlebe in der landw. Ausbildung eine unheimliche fachliche Stofffülle,
aber die Vermittlung von Werten, hat sehr wenig Platz.
In anderen Berufen ist es ähnlich, der Meister vom guten alten Schlag, der seinen Lehrlingen ausser fachlichem Wissen auch noch Werte mitgab, es gibt nicht mehr viele dieser Sorte.
Aber es ist interessant, wenn man mitbekommt, wie sich junge Menschen entwickeln, wenn sie mit Werten konfrontiert werden.
freundliche Grüsse von einer altmodischen kulturellen Wertesucherin
regi


Name: stb antwortet um 11-02-2005 08:27 auf diesen Beitrag nach oben
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Bäuerliche Kultur und Identität
> Ich bin der Meinung, dass man auch als Bauer nicht zu sehr "bäuerlichen Werten" nachhängen sollte, allein schon der Ausdruck "bäuerliche Werte" ist meiner Meinung nach stark vergangenheitsbezogen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass man keine Werte haben soll oder gar die anderer übernehmen soll. Jeder Mensch hat Wertvorstellungen, das ist völlig normal. Man sollte sich als Bauer auch nicht in den eigenen Wertvorstellungen verunsichern lassen, nur weil andere Leute "modernere" Wertvorstellungen haben.

Tatsache ist für mich auch, dass die Wertvorstellungen nichtbäuerlicher Gruppen ebenfalls starken Änderungen unterworfen waren und sind (Partnerschaft, Sexualität, Arbeits- und Freizeitverhalten). Diesen allgemeinen gesellschaftlichen Änderungen kann man sich auch als Bauer nicht verschliessen oder meinen man sei davon völlig unbeeinflusst.

Ich halte es als Bauer für falsch in der Gesellschaft den "Bauer raushängen zu lassen" und mich weil ich mich des Bauerseins nicht schäme bewusst als "Gummistiefelbauer" zu geben. Ohne mich des Bauer seins zu schämen, brauche ich mich nicht selbst als Besonderheit Bauer ins Rampenlicht stellen.

Ich bin Bauer, sowie andere Bäcker, Tischler, Postler, Arbeiter etc. ohne deshalb mit dem Bauersein besondere Werte zu verbinden. Ich denke je mehr sich Bauern selbst als normale Mitglieder der Gesellschaft verstehen, desto mehr werden sie auch so behandelt.


Name: helmar antwortet um 11-02-2005 08:33 auf diesen Beitrag nach oben

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Bäuerliche Kultur und Identität
Hallo an alle!
Ich habe ja schon ein paarmal im Forum geschrieben dass mein Weg als bäuerliches Wesen auch über eine 1. Klasse einer AHS( in welche ich geschickt wurde und welche ich mir nicht ausgesucht habe und von der ich auch abgegangen bin), durch die Berufsschule( ländl. Hauswirtschaft war in NÖ damals noch verpflichtend), über einige Monate als Aushilfspostfuchs und über mehrere Jahre in einen holzverarbeitenden Betrieb wieder zurück in die Landwirtschaft geführt hat. Das war vor fast schon 30 Jahren.......und da gab es noch "Traditonen" welche ich halt auch nicht mehr mitgemacht habe, angefangen von der Heirat mit einem Arbeiterkind bis zu der Tatsache dass ich in NÖ einer der ersten LWM gewesen bin welcher nicht an die Hauswirtschaftlehre angeschlossen hat. Dass ich immer auf eigenen Füßen gestanden bin haben mir auch so manche übelgenommen, auch dass ich mir das Erledigen aller anfallenden Arbeiten angewöhnt habe, einschließlich Bäume fällen, hat damals vielen nicht so recht zur Tradition gepasst.......also irgendwie habe ich schon das Gefühl dass auch das Wort TRADITION ganz schön herumgebogen wird. Wenn du eine Blaskapelle in voller Tracht auspielen siehst, ist das fürs erste mal ein Bild "heiler Tadition", und dann, oh Schreck, kann es passieren dass die auf einmal ein Stück von ABBA spielen anstelle eines Marsches, und was dann? Ob bei dieser Kapelle allerdings recht viele (Milch) bauern dabei sind ist eher fraglich, denn zumindest in unserer Gegend fallen viele Auftritte in die Stallzeit.
Aber zurück zu dem was man unter bäuerliche Tradition oft verkauft:
es dient u.a. dem Fremdenverkehr und auch der Werbung für unsere
Erzeugnisse und auch den Direktvermarktern und anderen, mit der "heilen Welt" zu werben. Wir alle wissen aber dass diese Welt so heil oder unheil wie überall ist. Auch unsere Tochter wurde in der Volks-und Hauptschule manchmal gehänselt weil sie ein "Bauernkind" war. Komischerweise von jenen, welche schlechtere Leistungen als sie hatten.....und fallweise hat sie sich auch über mich geschämt und mir das auch gesagt. Aber da sollte man sich selber auch ein wenig an der Nase nehmen, denn seit ich meine grauen Haare töne und dort wo mein Kind ist nicht unbedingt im Dirndl auftauche "schämt" sich meine kleine große längst nicht mehr über mich....und seit sie eine AHS besucht
scheint dieses Problem für sie nicht mehr so groß zu sein, denn sie stellt mich öfter den Schulkollegen auch mit meinem Beruf vor........
Was aber das Auftreten unserer Berufsgruppe betrifft, da könnte auch aus unserer Seite man so manches zurechtrücken, denn es gibt unter uns nicht nur Jammerer und gern in Talkshows gezeigte Typen, sondern
sehr viele welche sehr wohl was ohne ÄH, und HM zu sagen haben.
Liebe Leut, bin wieder mal zu lang geworden, helmar>


Name: theres antwortet um 11-02-2005 09:20 auf diesen Beitrag nach oben
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Bäuerliche Kultur und Identität
>
Hallo Hans,
gibt es noch solche Gegenden?
Ich bin auch so eine "Dahergelaufene". Aber den alten Bauernstolz früherer Prägung habe ich in meinem Umfeld noch nicht erlebt-
eher umgekehrt, dass sich die jungen Bauern nicht mehr zu sagen trauen, dass sie eben Bauern sind, um nicht auf der Tanzfläche stehen gelassen zu werden.
Mir sind in einer Schulung vor ein paar Jahren erst die Augen aufgegangen, als es um die Werte ging.
Für welche Werte stehe ich ein, welche Werte tragen mich, an welche Werte halte ich mich?
Seither habe ich mich auf die Suche gemacht.
Hätte mir früher niemals getraut, mich vor vielen Menschen hinzustellen und Fragen zu stellen, meine Meinung zu sagen.
Erst das Auseinandersetzen mit bäuerlicher und allgemeiner Kultur,
mit mir selbst und meinen Weg hat mir die Kraft und die Wurzeln gegeben, für mich einzutreten.
Dass heute Kinder nicht in ein Bushäusl dürfen, das ist eine Schande,
aber das hat mit bäuerlicher Kultur nichts zu tun,
sondern Dummheit stirbt halt leider nicht aus.
Ich vermute, dass in allen Zeiten Frauen Traditionen und Kultur an die Kinder weitergegeben haben.
Es war früher nicht alles schlecht und nicht alles gut-
aber das Gute zu bewahren und in eine heutige Zeit einzuflechten-
um Wurzeln und einen Standpunkt zu haben, ist sicher nicht ganz vekehrt.
Heile Welt gab und wird es niemals geben-
aber eine lebenswerte Welt.
Sie war und bleibt ein Ziel und für dieses Ziel sind viele Opfer und Mühen auf sich genommen worden.
regi

Name: alhu antwortet um 11-02-2005 14:53 auf diesen Beitrag nach oben
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Bäuerliche Kultur und Identität
>
Wenn wir von den Wurzeln unserer Kultur sprechen, müssen wir zwangsläufig zurückgreifen auf die Zeit vor dem 2. Weltkrieg bis hinein ins 19. Jhdrt. Damals wurde das gesamte gesellschaftliche Leben, soweit es den ausserstädtischen Bereich betrifft, von der Kirche und dem Bauerntum bestimmt. Und wenn wir uns heute beschweren weil wir als Bauerndodln- und trampeln abgestempelt werden, so müssen wir auch auf diese Zeit zurückgreifen, in der Arbeiter, die Diesntboten, die Kleinhäusler von den Bauern erniedrigt wurden. Damals wurden tiefe Gräben zwischen den Bevölkerungschichten aufgeworfen, die wir heute noch nicht entgültig zugeschüttet haben.
Dadurch, dass die Bauern immer weniger wurden und noch werden, ist der Einfluß der bäuerlichen Kultur auf das gesellschaftliche Leben beinahen total verschwunden. Das tut uns weh. Wenn man es genau nimmt ergeht es der Kirche genauso. Wir wollen es ganz einfach nicht wahrhaben, dass unsere Traditionen, sowohl die der Kirche als auch die des Bauerntums in der heutigen Gesellschaft überholt sind. Wir haben es verabsäumt unsere Traditionen der heutigen Zeit anzupassen. Es ist erschreckend wie viele der heute 50jährigen noch so althergebrachte Ansichten haben. Das zeigt sich an den Problemen, die bei den diversen Generationswechsel zu Tage treten.
Ein Übriges tun dann noch die Medien. Was hilft es wenn alle positiven Seiten des bäuerlichen Lebens nur in Zeitungen zu lesen sind, die nur durch bäuerliche Hände gehen und von denen die übrige Welt keine Ahnung hat. Die einzige Ausnahme seitens der Medien sind nur die 2 Sendungen im Fernsehen "Land und Leute" und "ins Land einischau`n", die ein einigermaßen zeitgemäßes Bild des Landlebens bringen. Nur wieviel junge Leute aus der Stadt bzw. ausserlandwirtschaftlichem Bereich schauen solche Sendungen an? Die Karlichshow, die wird gesehen und was hier gesendet wird, speziell wenn es um Partnersuche im bäuerlichen Milieu geht, treibt einem die Haare zu Berge. Was hier an negativer Imagepflege geleistet wird ist enorm.
Es ist zwar ein harter, langwieriger und beinahe aussichstsloser Kampf die Massen von einem zeitgemäßeren Bild des Bauerntums zu überzeugen aber ich glaube es würde sich lohnen.Es müßte halt jeder seinen Beitrag dazu leisten. Ansätze dazu gibt es durchaus. Ich erwähne nur die Tage der offenen Stalltüren, Abhofverkäufe, ja sogar der Jungbauernkalender, kurzum alles was das tatsäcjhliche Leben am Bauerhof der übrigen Bevölkerung näher bringt.( Beim Jungbauernkalender habe ich meine Zweifel, was das tatsächliche Leben anbelangt)
Wir sollen es niemand verheimlichen, dass wir Bauern sind. Wir können stolz drauf sein aber wenn wir in der Öffentlichkeit auftreten sollten wir immer darauf achten, dass unser Denken, Reden und Handeln auch das äussere Erscheinungsbild und unser gesamtes Gehabe Einfluss nimmt auf das Image das wir in der Bevölkerung haben.
Es geht den Bauern hier so ähnlich wie den Frauen im Berufsleben. Es genügt nicht so gut zu sein wie die Männer, sondern besser. Auch wir müssen besser sein als die Anderen um unseren Ruf zu verbessern.Würde alles was die Landwirtschaft an positiven Sachen in die gesamte Gesellschaft einbringt auch dementsprechend in den Medien gewürdigt werden, stünden wir sicher besser da.
Traditionen sind gut und wichtig, was uns nicht daran hindern sollte ihre Sinnhaftigkeit von Zeit zu Zeit zu überdenken, denn Tradition heißt Erhaltung des Feuers und nicht Anbetung der Asche.

Name: alhu antwortet um 11-02-2005 17:51 auf diesen Beitrag nach oben
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Bäuerliche Kultur und Identität
>
Einen Nachsatz hätte ich noch zu dem was ich heute nachmittag geschrieben habe. Wenn heute Jugendliche wegen ihrer Herkunft beschimft oder ausgelacht werden, so darf man das nicht so ernst nehmen. Das war in unserer Jugendzeit nicht viel anders. Ich bin selber als Bauerndepp beschimpft worden. Nur war es früher so, dass die anderen meistens in der Minderheit waren und da hat es halt manchmal Hiebe für so blöde Bemerkungen gegeben. Heute sind die Jugendlichen bäuerlicher Herkunft in der Minderheit und können oft nicht anders als sich umzudrehen und zu gehen. Gegen soviel Dummheit ist nun einmal kein Kraut gewachsen. Ich glaube dass fast alle die so blöde Bemerkungen fallen lassen trotz ihrer vermeintlichen Intellegenz nicht in der Lage wären einen Bauernhof zu führen, weil ihnen die geistige Kapazität dazu fehlt.
Das Wissen welches heute ein Bauer/Bäuerin braucht um seinen Hof ordentlich führen zu können würde den Angehörigen von sehr vielen anderen Berufsparten zur Ehre gereichen. Diese Tatsache müßte in der Öffentlichkeit richtig publik gemacht werden, das würde eine erhebliche Imageverbesserung nach sich ziehen.

Name: Kathi antwortet um 11-02-2005 20:14 auf diesen Beitrag nach oben

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> Hallo Theres,

Ich wollte vor ein paar Monaten schon einmal so etwas ähnliches hier hereinschreiben - und zwar wurde ich ganz ungläubig gefragt ob ich wirklich eine Bäuerin sei - weil wenn, dann wäre ich keine "typische" Bäuerin.
Ich stand da und wußte nicht was ich mit diesen "Kompliment" (??) machen sollte.

Wie schaut eine "typische" Bäuerin/Bauer aus??? Oder was muß sie sagen oder tun???

Leider sind mir diese Fragen damals nicht eingefallen.

Ich will mich hier nicht in die Werte-Diskussion reinhängen, sondern einfach nur die Frage stellen, wie sehen wir uns selber ?? - Wie uns die anderen sehen hängt ja schließlich davon ab.

Liebe Grüße,

Kathi (mit th - gibt ja jetzt auch hier im Forum noch eine andere Kati)




Name: theres antwortet um 11-02-2005 23:41 auf diesen Beitrag nach oben
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> Hallo liebe Kathis,
die Erfahrung, dass "Komplimente" kommen, "Du schaust gar nicht aus wie eine Bäuerin", kenne ich zur genüge.
Wenn man dann frägt, wie eine Bäuerin nach deren Meinung auszusehen habe, dann kommen die üblichen Attribute:
Gummistiefel, Latzhose, Kopftuch und dick.
Da verdanken wir den Heimatfilmen scheinbar ein ganzes Stück "Aufklärung".
Wir werden von aussen gesehen und beurteilt,
aber das wichtigste ist, wie wir uns selbst sehen.
Ich liebe meinen Beruf, fühle mich mit Arbeitskleidung genau so wohl als mit zu anderen Anlässen passender Kleidung.
Aber mir fällt auf, dass unsere bäuerliche Kultur und unsere Werte schleichend verschwinden.
Es zählen nur noch die Zahlen, reine Betriebswirtschaft, aber Bäuerin- oder Bauer sein ist eben mehr.
Bäuerliche Grundtugenden und dazu zähle ich nicht, nur die Arbeit als alleinigen Lebensinhalt zu sehen, sondern auch noch Zeit für die Familie, für sich und für andere zu haben, verschwinden immer mehr.
Das Gefühl für vieles nimmt ab.
Mir ist das früher nicht bewusst geworden, aber mit heranwachsenden Kindern wird man mit vielen Fragen und Diskussionen konfrontiert.
Und derartige Fragen verlangen Antworten.
Freundl. Grüsse
regi



Name: andante antwortet um 12-02-2005 09:49 auf diesen Beitrag nach oben
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Also wieder einmal glaube ich, dass dieses Problem kein rein bäuerliches ist. Jugendliche sind oft recht perspektivlos und versuchen ihre eigenen Fehler dadurch zu kaschieren, oder zu überspielen, dass sie eben andere schlecht machen, um so von ihnen selbst abzulenken. Aber auch unter Erwachsenen ist Mobbing ein großes Problem. Ein Freund von mir (kein Bauer übrigens) musste seine Ausbildung unterbrechen, weil ihm die verbalen und auch tätlichen Angriffe einiger Mitschüler einfach zu viel geworden sind. Und es ist immer derselbe Typ Mensch, der mobbt: Unattraktiv (recht klein oder dick), lernschwach, oft mit starkem Körpergeruch. Auch ich war im Internat und habe dieselbe Erfahrung mit einigen Mitschülern gemacht. Komisch war nur, dass sie meine besten Freunde wurden, nachdem ich sie verprügelt hatte. Mit einem hatte ich sogar noch lange nach unserer Schulzeit Kontakt. Was ich aber eigentlich sagen will, ist, dass man nichts auf das Gewäsch anderer Leute geben soll. Die Leute schimpfen immer lieber, als sie jemanden loben. Menschen mit schwachem Ego brauchen das. Mit bäuerlicher Kultur hab ich es übrigens nicht so: Mag keine Blechmusik, habe keine Lederhose und hauptsächlich verdiene ich mein Geld damit, Industriegrund zu verpachten. Natürlich gibt es auch hier immer wieder Leute, denen das nicht passt, die es lieber sehen würden, wenn man seine Flächen traditionell bewirtschaftet. Aber ich glaube, es ist nur der Neid. Wenn ich auf derselben Fläche lieber ein paar Fuhren Heu ernten würde als zigtausend Euro, wär ich schön blöd.>


Name: theres antwortet um 12-02-2005 10:21 auf diesen Beitrag nach oben
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Bäuerliche Kultur und Identität
>
Hallo Andante,
bäuerliche Kultur alleine auf Lederhose und Blechmusik zu ´reduzieren ist schon ein wenig einfach.
Es gibt viele Menschen, die stammen von einem Hof und sind mit Freude an ihren Wurzeln bodenständige Menschen geblieben und andere sind wurzellos und haltlos.
Kultur und Identität hat etwas mit Wurzeln zu tun, mit langfristigem Denken, nicht mit nostaligschem Humbsdradra.

Das Abwerten des Menschen mit dem Ausdruck Bauerntrampel, stinkiger Bauer ist sicher die Charakterschwäche des Abwertenden.
Und doch verletzen und schmerzen diese Bewertungen.
Die meisten Menschen in unserem Land stammen indirekt von den Bauern ab, und da erlebe ich eben die Unterschiede,
die einen eben als auf diese Wurzeln besonnen, die anderen sind die stärksten Kritiker und Negativbewerter des Bauernstandes.
Neid ist keine rein bäuerliche Eigenschaft, sondern sie scheint in allen Bevölkerungsschichten sehr verbreitet zu sein.
Wer es schafft, die Menschen aufeinander neidig zu machen-
hat einen hohen Beitrag zu einem unerfreulichen Nebeneinander geschaffen.

Vor kurzem habe ich irgendwo einen Spruch gelesen, weiß nur leider nicht mehr genau wo:

Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Beginn der Unzufriedenheit.
freundl. Grüsse
regi

Name: sanBenedetto antwortet um 12-02-2005 15:43 auf diesen Beitrag nach oben
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Die Annahme meiner Herkunft ist die Annahme meiner Selbst! Die Annahme meiner Herkunft ist die Annahme meiner Selbst!



Name: elvico antwortet um 12-02-2005 18:04 auf diesen Beitrag nach oben
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>
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