Saatgut-Nachbau

Antworten: 8
Name: styrian_cro 20-06-2009 11:11
Saatgut-Nachbau
Angeregt durch eine Diskussion in einem deutschen Landwirtschaftsforum, wollte ich hier die Frage mit dem Saatgut aufwerfen. Baut ihr selber nach oder kauft ihr jedes Jahr zu?
Wenn, ja was baut ihr nach und warum? Wenn, nein warum nicht?
interessant wäre auch ob sich bio-bauern und konventionelle da groß unterscheiden?

lg styrian_cro
Name: Stonebear antwortet um 20-06-2009 11:24 auf diesen Beitrag
Saatgut-Nachbau
Hallo Styrian

Ich baue auf meinen Feldern nur noch Originalsaatgut an.
Ich hab die Erfahrung gemacht das Original immer bessere Erträge bringt .
Meiner Ansicht nach ist es egal ob Bio oder Konventionell.
Bei Bio darfst nich Beizen und baust dir gleich die Krankheitsereger mit an,
und bei Konventionellen wird oft ein großer Aufwand bei Düngemitteln und bei
Pflanzenschutzmitteln betrieben und beim Saatgut gespart.
Ausserdem musst den Aufwand für Reinigung und Lagerung mit kalkulieren.

mfg

Name: u99 antwortet um 20-06-2009 12:09 auf diesen Beitrag
Saatgut-Nachbau
@styrian, Wir bauen überall dort, wo es erlaubt ist, unser Saatgut selber an. Bei Durumweizen müssen wir 110 kg/ha Pflichtkaufen.(In Frankreich ist das so) Weil man aber meistens 150 kg sät, komplementieren wir die Differenz mit eigenem Saatgut. Beim übrigen Getreide kaufen wir nur soviel zu, um das eigenen Saatgut zu erneuern. Man kann nicht endlos die eigene Ernte wieder aussäen. Bis heute haben wir das eigene Saatgut nie gebeizt und trotzdem war das Aufkommen von Fruchtfolgekrankheiten im Vergleich zu gebeiztem Saatgut nicht bedeutend. Die Wirkung von Beizmittel wird masslos überschätzt.
Trotzdem gibts natürlich ein paar wichtige Grundregeln, die einzuhalten sind, wenn man selber multipliziert: 1. Das Saatgut muss sehr genau gereinigt werden können. Kleine Körner (Hühnerweizen) und andere Verunreinigungen müssen entfernt werden. 2. Das Saatgutlager muss wegen Schädlingen überwacht werden. Sollte es trotzdem mal Schädlinge geben, lässt man die Ware einfach nochmals durch den Reiniger, das ist besser wie Insektizide.
3. Baut man Getreide über Jahre als Monokultur an, ist Beizen sicher sinnvoll. Das heisst aber nicht, dass man die Körner dann zukaufen muss.
4. Die eigene Saatgutfläche muss in einer guten Fruchtfolge stehen. Nie Weizen nach Weizen beispielsweise.
5. Hybridsorten sind nicht geeignet zum Nachziehen. Bei Roggen etwa muss man mit Populationssorten arbeiten. Bei anderen Getreidearten sind Hybriden noch nicht so aktuell.

Mit all dem oben geschrieben sind natürlich die Saatgutfirmen überhaupt nicht einverstanden. Die wollen und müssen ja ihre Ware verkaufen und damit sie Erfolg haben, brauchen sie gut Argumente usw. und so fort. Sie scheuen keine Kosten, um das den Bauern zu übermitteln.
Die oben beschriebene Art der Saatgutvermehrung ist bei uns in Frankreich sehr verbreitet.
mfg

Name: monsato antwortet um 20-06-2009 12:16 auf diesen Beitrag
Saatgut-Nachbau
hay

also wenn eigenes verwendet wir und das auch super aufbereitet wird bleibt nur noch eine diverenz zum original von ca 35 cent .
weiter muß ich schon auch sagen das original laut meiner erfahrung um 100 kg je ha mehr ertrag bringt .
die entscheindung liegt bei jedem einzelnen bzw. welchen vertrag man hat und dadurch gebunden ist einen anteil von original zu kaufen und anzubauen.

hat mann bezugspflicht von 150kg ja ha is das sowieso schon zuviel weil ich zb. nur 130 kg ja ha anbaue bei weizen zb. je nach tausendkorngewicht halt auf jedenfall ca. 270 körner ja m/2
gruß m.

Name: u99 antwortet um 20-06-2009 12:24 auf diesen Beitrag
Saatgut-Nachbau
@monsanto: Die Bezugspflicht ist in jedem Land anders geregelt. Bei uns gibts nur in Durumweizen diese Pflicht. Auch die Kalkulation ist überall verschieden. Die Aufbereitung des Saatgutes kostet uns nicht mehr, weil wir die gleiche Reinigungsanlage auch für die Ware benutzen, die wir als Brotgetreide dann verkaufen.
mfg

Name: frischauf antwortet um 20-06-2009 13:19 auf diesen Beitrag
Saatgut-Nachbau
Hallo.
Ich bin Biobetrieb und baue immer nach. Ich erneuere das Saatbut alle 2-3 Jahre und baue eine kleine Fläche Orginalsaatgut welches ich dann im Folgejahr für die Gesamtfläche verwende an.

Ich finde man muß das Saatgut reinigen und aufbereiten. Schönes Erntegut reinige ich nur mit dem Siebrohrreiniger und dem Windsichter ( Ich stelle den Windsichter auf fast maximale Leistung.). Wenn ich bemerke das kleinere Kerne dabei sind reinige ich mit einer saatgutreinigung. Das Beizen des Saatgutes bei Weizen und Triticale ist meiner Meinung nicht notwendig. Weiters habe ich noch nie weniger Ertrag gehabt beim Nachbaugetreide. Bei mir ist der erste Nachbau immer schöner als das Orginalsaatgut.

Meiner Meinung kann man sich Geld sparen wenn man 2-3 mal nachbaut und man muß keine Ertragseinbußen befürchten.

Für mich ist es eher ungewöhnlich das es Landwirte gibt die alles Orginal anbauen bei diesen nicht geraden günstigen Saatgutpreisen.



Name: 179781 antwortet um 20-06-2009 20:59 auf diesen Beitrag
Saatgut-Nachbau
Wir verwenden als Biobetrieb relativ viel eigenen Nachbau. Das Saatgut wird aber nur von Flächen genommen, wo ein ordentlicher Bestand steht. Wenn eine Trocknung notwendig sein sollte, fahren wir da mit weniger Temperatur. Das als Saatgut vorgesehene Getreide kommt gleich nach der Ernte über einen Vorreiniger ins Lager und wird vor der Aussaat bei einem Kollegen mit einer professionellen Saatgutreinigung aufbereitet. Das wichtigste aber ist, das man von jeder Partie ein Muster an die AGES zu sogenannten Gebrauchswertprüfung schickt.
Da wird die Keimfähigkeit, der Unkrautbesatz und ein Befall mit Sporen von Pilzerkrankungen untersucht. Das kostet etwa 40 Euro, also keine 150 kg Getreide. Wenn man schlechtes Saatgut aussät, ist auf kleinen Flächen schnell mehr verspielt.
Letztes Jahr waren z. B, bei dem Weizen den ich säen wollte zu viele Steinbrandsporen dran. Der hat aber optisch recht gut ausgeschaut. Wenn ich den nicht untersuchen hätte lassen, hätte ich damit "Steinbrandvermehrung" betrieben.
Fazit daraus.
Man kann mit eigenem Saatgut Geld sparen und eventuell auch Vorteile davon haben, das man Sorten verwendet, die auf den Betrieb angepasst sind. Es funktioniert aber nur, wenn man ordentlich arbeitet und das ist mit entsprechendem Aufwand verbunden.

Gottfried

Name: hermannn2 antwortet um 21-06-2009 11:07 auf diesen Beitrag
Saatgut-Nachbau
baue seit über 20 jahren nur noch bei weizen u gerste 1ha original für das nächste jahr als saatgut alles andere wird nachgebaut beim ertrag oder bei den krankheiten ist kein unterschied u man erspart sich eine menge geld

Name: frischauf antwortet um 21-06-2009 11:56 auf diesen Beitrag
Saatgut-Nachbau
Stimmt. Unbedingt eine Probe an AGES senden. Keimfähigkeit kann man zwar selber feststellen bei Ackerbohnen und Erbsen usw. Das Problem mit Steinbrand bei Weizen ist aber nicht zu Unterschätzen.

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