 Tagebuch
E-Mail an User
|
Gesundheitsmonitoring bzw. Tagesbericht Ich halts normalerweise mit Grillparzer: Da tritt der Österreicher hin vor jeden, denkt sich sein Teil und lässt die andren reden. Habe mir die Diskussion durchgelesen und muß mit meinen Grundsätzen brechen und einmal Stellung nehmen. 1. Als Tierarzt bin ich verpflichtet die Diagnose auf dem AAA ( Arzneimittel-Abgabe u. Anwendungsbeleg) zu schreiben.Es ist aufgrund der unleserlichen Schrift meiner Kollegen besser wir könnten das mit einem Zahlencode machen. Geeignet ist der Stauffenbielschlüssel, den die Deutschen Kollegen (und ich) anwenden ( ca. 1200 Diagnosen). Die Tierärztekammer ( Dr. Obritzhauser u. Dr. Holzhacker) haben sich für einen kurzen Schlüssel also 100 Diagnosen entschieden um es den Tierärzten nicht "zu schwer" zu machen. Meiner Ansicht nach gehört der Stauffenbielschlüssel her, oder der Norwegische Schlüssel mit 500 gängigen Diagnosen. Das Argument der Tiroler Tierärzte ( erst am Sonntag hat mir Kollege Dr. Mader vom TGD das bestätigt) warum sie das Gesundheitsmonitoring ablehnen ist, daß die Landwirtschaft für ein Gesundheitsprojekt Mittel erhält aber der Tierarzt nichts. (Monetäre Ablehnung aus Neid) Sie nennen das Projekt Krankheitsmonitoring und den Feinkostladen Österreich Feinkotzladen - kann man bei Nestroy schon nachlesen über die Nestbeschmutzung der Österreicher, noch dazu von einer Berufsgruppe, die so von der Lebensmittelproduktion abhängt. Sache ist: laut Tierarzneimittelkontrollgesetz muß der Tierarzt eine Diagnose dokumentieren ! 2. Warum Gesundheitsmonitoring? Es ist aus Tiergesundheitsgründen wichtig, Daten von Krankheiten zu sammeln und auszuwerten, egal mit welcher Programmier - Methode. Beispiel: Mastitis - Kein TGD weiß, wieviel Staph. aureus Mastididen in seinem Bundesland auftreten oder Stoffwechselkrankheiten oder Klauen, oder Labmagenverlagerungen? Mit dem Gesundheitsmonitoring haben wir , zugegebenermaßen zwar keine vollständigen aber zumindest einmal Daten von einem Teil der Kühe und können nun österreichweit gegen gewisse Krankheiten dagegensteuern sei es durch bessere Stierauswahl, bessere Beratung etc und können vorallem den Konsumenten europaweit ( weltweit) klarmachen, daß wir Österreicher die gesündesten Kühe mit der besten Milch betreuen - und für dieses Produkt auch mehr verlangen müssen. Zum Unterschied unserer Nachbarn in der EU sind wir BVD , IBR/IPV, BSE , MKS , Para Tb frei !!!! und alle schauen auf das kleine Österreich, wie wir unsere Rinder gesundheitsmässig überwachen. Holland hat im Jahr 2006 - 32000 Zuchtkälber importieren müssen, weil sie aufgrund einer Abkalbungsrate von 2,09 / Kuh ihre Kühe selbst nicht mehr remontieren konnten ( Österreich und Bayern 3,8). Und diese Länder nehmt ihr euch als Vorbild? Ihr wißt ja gar nicht auf welcher Insel der Seligen ihr euch befindet. Wenn ich meinem Vater zuhöre, wie schwieig es war in den 50er Jahren TBC frei zu machen, weil immer die beste Kuh im Stall befallen war, ohne klinische Anzeichen zu haben, so ist natürlich ein solches Projekt schwierig an den Mann ( Frau) zu bringen, wo der Landwirt keinen unmittelbaren Nutzen erkennen kann. Jedenfalls das Ausland schaut auf uns und ich war dieser Tage am Milchviehtag in Hessen und auf einem Tierärztekongress in Frankreich, wo ich dieses österreichische Gesundheitsmodell vorstellen durfte und wurde von den Zuchtverbandsverantwortlichen und Tierärzten geradezu umlagert, wie das funktioniert. Der erste Schritt ist jetzt getan und als weitere Schritte muß nun die Vernetzung mit den TGD erfolgen, daß diese ihrer Aufgabe gerecht werden können. Können sie mir sagen, wieviele Ketosen, Stap. aureus infektionen , Rotavirusinfektionen bei ihnen im Stall im Jahr 2005 waren? Ihre Abgangsraten in Bezug auf Klauen, Euter, Alter, Milchleistung etc in den letzten 10 Jahren? Auf Knopfdruck? Dazu braucht es einer Vernetzung aller beteiligten Organisationen TGD, ZAR, AMA, Tierärzte,.Milchlabors, Futtermittellabors., AGES..... Erst wenn das geschafft ist, dann gibts als Vision den gläsernen Stall und sie haben keine AAA Belege mehr, sondern das steht dann alles online im Internet und somit ist der beklagten überbordenden Bürokratie endlich der Garaus gemacht. Aber das braucht Zeit und das Mitwirken aller um soweit zu kommen. Ich hoffe das noch in meiner Berufslaufbahn erleben zu dürfen. Solange sich vorallem die Tierärzteschaft dagegen wehrt wirds sicher nix. Ich habe keine Angst vor einem Monatsbericht, aus dem hervorgeht, daß die Kuh Edelweiß vor drei Monaten wegen einer Mastitis behandelt wurde, dann nochmals und wieder und es hat eigentlich nicht genutzt, da muß ich mir halt in meinem Management was einfallen lassen oder ich flieg aus dem Betrieb. Beispiel:- von meiner Klientel wrden pro Jahr ca. 700 Einzelmilchproben Bakteriologisch-Zytologisch im TGD Labor Ried untersucht, nebenbei ca. 300 Bestandsproben das sind über 1000 Proben , das Gesamtaufkommen des TGD Labors Ried für die Bundesländer OOE und SBG beträgt 10.000 Proben - haben die anderen Praxen keine Mastitis? Oder stellen die keine Diagnosen, wie werden die einmal erkrankten Tiere trockengestellt ? ( Mein Vater war Molkereidirektor - hat die Kondensmilch in Flaschen- MARESI erfunden - da haben wir einmal eine Umfrage unter Tierärzten gemacht wie sie ihr Trockenstellmanagement durchführen - Antwort war kurz so, daß das Medikament genommen wird wo der Tierarzt die besten Einkaufskonditionen gehabt hat - ist lange her, aber auch damals wurden Tierärzte vereidigt , jedenfalls hat dies nichts mit guter tierärztlicher Praxisführung zu tun aber heute macht dies jeder Kollege bestens , und die Proben machen sie selber, obwohl in OOE gratis) Nun bekommt jeder Tierarzt aber die Daten der Milchleistungskontrolle gratis übermittelt (Monatsbericht Ges. Monitoring) und kann und soll nun von sich aus tätig werden nicht nur um die ZZ in den Griff zu bekommen sondern vorallem um die subklinischen Stoffwechselkrankheiten bereits im Vorfeld abzufangen. Und der Fett/ Eiweiß Quotient ist aussagekräftig. Daß die Harnstoffwerte und Laktosewerte aufgrund der einmaligen Kontrolle nicht zu brauchen sind müsst ihr selber mit den LKV´s klären , aber gerade aus Tirol ist ja damals die Forderung nach einer einmaligen Kontrolle gekommen. Und plötzlich haben die Kühe um 1000 Liter mehr Milch gegeben ( das war übrigens das Argument in OOE , daß man auf Einmalkontrolle umstellen muß, weil die Tiroler plötzlich so hohe Leistungen hatten und wir in OOE kein Zuchtvieh mehr vermarkten konnten - alleine wenn man um eine halbe Stunde später- was ja keiner macht- in den Stall zum Melken geht - macht das satte 1000 -1500 kg und da sollen wir dann großartig Fütterungsempfehlungen abgeben? Ich besitze eine Praxissoftware und kann von allen meinen Kunden seit 1987 nachweisen, welches Medikament, mit Chargennummern ich jemals bei welchem Tier verwendet habe. Ich kann über jede Diagnose seit nunmehr 20 Jahren Statistiken auswerten und somit eine Eigenkontrolle meiner Behandlungen durchführen. Das ist Gesundheitsmonitoring - da kann ich Schwachstellen bei meinen Kunden erkennen und mit beheben helfen - also meine ureigenste Aufgabe als Tierarzt, auf die ich ja auch vereidigt wurde, durchführen, nämlich für gesunde Tiere zu sorgen, nicht nur kranke heilen helfen ( das gehört natürlich auch zum täglichen Repertoir einer Tierarztpraxis). In Gießen hat heuer kein Bursch mehr auf der Tierärztlichen Fakultät mehr inskripiert, der Nutztierpraktiker wird eine Mangelware, das heißt, daß sich das Berufsbild scon in den nächsten Jahren gewaltig ändern wird. In Hessen einem der stärksten Milchländer der alten BRD, vorallem in Südhessen ist die Dichte der Rinderpraktiker auf über 70 km gesunken, das heißt von Schärding bis Wels kein Rinderpraktiker und die Stallmeister hat eine Geburt - da heißts warten oder schlachten - wenn da die blöden Bestimmungen nicht wären. Detto suchen die Belgier, Engländer, Norweger .... händeringend nach Rinderpraktikern und wir leben im gelobten Land - zumindest einstweilen noch. Ich möchte allen Lesern empfehlen, auch wenns schwerfällt mit ihrem Tierarzt darüber konstruktiv zu sprechen und auch mitzumachen, auch wenn wir Krankheiten monitoren müssen, dient das Projekt dazu mehr gesunde Tiere zu produzieren und dem leider gestiegenen Konsumentenschutz gerecht zu werden. Immerhin sind das unsere Abnehmer , umsonst heißt das Landwirtschaftsministerium in der BRD nicht Verbraucherschutzministerium - leider aber es ist so. Dies sind Gedanken eines eingefleischten Rinderpraktikers , der seinen Beruf nach langen Jahren immer noch mit dem selben Enthusiasmus und von Visionen getragen ausübt. Gute Nacht und viel Glück im Stall Dr. Franz Geweßler
|
|