Zwischen Mistgabel und Nagellack – wenn Töchter den Hof übernehmen

Diese Reportage misst den Erfolg nicht aufgrund von Betriebs- und Leistungsdaten, sondern berichtet über das alltägliche Leben einer jungen Bäuerin, die ihren größten Erfolg darin sieht, dass sie ihren Traumberuf verwirklichen konnte.
„Das Leben als Bäuerin ist nicht immer leicht. Aber ich würde mit niemanden auf der Welt tauschen wollen.“
„Das Leben als Bäuerin ist nicht immer leicht. Aber ich würde mit niemanden auf der Welt tauschen wollen.“
„Ich verstehe die Bauern nicht, die mit ihrem Arbeitsgewand in das Gasthaus oder Einkaufen gehen. Das muss wirklich nicht sein. Die Arbeitskleidung trage ich bei der Arbeit und sonst nirgendwo“, meint Simone, als sie von der Morgentoilette zurückkommt, um dann mit der Familie zu frühstücken. Die Familie besteht beim Frühstück meist aus Simone und ihren Eltern. Schon längst haben ihre vier älteren Geschwister woanders ein eigenes Leben aufgebaut. Nur am Wochenende kommen Simones Geschwister manchmal nach Hause. Sonst lebt sie allein mit ihren Eltern zu Hause. Viele Jugendliche gehen von hier weg, hier wo es kaum Arbeitsplätze gibt, wenig Ausbildungsmöglichkeiten, keine Unterhaltung, keine Abwechslung. In diesem langgestreckten Tal, das geprägt ist von Land- und Forstwirtschaft bleiben nur diejenigen zu Hause, die auch den Hof übernehmen, sonst niemand. Simone bleibt hier. Und auch ihr Freund Martin will hier bleiben, bei ihr bleiben. Ihn hat sie beim Abschlussball der landwirtschaftlichen Fachschule kennen gelernt. Die wichtigsten Aufgaben in der Landwirtschaft hat Simone ihrem Freund schon beigebracht, denn er selber stammt nicht aus einer Bauernfamilie.

„Oft habe ich mit Vorurteilen zu kämpfen, wenn ich sage, dass ich zu Hause lebe. Viele glauben dann, dass ich zu faul bin, um eine Lehre oder so etwas anzufangen. Aber man braucht mich zu Hause und ich mache auch alles. Ich bin wirklich Bäuerin und im Haushalt macht noch alles meine Mutter. Ich bin gerne draußen und bei den Tieren oder im Wald.“

Bevor der Regen fällt
Es ist 9 Uhr und Simone macht sich auf den Weg zum Traktor, den sie für die Heuernte vorbereiten muss. „Geschickt lenkt sie den Traktor aus der Garage, dessen Ausfahrt kaum größer ist als der Traktor selbst und fährt auf das Feld. Es ist eines der wenigen Felder, die sich flach durch die Mitte des Tales ziehen. Auf der rechten Seite des Tales, die bei schönen Tagen von der Sonne bestrahlt wird, müssen einige Bauern das Heu von den steilen Hängen in die Ställe bringen. Die linke Seite des Tales ist bedeckt mit riesigen Waldflächen. Längst ist die morgendliche Stille den lauten Traktorengeräuschen gewichen, nur das Vogelgezwitscher kann man vereinzelt noch hören. Obwohl nur wenige Wolken das Blau des Himmels verdecken, kann hier schnell ein Gewitter aufkommen, das wissen die Bauern in diesem Tal. Die drückende Schwüle verstärkt den Geruch des frischen Heus auf den Feldern. Das monotone Geräusch des Traktors und das ständige hin und her Rütteln machen Simone müde. Aber sie wird noch den ganzen Tag am Traktor verbringen. Sie wird am Abend wieder die Kühe melken und nicht mit ihren Freunden am Abend zu einer 20 km entfernten Disco fahren. Sie wird am nächsten Morgen wieder aufstehen und in den Stall gehen. Viele werden sich fragen, warum sich Simone all das in ihren jungen Jahren antut. Vielleicht, weil sie die Augen schließt und tief durchatmet, wenn sie in den Wald geht, weil ihre Augen funkeln, wenn sie die Tiere auf der Weide sieht, weil sie nicht schlafen kann, wenn ein Tier krank ist, weil sie nie weiß, was der nächste Tag bringen wird, vielleicht weil sie das einfach glücklich macht.

Autorin: Gudrun WÖLFL, Laßnitz bei Murau


Aktualisiert am: 10.09.2008 10:30

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