Zunehmende Bedeutung der Influenza beim Schwein?

Influenza kann sich als Erkrankung des Atmungstraktes, aber auch als Fruchtbarkeitsstörung zeigen. Ebenfalls kann sie Wegbereiter für andere Erkrankungen sein. Gute Gründe also, um sich die Details genauer anzusehen.
Influenza A-Viren zählen zu den relevantesten Erregern von Atemwegserkrankungen bei Schweinen. Einerseits zählen Influenzaviren zu den sogenannten primär pathogenen Erregern, das heißt sie verursachen Erkrankungen, auch ohne das Vorliegen von Kofaktoren. Kofaktoren können andere Krankheitserreger oder nichtinfektiöse Faktoren wie das Stallklima sein. Andererseits haben Influenzaviren Bedeutung als Kofaktor bei verschiedenen Komplexerkrankungen. Dazu gehören der porcine respiratory disease complex („Lungenkomplexerkrankung“, PRDC), das durch Circoviren ausgelöste postweaning multisystemic wasting syndrome („Kümmersyndrom“, PMWS) oder die proliferative nekrotisierende Pneumonie („Lungenentzündung mit Nekrosen“, PNP). Zusätzlich können Influenzaviren direkten oder indirekten (z.B. durch Fieber) Einfluss auf die Fruchtbarkeitsleistung von Sauen in Form von Aborten, totgeborenen oder lebensschwach geborenen Ferkeln haben.
Bei den Influenzaviren werden verschiedene Subtypen unterschieden. Bis in die 1990er-Jahre waren aus klinischer Sicht lediglich die Subtypen H1N1 und H3N2 von Bedeutung. Seit Mitte der 1990er-Jahre konnten in verschiedenen Ländern zusätzlich H1N2 oder Antikörper gegen H1N2 bei Schweinen nachgewiesen werden. Alle drei Subtypen konnten in den letzten Jahren in verschiedenen Ländern mit steigender Häufigkeit nachgewiesen werden. Am häufigsten kommt derzeit in den meisten europäischen Ländern H1N1 vor. So sind nach aktuellen Studien über 90 % der Betriebe in Deutschland positiv. Seit dem Jahr 2009 ist auch bei der Tierart Schwein das humane pandemische H1N1-Virus (H1N1pdm) nachweisbar. Dieser Subtyp wurde oftmals als „Schweinegrippe“ oder „Mexikogrippe“ bezeichnet. Er wird inzwischen in etlichen Ländern nachgewiesen und verursacht beim Schwein Atemwegsproblematik. In manchen Regionen Europas ist eine deutliche Zunahme der Nachweisrate in den letzten Monaten zu beobachten.

Autor: Univ.-Prof. Dr. Mathias RITZMANN, Klinik für Schweine, Veterinärmedizinische Universität Wien

Weitere Themen in dieser Ausgabe:
  • Biosicherheit für gesunde Schweine (Dr. Bettina FASCHING)
  • Mit Raps mästen? (Dr. Hermann LINDERMAYER, Dr. Wolfgang PREISSINGER und Günther PROPSTMEIER, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Grub (D))
  • Neuheiten und Highlights


Den gesamten Artikel zum Thema Influenza können Sie in der Ausgabe 8/2013 der Fachzeitschrift "Der fortschrittliche Landwirt" nachlesen.Gratis Probeheft bestellen.

Aktualisiert am: 04.04.2013 19:07
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