Zuchtwertschätzung gewinnt durch Gesundheitsmerkmale

Die Milchleistung steigt – die Probleme nehmen zu. Dies war in vielen Betrieben der Trend der letzten Jahrzehnte. Gesundheitszuchtwerte sollen hier nun entgegenwirken.
Aktuell kommen Diagnosen von von ca. 7000 Betrieben mit 139.000 Kühen.
Aktuell kommen Diagnosen von von ca. 7000 Betrieben mit 139.000 Kühen.
Das Milchleistungsniveau ist beim Fleckvieh in den vergangenen Jahrzehnten durch verbessertes Management und durch züchterischen Fortschritt deutlich angestiegen. Im Gegensatz dazu war die Nutzungsdauer der Tiere eher rückläufig. Neben unzureichender Fruchtbarkeit zählen Euterentzündungen, Klauenerkrankungen und Stoffwechselstörungen zu den häufigsten Abgangsursachen. Im Jahr 2008 waren beispielsweise bei Fleckvieh, Braunvieh und Holstein ca. 45 % aller Abgänge auf Gesundheitsprobleme zurückzuführen. Daher wird es immer wichtiger, die Gesundheitsmerkmale direkt züchterisch zu bearbeiten.

Wichtige Zeit um Geburt
Für die Schätzung der Erblichkeiten und die Zuchtwertschätzung wird immer nur ein bestimmter Teilabschnitt der Laktation herangezogen, der vor oder mit dem Zeitpunkt der Abkalbung beginnt. Dabei wird überprüft, ob die Kuh im jeweiligen Zeitraum gesund war oder vom Tierarzt behandelt wurde. Da der Großteil der Krankheiten um den geburtsnahen Zeitraum auftritt, wird vor allem dieser Bereich züchterisch bearbeitet. Euterentzündungen und Milchfieber können in geringen Fällen schon vor der Abkalbung auftreten, weshalb bei diesen Merkmalen der Zeitraum vor der Geburt ebenfalls berücksichtigt wird.

Deutliche Unterschiede
Fitnessmerkmale weisen allgemein niedrige Erblichkeiten auf und können daher nur langsam züchterisch verbessert werden. Für die Rasse Fleckvieh konnten mit einem sogenannten Schwellenwertmodell Erblichkeitswerte im Bereich von 6-15 % geschätzt werden. Die Erblichkeitswerte von Mastitis, Fruchtbarkeitsstörungen und Milchfieber liegen teilweise höher als jene der bisher in der Zuchtwertschätzung in Österreich und Deutschland berücksichtigten Fitnessmerkmale.

Fazit
Die veröffentlichten Zuchtwerte stammen derzeit ausschließlich von bereits geprüften Stieren. Wenn in Zukunft auch für die aktuellen Stiere Gesundheitszuchtwerte für die Selektion zur Verfügung stehen sollen, ist es wichtig, zuverlässige Diagnosedaten von möglichst allen Teststiertöchtern zu erheben. Es liegt damit in der Hand der Züchter, mit ihrer aktiven Teilnahme am Gesundheitsmonitoring Rind zu ermöglichen, dass allen Landwirten aussagekräftige Gesundheitszuchtwerte von Stieren für ihre Anpaarungsentscheidungen zur Verfügung stehen und Negativvererber erkannt werden können.

Die Gesundheitszuchtwerte werden mit jeder Zuchtwertschätzung auf www.zar.at und www.fleckvieh.at aktualisiert.

NEU: Rinderseite auf www.landwirt.com
Mehr Informationen über die Gesundheitszuchtwerte der Fleckviehstiere finden Sie auf www.landwirt.com/rinder/
Holen Sie sich dort aktuelle Informationen zum Thema Rind und diskutieren Sie im moderierten Forum mit Berufskollegen über Fachthemen rund um das Rind.

Autoren: Dr. Christa EGGER-DANNER, ZuchtData unter Mitarbeit von: DI Astrid KÖCK (BOKU), Dr. Birgit FÜRSTL-WALTL (BOKU), Dr. Walter OBRITZHAUSER (ÖTK, praktischer Tierarzt), Mag. Berthold GRASSAUER (ÖTK, praktischer Tierarzt) und Dr. Christian FÜRST (ZuchtData).


Autor:
Aktualisiert am: 09.04.2009 12:46

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