Zuchtsauenfütterung muss neu überdacht werden!

Ergebnisse aus Fütterungsversuchen bewogen die Gesellschaft für Ernährungsphysiologie , ihre Empfehlungen für die Fütterung trächtiger Sauen anzuheben. Für mehr lebend geborene Ferkel sollen vor allem Altsauen besser gefüttert werden.
Eine verhaltene Fütterung von 29 bis 31 MJ der niedertragenden Sauen fördert das Embryonenwachstum.
Eine verhaltene Fütterung von 29 bis 31 MJ der niedertragenden Sauen fördert das Embryonenwachstum.
Der Herbst geht langsam zu Ende und der nahende Winter sendet seine Boten voraus. Die Tage werden spürbar kürzer, die Nachttemperaturen fallen und die Natur verändert ihr Gesicht. Jede Jahreszeit beeinflusst in spezifischer Weise die Lebens- und Stoffwechselvorgänge der Tiere. Das gilt insbesondere auch für die Zuchtsauen, die im 3. Quartal abgeferkelt haben und ihre Würfe groß gezogen haben.

Futteraufnahme fällt ab 20°C
Vielerorts sind die Wurfleistungen der Sauen weiter angestiegen. Eine zunehmende Zahl der Tiere hat deutlich über 10 Ferkel aufgezogen. Wenn die Säugezeit der Muttersauen mit hohen Umgebungstemperaturen an sommerlichen oder gar heißen Tagen zusammenfiel und diese im Abferkelstall zu spüren waren, litt der Futterverzehr infolge der thermischen Belastung. Als Faustzahl gilt: Jede Erhöhung der Temperatur im Bereich der säugenden Sauen über 20° C führt dazu, dass die betroffenen Tiere im Durchschnitt 100 g weniger Alleinfutter fressen. Das kann fatale Folgen haben.

Restriktive Fütterung gefährdet Embryonen
Nach der Belegung/Besamung der brünstigen Sauen und der erfolgten Befruchtung und Frühentwicklung der Keimlinge nehmen die Embryonen und die Gebärmutterschleimhaut Kontakt zueinander auf und tauschen mittels körpereigener Hormone Informationen aus. Dies ist für die Einnistung (= Implantation) und ausreichende Ernährung der Früchte von enormer Bedeutung. Diese Kommunikation ist auch von der Energiezufuhr über das Futter der niedertragenden Sauen abhängig. Eine zu restriktive Ernährung, wie sie früher als ratsam galt, kann das Ausbleiben der embryonalen Signale (insbesondere um den 18. Tag nach der Konzeption) bewirken, zum Absterben von Embryonen führen.
Bekanntermaßen kann es nach heißen Sommern zum Anstieg von Aborten kommen, ohne dass infektiös bedingte Ursachen im Spiel sind. Im internationalen Schrifttum wird vom sogenannten „autumn abortion syndrome“ (Herbst-Abort Syndrom) gesprochen.

Fazit
Die angesprochenen Fütterungsempfehlungen für Sauen im Abschnitt der niedertragenden Phase sollten betriebsindividuell unter Einbeziehung der regionalen Beratungskräfte und des bestandsbetreuenden Tierarztes weiter präzisiert werden.
Im Rahmen der Herdenführung ist eine stärkere Berücksichtigung der Wurfnummer – Klassen ratsam. Eine Extra – Stellung nehmen vielerorts die primiparen Tiere (nach dem ersten Wurf) ein. Sie eignen sich als Indikatorgruppe für noch vorhandene Mängel des Sauenmanagements. Es bestehen Reaktions- und Leistungsunterschiede zwischen den Kategorien mit steigender Trächtigkeitsnummer. Sie betreffen das Magenvolumen, die Fresslust, das Absetz–Östrus–Intervall und den Ferkelindex. Es ist zu empfehlen, in der Fütterungspraxis, bei der Bewirtschaftung der Ställe und im Weiteren auch bei der Durchführung der Brunststimulation, der Brunstkontrolle sowie der Insemination der Sauen Wurfnummer–spezifisch vorzugehen.

Autoren: Johannes HILGERS, Landesverband Rheinscher Schweinezüchter, Meckenheim (D) und Prof. Dr. Uwe HÜHN, Wölfershausen (D)


Aktualisiert am: 11.11.2008 10:45
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