Zuchtsauen: Risiko Harnwegsinfektionen

Bei Sauen deutet gelblicher, zäher, eitriger Ausfluss aus der Vulva auf eine Harnwegsinfektion hin. Das Absetzen des Urins ist für die Sauen schmerzhaft und erfolgt daher stoßweise.
Rückläufige Leistungen und höhere Umrauschequote

Ebenso typisch für eine Harnwegsinfektion sind rückläufige Leistungen: Die Zahl der umrauschenden Sauen steigt, die Saugferkelverluste nehmen zu, Absetzgewichte und die Zahl der abgesetzten Ferkel sinken. „Plötzlich verendende Sauen sind ebenfalls zu beobachten, da es bei einem Aufsteigen der Erreger von der Harnblase in die Niere zum Nierenversagen kommen kann.“ Erkrankte Tiere sind leicht mittels Körpertemperaturmessung „dingfest“ zu machen, denn weisen mit 38,5 °C Untertemperatur auf. Als Erreger kommen hautsächlich E.coli-Bakterien in Betracht, weiterhin auch Streptokokken, Staphylokokken oder Klebsiellen.

Fundamentprobleme und falsche Körperkondition

Besonders anfällig für einen Harnwegsinfektion sind Sauen, die viel sitzen – sei es, weil sie überkonditioniert sind oder Fundamentprobleme haben und das Skelett entlasten wollen. „Ältere Sauen liegen oder sitzen öfter als junge Tiere. Meist haben 50 % der Sauen mit mehr als sieben Würfen Harnwegsprobleme.“ Nicht aus den Buchten entfernter Kot stellt eine der Hauptinfektionsquellen dar. Daher beruht die wirksame Vorbeuge auf einem stimmigen Hygienekonzept. Im Deckzentrum hat sich Trockendesinfektionspulver bewährt, da es die Feuchtigkeit bindet. Vor der Besamung wird die Vulva gründlich gereinigt. Ebenso wird auch im Abferkelbereich mindestens einmal täglich der Kot aus der Bucht entfernt.


Weitere Wegbereiter der Harnwegsinfektion

Weitere Wegbereiter der Harnwegsinfektion sind Zugluft und eine zu
geringe bzw. zu hohe Wasseraufnahme der Sauen. Nehmen sie nur wenig Wasser auf – das heißt bei tragenden Sauen weniger als 12 Liter und bei säugenden Sauen weniger als 15 Liter – wird die Harnblase kaum gespült. „Gleichzeitig kann eine zu hohe Wasseraufnahme zu einem höheren pH-Wert des Harns führen, was wiederum Infektionen begünstigt.“ Spielen die Sauen mit dem Wasser, ist der Boden ständig nass und kalt und eine Harnwegsinfektion quasi vorprogrammiert. Nicht zu vernachlässigen ist ein zu protein- oder zu mineralstoffreiches Futter als Auslöser des Krankheitsbildes. Solche Futter bewirken eine Steigerung des pH-Wertes, so dass krankmachende Keime sich leichter ansiedeln können. Besser ist ein leicht saurer Harn, wie er beim Zufüttern von Gerste entsteht.
(Quelle: deuka.de - „Harnwegsinfektionen - ein oft unterschätztes Problem“ von Dr. Torsten Pabst in SUS 2/ 2010, S. 54 - 57)


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Aktualisiert am: 29.04.2010 09:06
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