Zuchtsauen: Futter an jeden Leistungsabschnitt anpassen

Durch Zuchtfortschritt nehmen die lebend geborenen und abgesetzten Ferkel pro Sau und Jahr laufend zu. Damit muss auch die Milchleistung der Sauen durch gezielte Fütterung gesteigert werden.
Der Nährstoffbedarf der Zuchtsau unterscheidet sich in der Trage- und Säugezeit. In der Tragezeit gilt es den Erhaltungsbedarf zu decken und Körperreserven für die kommende Laktation aufzubauen. Dazu ist vor allem Energie notwendig. Der Aufbau der Körperreserven sollte bis zum 85. Trächtigkeitstag vollendet sein. Die Einteilung der Tiere nach dem Absetzen in die verschiedenen Klassen des Body Condition Scoring (BCS) erleichtert die bedarfsgerechte Fütterung. Werden die Reserven erst im letzten Drittel der Trächtigkeit durch eine übermässige Futtermenge geschaffen, wirkt sich das negativ auf das Abferkeln aus. Ein erhöhter Rohfasergehalt im Tragendfutter sorgt für ein gutes Sättigungsgefühl bei den Sauen und für Ruhe im Stall.

Milchbildung erfordert Protein

In der Säugezeit erfordert die Milchbildung mehr Protein. Nach einer moderaten Steigerung der Futterzufuhr während der ersten 10 Säugetage ist der Verzehr durch eine schmackhafte Ration mit einer hohen Nährstoffdichte während der Säugezeit möglichst hoch zu halten. Trotzdem werden nun die in der Trächtigkeit zugelegten Körperreserven mobilisiert. Dabei sollte der Abbau über die gesamte Laktation nicht mehr als 15% des Gesamtgewichts der Sau betragen.

Zusätzliche Nährstoffe

Nur bedarfsgerecht ernährte Zuchtsauen sind fruchtbar, haben eine hohe Milchleistung und können viele gesunde Ferkel aufziehen.
Nur bedarfsgerecht ernährte Zuchtsauen sind fruchtbar, haben eine hohe Milchleistung und können viele gesunde Ferkel aufziehen.
Neben den normalen Nährstoffen gibt es weitere Substanzen, die der Organismus benötigt, um die volle Leistungsfähigkeit und Gesundheit aufrechtzuerhalten. Lebensnotwendig sind fettlösliche Vitamine (A, D, E und K) und Spurenelemente. Auch das vitaminähnliche L-Carnitin ist ein unterstützender Nährstoff für den Fettstoffwechsel. Während tierische Komponenten reich an Carnitin sind, weisen pflanzliche Rohstoffe durchwegs geringe Gehalte auf. Bei Jungtieren und hoher Leistung kann die körpereigene Synthese den Bedarf nicht decken. Dies wird erst durch eine Zugabe von L-Carnitin übers Futter möglich.

Ein Langzeitversuch auf UFA-Bühl (CH) und andere Versuche zeigen, dass L-Carnitin (50 mg/kg) im Tragendfutter zu einer statistisch abgesicherten Erhöhung bei der Anzahl lebend geborener und abgesetzter Ferkel führt. Sauen, die während der Säugezeit zusätzlich L-Carnitin erhalten, bilden mehr Milch. Die Ferkel von «Carnitin-Sauen» säugen aktiver, länger und ausdauernder, regen dadurch die Milchbildung an und wachsen besser. Zudem führte die L-Carnitin-Gabe im Säugendfutter zu einer besseren Trächtigkeitsrate und einer höheren Anzahl Ferkel im nächsten Zyklus.

Langlebig und fruchtbar mit gesunden Klauen

Nur Zuchtsauen mit gesunden Klauen sind langlebig und fruchtbar. Klauenprobleme sind eine der häufigsten Abgangsursachen. Durch eine angepasste Fütterung können mögliche Faktoren für Klauenprobleme wie Haltungsform (Böden, Roste, Übergänge), genetische Veranlagung oder hohes Körpergewicht abgeschwächt werden. Intakte Klauen sind eine wirksame Barriere gegen das Eindringen von Krankheitserregern, die zu schmerzhaften Entzündungen mit den bekannten Folgen (geringere Futteraufnahme, mehr Erdrückungsverluste im Abferkelstall, geringe Milchleistung, Fruchtbarkeitsprobleme usw.) führen können.
Horn besteht hauptsächlich aus Keratin. Dieses bildet Fasern, die das Klauengerüst knüpfen. Je härter die Fasern sind, desto besser ist die Klauenfestigkeit. Dazu braucht es die schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystin.

Biotin fördert die Bildung des elastischen Zwischenzellzements. Ein Biotinmangel äussert sich in spröden, brüchigen Klauen, die zu Spalten und Rissen neigen. Spurenelemente (z.B. Eisen, Zink, Mangan, Kupfer und Selen) sind lebensnotwendig. Speziell Zink ist entscheidend für die Klauenqualität, da es die Bildung des Keratinaufbaus reguliert und zusammen mit Kupfer dafür sorgt, dass sich das Fett des Zwischenzellzements nicht zersetzt. Zinkmangel führt sowohl zu einer Beeinträchtigung der Hornqualität als auch der Hornstruktur.
Entscheidend für eine bedarfsdeckende Versorgung sind Menge und Verfügbarkeit der Spurenelemente. Spurenelemente können in anorganischer Form (Oxide, Sulfate) oder als organisch gebundene Komplexe (Proteinate, Glycinate) zugeführt werden.
Spurenelemente in organisch gebundener Form (Proteinate und Glycinate) werden besser aufgenommen, da diese analog zu reinen Aminosäuren direkt absorbiert werden können und nicht zuerst noch in eine lösliche Form gebracht werden müssen. Beim Zink führt dies zu einer bis 25 Prozent besseren Verfügbarkeit gegenüber von Zn-Oxid im Stoffwechsel. (Quelle: schweizerbauer.ch)


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Aktualisiert am: 12.12.2009 11:00
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