Zuchtsauen: Einfluss der Fütterung auf das Sommerloch

Das Wildschwein hat ein deutlich ausgeprägtes saisonales Brunstverhalten, welches in abgeschwächter Form auch noch beim Hausschwein zu finden ist. Selbst unter optimalen Haltungs- und Fütterungsbedingungen werden die Umrauscher in den Sommermonaten immer etwas höher liegen.
Futteraufnahme in der Säugezeit entscheidend

Es werden sehr viele Zusammenhänge zwischen Fütterung und Fruchtbarkeit diskutiert. Wissenschaftlich abgesichert sind nur wenige, wie die Tatsache, dass sich ein überhöhter Gewichtsverlust in der Säugephase negativ auswirkt. Dabei wird der Körperkondition vor dem Abferkeln und Belegen eine besondere Bedeutung beigemessen.

Leptin – Mindestfettgehalt im Sauenkörper erforderlich

Für die Steuerung der Fruchtbarkeit ist ein gewisser Mindestfettgehalt im Sauenkörper notwendig. Die Erklärung liegt in der Substanz Leptin, welche in den Fettzellen gebildet wird. Fettabbau bzw. ein niedriger Köperfettgehalt führt zu Letpinmangel und somit zu Fruchtbarkeitsstörungen. Zusätzlich bedeutet Fettabbau immer eine erhöhte Stoffwechselbelastung. Eine hohe Stärkeaufnahme in der Säuge- und Absetzphase fördert die Blutzucker- und Insulinbildung. Dies verkürzt die Absetz-Rauschezeit und führt zu höheren Ferkelzahlen.

MMA-Erkrankungen haben Einfluss auf Rausche

Für die spätere Rausche ist besonders das Vermeiden von MMA entscheidend. Hier geht es nicht nur um den offensichtlichen Einfluss von Harnwegsinfektionen und Gebärmutterentzündungen, sondern um die Futteraufnahme zwischen dem 4. und 12. Säugezeittag. Diese beeinflusst die Geschwindigkeit der Entwicklung der Graafschen Follikel an den Eierstöcken und somit die spätere Rausche.

Faktoren, welche die Futteraufnahme in der Säugephase fördern:

  • Optimale Körperkondition in der Trächtigkeit (Fett=schlechte Fresslust)
  • Viel Rohfaser in der Trächtigkeit
  • Gute Futterhygiene (Getreide nachputzen oder Säureeinsatz)
  • 3 x täglich füttern
  • Hohe Wasseraufnahme fördert auch die Futteraufnahme (Trogfluter)
  • Hitzestress vermindern (Luft aus der Nord-Ostseite ansaugen, Lüfter reinigen, Schweinedusche, Beschattung der Gebäudesüdseite, Erdwärmespeicher)


Besseres Futter für Jungsauen mit dem ersten Wurf

Gerade Jungsauen im ersten Wurf haben in der Säugezeit hohe Nährstoffdefizite (eingeschränkte Futteraufnahme). Optimal wäre die Bereitstellung eines energie- und eiweißaufgewerteten Futters, indem man beispielsweise das Säugezeitfutter 1:1 mit Ferkelaufzuchtfutter verschneidet.

Im Sommer Mineralfutter mit mindestens 7% Lysin einsetzen

Sauen bringen in der Säugephase Höchstleistungen, sie verarbeiten bis zu 8 kg Futter und bringen eine tägliche Milchleistung von über 10 kg. Dabei entsteht viel Stoffwechselwärme, was bei heißen Temperaturen die Futteraufnahme reduziert. Besonders Eiweißfuttermittel führen zu einer hohen Wärmebildung. Es gilt daher im Sommer den Sojaschrotanteil entsprechend zu reduzieren und im Gegenzug die fehlenden Aminosäuren synthetisch auszugleichen. Zum Beispiel kann durch die Erhöhung des Aminosäurenanteils im Mineralfutter von 5% Lysin auf 8% Lysin (2,5%Met 2,5%Thr) der Sojaschrotanteil um 3,5% und der Rohproteingehalt um über 1% reduziert werden. Zusätzlich sollten 1-2% Futteröl eingemischt werden, da Energie aus Öl sehr wenig Stoffwechselwärme erzeugt. Der Rohfaseranteil sollte im Bereich von 4,0% liegen.

(Quelle: Ing. Hannes Priller, Link zum Artikel: Einfluss der Fütterung auf das Sommerloch)


Autor:
Aktualisiert am: 19.06.2009 23:23
Landwirt.com Händler Landwirt.com User