Ziegenhaltung: Kirchdorf ist ziegenstärkster Bezirk in OÖ

Immer mehr Bauern im Bezirk Kirchdorf legen sich Ziegen zu. Für sie ist die Ziegen-haltung eine interessante Alternative zur Rinderhaltung.
(vlnr) Lisa (15 Jahre), Hannes (13 Jahre), Barbara (38 Jahre) und Andreas Feßl (41 Jahre)
(vlnr) Lisa (15 Jahre), Hannes (13 Jahre), Barbara (38 Jahre) und Andreas Feßl (41 Jahre)
Die Nachfrage an Ziegenmilchprodukten steigt stetig. Vor allem Allergiker nutzen die Ziegenmilch, als Alternative zur Kuhmilch. Die Bauern wiederum profitieren, weil sich Ziegen kostengünstiger halten lassen als Rinder und sich ihre Wiesen trotzdem gut bewirtschaften lassen. BBK-Obmann Franz Karlhuber: „Für viele unserer Bauern sind die Ziegen eine gute Basis, um ihren Ertrag zu erhöhen. Dazu müssen sich allerdings auch bereit sein, sich auf innovative Konzepte einzulassen.“

Blick zurück: In den 1980iger Jahren sank die Zahl der Ziegen auf einen historischen Tiefstand von knapp 450 Tieren. Doch in den vergangenen Jahren entwickelte sich der Zahl der Ziegenbauern kontinuierlich. 2010 ist ein vorläufiger Höhepunkt erreicht: 176 Betriebe halten derzeit 4249 Ziegen – damit liegt der Bezirk Kirchdorf mit großem Abstand an der Spitze in Oberösterreich.

„Die Ziege hat ihr Image als Kuh für arme Leute verloren“, sagt BBK-Obmann Franz Karlhuber. „Unsere Bauern haben sich als Direktvermarkter mit ihren ausgezeichneten Produkten ein hohes Ansehen bei den Konsumenten erarbeitet.“ Dazu kommt, dass Molkereien verstärkt Ziegenmilch kaufen, also auch eine gute Nachfrage abseits der Direktvermarktung gegeben ist. Sogar bis nach Bayern (Molkerei Andechs) wird heimische Ziegenmilch exportiert.

Die größten 18 Milchziegenbetriebe im Bezirk (alle Biobetriebe) produzieren etwa 1,5 Millio-nen Kilogramm Ziegenmilch im Jahr. Zum Vergleich: 11.000 Milchkühe geben jährlich etwa 70 Millionen Kilogramm Kuhmilch. Aktuell werden 80 Prozent des Kirchdorfer Ziegenbestan-des auf Höfen mit mehr als 100 Ziegen gehalten.

Faktoren für den Ziegen-Boom in Kirchdorf

  • BBK Kirchdorf forciert seit 2006 in Zusammenarbeit mit der Käserei Schlierbach, der Molkerei Leeb und Bio-Verband die Beratung über Ziegenhaltung
  • BBK organisiert Informationsveranstaltungen und bietet Exkursionen an
  • Vernetzung von Akteuren (Bauern, Molkerei, Bio-Verband, Ziegenzuchtverband)
  • Gründung einer Liefergemeinschaft (Biogenossenschaft Schlierbach)
  • Beratung junger Hofübernehmer, die eine neue Bewirtschaftungsform suchen


Beispiel für erfolgreiche Ziegenhaltung: Familie Feßl aus Edlbach
Im Jahr 2008 entschieden sich Barbara und Andreas Feßl, mehr aus ihrem Hof rauszuholen: Sie verkauften ihre 8 Milchkühe und stellten stattdessen 95 Milchziegen ein. „Wir fanden Ziegen immer schon sympathisch“, sagt Andreas Feßl. „Dazu kommt, dass wir für die weitere Milchkuhhaltung sehr viel investieren hätten müssen. Mit den Milchziegen können wir trotz geringerer Investitionen einen wesentlich höheren Umsatz erzielen.“ Tatkräftig von Oma Helga unterstützt, bewirtschaften die Biobauern aus Edlbach 29 Hektar Land- und Forstwirt-schaft, bieten Urlaub am Bauernhof an – und gehören mittlerweile zu den größten Ziegenhal-tern im Bezirk Kirchdorf.
Auf dem Grüblerhof meckern inklusive der Jungziegen und Kitze 200 Ziegen, davon alleine 95 Milchziegen, deren Milch an die Biogenossenschaft Schlierbach verkauft wird. Das große Ziel: 2013 wollen die Feßls 150 Milchziegen halten. Mehr unter www.grueblerhof.at


Aktualisiert am: 27.09.2011 11:33
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