Zeit sparen im Melkstand

Lange Melkzeiten beanspruchen viel Zeit des Milchbauern. Können pro Melkzeit einige Minuten eingespart werden, so ergibt das hochgerechnet auf das Jahr ein enormes Potential. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie im Melkstand Zeit sparen können.
Eine durchdachte Anordnung von Warteplatz und Melkstand spart Zeit beim Treiben.
Eine durchdachte Anordnung von Warteplatz und Melkstand spart Zeit beim Treiben.
Wer beim Melken Zeit sparen will, muss neben dem eigentlichen Melkvorgang auch noch Reserven bei den Rückzeiten, Nebenarbeiten und Sonstigen Zeiten suchen.

Unproduktive Wartezeiten vermeiden
Verfahrensbedingte Wartezeiten für die Melker entstehen hauptsächlich dann, wenn der Arbeitskraft nicht genügend Melkplätze zugeordnet wurden. Der Melker hat alle Melkzeuge an die Euter der Kühe einer Melkstandseite angesetzt, die Kühe der anderen Melkstandseite sind aber noch nicht gemolken, so dass er unproduktiv warten muss. Wartezeiten treten hauptsächlich in kleinen Melkständen auf. Aber auch in größeren Melkständen können durch Langmelker Wartezeiten auftreten. Beträgt die Aufenthaltsdauer einer Kuhgruppe im Melkstand durchschnittlich 12 Minuten, so kann durch die Anwesenheit eines Langmelkers mit zB 15 Minuten eine erhebliche Verzögerung auftreten. Lange Wartezeiten für die Melker und damit eine Reduzierung der Arbeitsleistung sowie eine erhebliche Verringerung des Durchsatzes sind die Folge.

Melkarbeit muss kontinuierlich ablaufen
Die Reduzierung der sonstigen Zeiten fördert den kontinuierlichen Ablauf der Melkarbeiten im Melkstand, verbessert die Planbarkeit in der Milchgewinnung und bietet bei durchschnittlich 0,3 AKmin Aufwand/Gemelk ein nicht unerhebliches Potenzial für die Steigerung der Arbeitsleistung und damit für die Kostensenkung. Ruhiger Umgang mit den Kühen, fachgerecht installierte und technisch einwandfrei funktionierende Melkanlagen sowie die Ausgliederung nicht unmittelbar zur Milchgewinnung gehörender Arbeiten sind Voraussetzungen für eine Verringerung der Sonstigen Zeiten. Außerdem sollten Kühe mit deformierten Eutern sowie Langmelker aus dem Bestand selektiert werden.

Fazit
Aufgrund des Einsatzes moderner Spülsysteme für Melkzeuge, Spülautomaten sowie selbstreinigenden Milchkühl- und –lagertanks konnte in den letzten Jahren bei den vor- und nachbereitenden Arbeiten im Melkstand deutlich Arbeitszeit eingespart werden. Erhebliche Unterschiede gibt es zwischen den Betrieben aber noch bei den Reinigungsarbeiten im Melkstand, dem Vorwartebereich und den Treibwegen. Hier spielen die baulichen Gegebenheiten und das eingesetzte Reinigungssystem, aber auch die Motivation der Melker eine entscheidende Rolle. Der Aufwand für die Sonstigen Zeiten ist in vielen Betrieben noch zu hoch und lässt sich durch relativ einfache Maßnahmen deutlich reduzieren.

Autoren: Dr. Norbert KANSWOHL und Dr. Mathias SCHLEGEL, Universität Rostock


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Aktualisiert am: 24.11.2008 16:21
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