Wurfausgleich: Tipps und Tricks

Ein großer Vorteil der Gruppenabferkelung liegt in der Möglichkeit des Wurfausgleiches. Ferkel aus großen Würfen werden dabei zu kleineren Würfen versetzt. Die unterschiedlichen Reproduktionsleistungen von Sauen werden dadurch ausgeglichen und die Effizienz einzelner Sauen gesteigert.
Bei der gezielten Auswahl der Sauen sollte man die Milchleisten genau unter die Lupe nehmen.
Bei der gezielten Auswahl der Sauen sollte man die Milchleisten genau unter die Lupe nehmen.
Schnell und mit Übersicht reagieren
Einerseits gilt es beim Ferkelversetzen bevorstehende Verluste zu erkennen und zu verhindern, andererseits vorhandenes ungenutztes Leistungspotential besser auszuschöpfen. Einzelne Ferkel werden versetzt, wenn die Zahl der Ferkel die Zahl der voll funktionsfähigen Zitzen übersteigt, einzelne Zitzen verletzt oder funktionslos (Stülpzitzen) sind, die Sau unter Milchmangel leidet (MMA) oder gar verendet bzw. notgeschlachtet (Mastdarm-, Gebärmuttervorfall) werden muss. Die Vorteile des Versetzens liegen auf der Hand:
 weniger Auseinanderwachsen der Ferkel in großen Würfen
 weniger Verluste durch Verhungern überzähliger Ferkel
 höheres Absetzgewicht des Wurfes
 verhindern von stark abgesäugten Sauen
 bessere Nutzung von kleinen Jungsauenwürfen
 bessere Milchproduktion durch das Ansäugen aller Milchkomplexe bereits im ersten Wurf

Die „richtigen“ Ferkel versetzen
Überzählige Ferkel zu versetzen macht nur dann Sinn, wenn diese Ferkel bei ihrer neuen Mutter auch realistische Überlebenschancen haben. Deshalb sollten immer die größeren Ferkel von der Mutter weg versetzt werden. Untergewichtige Ferkel haben ohnedies schlechte Überlebenschancen. Die stärkeren Ferkel haben deutlich höhere Energiereserven und können sich bei ihrer neuen Mutter gegenüber anderen Ferkeln bei der Ausbildung der Zitzenordnung besser durchsetzen.

Kein Zurückversetzen von Kümmerern!
Das Ferkelversetzen darf kein El Dorado für Kümmerer und Krankheitserreger im Abferkelstall ermöglichen. Durch das Mischen Ferkel unterschiedlicher Würfe kommt es unausweichlich auch zur Übertragung von Krankheitserregern zwischen den Würfen. Kranke Ferkel mit Durchfall, Atemwegserkrankungen oder Gelenksentzündungen scheiden krankmachende Bakterien, Viren und Parasiten in großen Mengen aus. Die Ferkel anderer Würfe sind oft ungeschützt, wodurch diese unliebsamen Stallbewohner große Verluste verursachen können. Unter diesem Aspekt sollten kranke Tiere nicht versetzt und der Wurfausgleich auf ein vernünftiges Minimum beschränkt werden.

Autor: Dr. Thomas VOGLMAYR, Traunkreis Vet Clinic


Aktualisiert am: 19.05.2009 16:54
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