Wolf – der Einwanderer mit Biss

Seit 2002 gibt es vermehrt Hinweise auf Wolfsvorkommen in Österreich. Seit dem Herbst 2008 verdichten sich diese Hinweise in der Steiermark, und es blieb nicht nur bei Beobachtungen. Wölfe sind Fleischfresser, zu ihrer Beute zählen auch landwirtschaftliche Nutztiere wie Schafe. Probleme sind daher vorprogrammiert.
Wölfe können weite Distanzen überwinden, 50 km innerhalb eines Tages sind durchaus möglich.
Wölfe können weite Distanzen überwinden, 50 km innerhalb eines Tages sind durchaus möglich.
Im Laufe des Jahres 2009 konnten vier Wölfe in der Steiermark nachgewiesen werden. In Murau, Knittelfeld, Weiz und Hartberg. Weiters gab es zwei gesicherte Nachweise aus Kärnten, einen aus Tirol und einen unmittelbar an der Grenze Graubünden-Voralberg. Die ersten Wölfe sind sicher bereits seit dem Spätwinter da. Mit dem Auftauchen und monatelangem Verweilen dieser Tiere drängen sich unweigerlich eine Reihe von Fragen auf.

Riss: Was ist zu tun?
Der Wolf wird demnach auch bei uns in Österreich einiges in Bewegung bringen. Die Politik wird gefordert sein, denn die Viehhalter dürfen mit ihrem Problem, den Verlusten und erhöhten Kosten nicht alleine gelassen werden.
Für Schäden an Haustieren durch den Wolf haftet derzeit niemand. Er ist ja ein Wildtier, das weder Halter noch Verwahrer oder Verfügungsberechtigten hat, den man in eine Haftung nehmen könnte. Im Lungau und Tirol wurde den betroffenen Bauern dennoch umgehend und unbürokratisch der Verlust eines Fohlens und von zwanzig Schafen abgegolten; in der Steiermark warte man noch und dies schon ziemlich lange. Wolf, Bär und Luchs sind nicht nur ganzjährig nach dem Jagdgesetz geschont, sondern stehen vor allem nach dem Naturschutzgesetz (Artenschutzverordnung) unter strengem Naturschutz (Artenschutz). Sie dürfen nicht erlegt werden, auch nicht im Hofbereich! Das wäre ein Verstoß gegen das Jagdgesetz und gegen das Naturschutzgesetz.
Wichtig ist, allfällige Wolfsbeobachtungen und vor allem Risse umgehend zu melden. Umgehend heißt zum Handy zu greifen und einen betrauten, entsprechend erfahrenen Wildökologen zu kontaktieren. Mit diesem können dann alle weiteren Schritte abgeklärt werden. Dessen Aufgabe ist in erster Linie die Spurensicherung, schließlich gilt es zweifelsfrei zu klären, ob Hund, Wolf, Bär oder Luchs das Schaf etc. gerissen haben. Über dieses Monitoring kann auch herausgefunden werden, wie viele Wölfe wo unterwegs sind und von wo sie kommen. Für Ostösterreich stehen bei Rissen und verdächtigen Beobachtungen die Wildökologen Dr. Andreas Kranz (0664 25 22017) und Dr. Georg Rauer (0664 6219419) zur Verfügung, für Kärnten DI Thomas Huber (0664 9129485) und für Tirol Dr. Martin Janovsky (0512 5083247).

Landwirt-Tipp:
Gute Erfahrungen haben Schweizer Schafhalter mit Eseln als Herdenbegleiter bei Schafen gemacht. Mehr dazu zeigt das Video unter Esel

Autor: Dr. Andreas KRANZ, Wildökologe der steirischen Landesjägerschaft, Graz


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Aktualisiert am: 25.01.2010 15:44
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