Wirtschaftliche Aspekte der Klauenpflege beim Schwein

Klauenschäden werden oft unter dem Sammelbegriff Fundamentschäden erfasst und dabei nicht als häufige Abgangsursache erkannt. Auch fundamentbedingte Minderleistungen bei der Fruchtbarkeit werden oft nicht richtig analysiert. Die ökonomischen Verluste können jedoch enorm sein, wie ein Beispiel aus der Praxis zeigt.
Der wirtschaftliche Verlust aufgrund von Klauenschäden bei Sauen ist nicht zu unterschätzen.
Der wirtschaftliche Verlust aufgrund von Klauenschäden bei Sauen ist nicht zu unterschätzen.
Die ökonomischen Auswirkungen bewegen sich in einer großen Spannbreite. Im Folgenden werden die Unterschiede in den entscheidenden Kennzahlen für einen Ferkelerzeugerbetrieb mit 200 Sauen dargestellt oder entsprechende realistische Annahmen getroffen und ökonomisch bewertet. Eine Betrachtung und Analyse der Sauenabgänge zeigt, dass Sauen mit Fundamentschäden erwartungsgemäß früher ausscheiden als die sonstigen Tiere. Im Betrieb sind in einem Jahr 16 Sauen mit dem Abgangsgrund „Lahmheit“ registriert. Das entspricht fast 18 Prozent der gemerzten Sauen. Davon sind drei Tiere hochtragend gewesen. Auswertungen über vergleichbare Betriebe zeigen einen Anteil von durchschnittlich fünf bis sechs Prozent aufgrund von Lahmheiten geschlachteter Tiere. Eine genaue Betrachtung der betroffenen Sauen führte zu dem Ergebnis, dass diese Tiere im Mittel weniger als drei Würfe erbracht hatten, während sonst etwa durchschnittlich 4,5 Würfe aufgezogen werden. Außerdem sind die Verlustraten bei den Saugferkeln wesentlich höher als üblich, sodass letztendlich im letzten Wurf dieser Sauen rund 2,5 Ferkel weniger als normal abgesetzt wurden.

Auswirkung auf Leistung
Für die Ferkelerzeugung sind also im genannten Betrieb die folgenden Auswirkungen aufgrund von Fundament- und Klauenschäden zu bewerten:

  • Erhöhte Anzahl vorzeitig abgegangener Sauen
  • Verluste hochtragender Sauen
  • Erhöhte Erdrückungsverluste


Auf der Grundlage der analysierten Betriebsdaten wurden die folgenden Annahmen zu den Auswirkungen aufgrund geschädigter Fundamente und Klauen in der Ferkelerzeugung getroffen:

  • die Remontierung erhöhte sich von 40 auf 45 Prozent. Das entspricht 10 Sauen, die 2 Würfe weniger als normal erbracht haben, davon mussten 3 hochtragend ohne Schlachterlös abgegeben werden.
  • Zehn Prozent der Sauen haben in jedem Wurf ein Ferkel mehr erdrückt. Das entspricht einer Erhöhung der Saugferkelverluste um rund einen Prozentpunkt.


Die daraus abzuleitenden Schadenspositionen resultieren in einem Mindererlös von jährlich rund 5.400 Euro. Diese Summe entspricht einem Betrag von immerhin schon rund 27,19 Euro je Sau und Jahr.

Autor: Dr. Günter GRANDJOT, Landwirtschaftliches Sachverständigen- und Beratungsbüro, Bohlsen (D)

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Aktualisiert am: 29.10.2011 09:34
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