Wirbel um Biogetreide

Zur Ankündigung der Biogetreide GmbH, die vertraglichen Mindestpreise für Biogetreide der Ernte 2009 nicht zu bezahlen, meldete sich nun Bio Austria erstmals in einer Aussendung zu Wort.
"Es ist dringend an der Zeit, dass die Erzeugerpreise für Biobauern anziehen", fordert Bio Austria in einer Aussendung.
"Es ist dringend an der Zeit, dass die Erzeugerpreise für Biobauern anziehen", fordert Bio Austria in einer Aussendung.
In dieser Aussendung plädiert man für eine besonnene Vorgehensweise und hält fest: "Oberste Zielsetzung für Bio Austria ist die Absicherung der bestehenden vertraglichen Ansprüche für die betroffenen Mitglieder sowie eine verlässliche Lösung für die Abwicklung der Ernte 2010." Die Biobauern sind zusammen mit 36 % der Anteile in die Gesellschafterstruktur der Agentur eingebunden. Die Bioverbände Bio Austria Niederösterreich und Wien, Bio Austria Burgenland und der Verein der biologisch wirtschaftenden Ackerbaubetriebe (BAF) halten jeweils 12 % der Anteile. Die weiteren Anteile halten mit 30 % Andreas Kocourek und zu 34 % verschiedene Produktenhändler und Verarbeiter.

Schwierige Situation für Biobauern
Spitzenvertreter der Landwirtschaftskammern (LK) zeigten sich diese Woche besorgt ob der dramatischen Situation für die betroffenen Biobauern und betonten aber klar die primäre Verantwortlichkeit der Gesellschafter der Agentur für Biogetreide. Man wolle die Beteiligten an einen Tisch holen, um eine Lösung zu finden, die Ansprüche der Biobetriebe einzubringen. Diese hätten nur rund 40 % der zugesagten Erlöse als Akonto ausgezahlt bekommen und drohten um tausende, in Einzelfällen sogar um bis zu 40.000 Euro umzufallen.

Lösungsvorschlag noch diese Woche
Laut aiz.info hat ein Vertreter des Agentur-Gesellschafters BAF der LK in einem Brief versichert, der Kammer noch diese Woche einen Lösungsvorschlag zu übersenden. In dem Brief teilt der Gesellschafter mit, "dass der Jurist der Österreichischen Agentur für Biogetreide gemeinsam mit dem Jurist von Bio Austria eine Absicherung für und durch die Bauern erarbeiten wird". In der LK hofft man nun auf einen Lösungsvorschlag "tatsächlich für und nicht durch die Bauern", denn "durch die Bauern" hieße, die Agentur durch einen Forderungsverzicht der betroffenen Biobauern zu retten.

Den Ansprüche der Bauern gerecht werden
Die Ankündigung der Agentur für Biogetreide, die Vermittlung zu den vorgesehenen Mindestpreisen für die Ernte 2009 nicht realisieren zu können sei, so Bio Austria, "besorgniserregend und trifft die Bio-Ackerbauern unmittelbar vor der neuen Ernte zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt". Weiters habe auch laut Bioverband die Agentur zugesagt, ihre Lieferanten in den nächsten Tagen weitergehend zu informieren und Lösungsvorschläge zu präsentieren. "Bio Austria erwartet, dass alles getan wird, um die Ansprüche der Bauern bestmöglich zu befriedigen und eine verlässliche Vermarktung österreichweit für 2010 und darüber hinaus sicherzustellen."

Ausdehnung der Bio-Ackerfläche
Bio Austria führt die sprunghafte Ausdehnung bei Bio-Ackerflächen und den eklatanten Überschuss an Biogetreide in Österreich - Experten sprechen 2010/11 von rund 100.000 t Übermenge bei einer Aufnahmefähigkeit des Marktes von rund 190.000 t - auf das "Zusammentreffen verschiedener Faktoren" wie die schwierige Situation im konventionellen Getreidemarkt und den Einstiegsstopp in das Umweltprogramm ÖPUL im Herbst 2009 zurück. Laut LKs habe aber gerade der Einstiegsstopp im ÖPUL, der auch zu einem Stopp des Neueinstiegs in die geförderte Bio-Wirtschaftsweise geführt habe, noch Schlimmeres verhindert, weil ansonsten womöglich noch mehr Biogetreide produziert worden wäre, ohne dass dafür ein Markt vorhanden ist. Trotz des hohen Zuwachses an Bio-Ackerfläche um rund 20.000 ha sei aber, so Bio Austria, der Getreideanteil an der Bio-Ackerfläche von 45 % im Jahr 2009 auf 38 % im Jahr 2010 zurückgegangen, was in absoluten Zahlen lediglich einem Zuwachs von 5.000 ha Bio-Getreidefläche entspreche. Der Anteil anderer Kulturen, so wie die LK im Sinne marktwirtschaftlichen Vorgehens etwa den Umstieg auf Sojaanbau empfehlen, habe sich deutlich erhöht. So sei der Eiweißflächenanteil von 6,3 % im Jahr 2009 auf 8,4 % im Jahr 2010 gestiegen.

Erlös an Bauern weitergeben
Andererseits sei der internationale Kontext zu beachten, erklärt der Bioverband die schwierige Marktlage auch damit, dass Österreich bei Bio-Speisegetreide traditionell ein Exportland sei. Somit werde die internationale Angebots- und Preissituation heuer den Verlauf der Bio-Getreidevermarktung wesentlich mitentscheiden.
Neueste RollAMA-Zahlen bescheinigten Bio-Lebensmitteln im heimischen Lebensmittelhandel eine mengenmäßige Absatzsteigerung von 40 % im Vergleich der ersten Trimester 2009 und 2010. Dies bestätige - entgegen anders lautenden Behauptungen - die positive Entwicklung des Biomarktes und führe zur Forderung von Bio Austria, "es ist allerdings dringend an der Zeit, dass die Erzeugerpreise für Biobauern anziehen und die, trotz aller negativen Begleitumstände insgesamt positive Entwicklung am Biomarkt, an die Bauern weitergegeben wird".


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Aktualisiert am: 02.07.2010 09:26
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