„Wir versuchen, die Eiweißlücke zu verkleinern, nicht sie zu schließen.“

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„Wir versuchen, die Eiweißlücke in Europa zu verkleinern“, erklärt Christine Watson. Dafür gebe es viele Möglichkeiten, so die Forscherin. In Osteuropa sei das Potenzial am größten.

Prof. Christine Watson erforscht, wie der Anteil von Körnerleguminosen in der EU-Landwirtschaft vergrößert werden kann. Fotos: Newsline
Prof. Christine Watson erforscht, wie der Anteil von Körnerleguminosen in der EU-Landwirtschaft vergrößert werden kann. Fotos: Newsline
LANDWIRT: Gegner einer EU-Eiweißstrategie behaupten, es sei unrealistisch, die große Eiweißlücke zu schließen. Stimmt das?

Christine Watson: Wir versuchen, die Eiweißlücke zu verkleinern, nicht sie zu schließen. Ich bin der Meinung, dass wir keine Eiweiß-Unabhängigkeit brauchen. Sojaimporte spielen in der intensiven
Schweine- und Geflügelmast eine wichtige Rolle. Die EU-Handelsbilanz wird auch in Zukunft von Exporten und Importen leben. Dennoch sollten wir die Anbauflächen für Eiweißkulturen vergrößern und den Ertrag steigern. Hier liegt noch viel Potenzial brach.


Was ist eigentlich das Problem, wenn Europa von Sojaimporten abhängig ist?

Da gibt es mehrere Faktoren. Länder wie China steigern ihre Fleischproduktion und brauchen dazu mehr Soja. Das heißt, die EU ist Handelsströmen ausgeliefert, die sich ständig ändern können. Ob wir Soja in Zukunft zu einem akzeptablen Preis importieren können, haben nicht wir in der Hand. Außerdem bin ich der Meinung, dass wir nur nachhaltige Sojaproduktion unterstützen sollen. Da stellt sich zum Beispiel die Frage, ob Soja in manchen Ländern auf Kosten der Grundnahrungsmittel produziert wird. In manchen Regionen Südamerikas beträgt der Anteil der Sojaproduktion mehr als 50 %. Werden Menschen ausgebeutet, wird Regenwald abgeholzt?
Umgekehrt würden Körnerleguminosen in unseren getreidedominierten Anbausystemen für mehr Vielfalt sorgen.

Um welche Eiweißträger geht es konkret?

In Deutschland sind Ackerbohne und Erbse wohl die Haupt-Körnerleguminosen. Aber Lupinen, Linsen und Wicken haben großes Potenzial. In Süddeutschland findet man auch bereits Soja und die Bohne. Viele Regionen Frankreichs sind mit Deutschland vergleichbar. In den Atlantikregionen Frankreichs und in Großbritannien werden Erbse und Ackerbohne oft auch im Herbst gesät. Auch die weiße Lupine spielt hier eine Rolle und Wicken haben Potenzial. In Österreich hingegen spielt die Sojabohne eine große Rolle, weil wir hier schon in wärmere Gebiete kommen. In sehr warmen Gebieten Österreichs und Tschechiens werden auch Kichererbsen kultiviert.


Gerade im Bio-Landbau ist der Anbau eines Gemenges von Leguminosen und Getreide häufig. Könnte das helfen, die Eiweißlücke zu verkleinern?

Der Gemenge-Anbau hat großes Potenzial für die Tierhaltung. Erbsen und Ackerbohnen eignen sich sehr gut für den Anbau mit Gerste oder Weizen. Die Ernte kann als Silage oder als Drusch erheblich sein, weil die eine Pflanze eine eventuelle Schwäche der anderen Pflanze kompensieren kann. Ich glaube aber, dass der Gemenge-Anbau auch für den menschlichen Konsum eine wichtige Rolle spielen kann. Hier steckt viel Potenzial.


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Interview: Alison GOLDBERGER

Aktualisiert am: 12.10.2018 11:35
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