„Wir sind keine Gen-Lobbyisten, sondern Marktrealisten“

Die Schweinebauern befinden sich derzeit in unruhigen Gewässern. Wir sprachen mit Dr. Johann SCHLEDERER, Geschäftsführer der VLV-Schweinebörse und Sprecher der Ö-Börse über schwierige Marktphasen, hohen Futterkosten und nicht enden wollenden Tierschutzdiskussionen.
Dr. Johann SCHLEDERER, Geschäftsführer der VLV-Schweinebörse und Sprecher der Ö-Börse, im Gespräch mit Romen Goldberger.
Dr. Johann SCHLEDERER, Geschäftsführer der VLV-Schweinebörse und Sprecher der Ö-Börse, im Gespräch mit Romen Goldberger.
Der fortschrittliche Landwirt: Zuletzt gab es Mitte Mai ein Minus von 12 Cent innerhalb von zwei Wochen, eine Entwicklung, mit der eher im Jänner als zu Beginn der Grillsaison zu rechnen ist. Was waren die Gründe dafür?

Dr. Johann Schlederer: In den Wochen vor diesem Preisrückgang war eine gewisse Markteuphorie zu spüren, deren Anstoß unter anderem die Private Lagerhaltung der EU war. Wir hatten im Frühjahr auch wesentlich höhere Marktpreise als im Vergleichzeitraum der Vorjahre. Ausgehend von Deutschland hat sich dann am europäischen Schweinemarkt eine gewisse Übersättigung eingestellt, die von den Abnehmern unter anderem mit der Auslagerung der privaten Lagerhaltung argumentiert
wurde.

Der fortschrittliche Landwirt: Ist das nicht eine Bankrotterklärung für dieses Marktstützungsinstrument?

Dr. Johann Schlederer: Nein, keineswegs! Die PLH hat über Wochen für eine Marktbelebung gesorgt. Ich glaube, dass die Mengenverteilung bei der Auslagerung nicht so problematisch war, wie vielfach argumentiert wurde. Letztendlich wird über einen Zeitraum von vier Monaten ausgelagert, was über zwei Monate eingelagert worden ist. Der Beginn der Auslagerung sorgte eher für ein Stimmungsproblem am Markt als für ein Mengenproblem.

Der fortschrittliche Landwirt: Die Abnehmer hatten weitere Preiskorrekturen gefordert und die Preisgrenze teilweise um zwei Cent unterschritten. Hat diese „Hauspreisphase“ die Schweinebörse geschwächt?

Dr. Johann Schlederer: Für alle, die die wichtige Funktion der Schweinebörse bisher noch nicht erkannt haben, ist diese sogenannte Hauspreisphase ein Lehrbeispiel, was passieren würde, wenn es die Schweinebörse nicht gäbe. Es ist davon auszugehen, dass der Schweinepreis in diesen Wochen mehr als um diese zwei Cent tiefer gelegen wäre. Außerdem hat es auch nach außen gezeigt, dass wir dem Druck der Schlachtbetriebe mit Gegendruck begegnen können und das auch durchhalten. Dieser Gegendruck hat uns in dieser Phase nicht wenig Geld gekostet, denn einige namhafte Schlachtunternehmen haben auch an uns ihre Hauspreise bezahlt. Der Börse-Mäster hat natürlich den Börsepreis bekommen. Die Differenzen haben die Schweinebörsen als Solidargemeinschaft beglichen.

Der fortschrittliche Landwirt: Wie sieht die mittelfristige Preis-Prognose für dieses Jahr aus?

Dr. Johann Schlederer: Ich gehe davon aus, dass sich der durchschnittliche Basispreis in diesem Jahr auf einem ähnlichen Niveau wie 2008 bewegen wird. Damals hatten wir 1,39 Euro im Durchschnitt. Es zeichnet sich nach einem vergleichweise guten Frühjahr zwar ein nicht ganz so erfolgreicher Sommer ab. Ich rechne aber, dass der Herbst – ähnlich wie letztes Jahr – nicht so sehr abfällt und sich damit eine harmonischere Preiskurve ergibt.

Das gesamte Interview finden Sie in der Ausgabe 13/2011 unserer Fachzeitschrift DER FORTSCHRITTLICHE LANDWIRT.

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Aktualisiert am: 20.06.2011 11:53
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