Wintertagung 2008: Zuerst Lebensmittel, danach Energieerzeugung

Internationale Entwicklungen am Agrarmarkt, Biotreibstoffe und weitere hochaktuelle Themen beschäftigten Fachlaute aus Österreich und Deutschland am ersten Tag der Wintertagung "Land- und Forstwirtschaft zwischen Markt und Politik".
Das Thema der diesjährigen Wintertagung "Land- und Forstwirtschaft
Minister Pröll will Sicherheit und Planbarkeit für die Zeit nach 2013
Minister Pröll will Sicherheit und Planbarkeit für die Zeit nach 2013
zwischen Markt und Politik" sei hochaktuell, merkte Landwirtschaftsminister Pröll in seiner Eröffnungsrede an.

Health Check: Marktordnungsinstrumente nicht vorzeitig aufgeben

Die Landwirtschaft brauche von der Politik faire Rahmenbedingungen, um am Markt erfolgreich sein zu können. Genau darum gehe es auch beim Health Check der Gemeinsamen Agrarpolitik. In diese Diskussion werde sich Österreich intensiv einbringen. "Positiv ist, dass die bisherigen Vorschläge der EU-Kommission keine Totalreform fordern. In einigen Bereichen verlangen wir in harten Verhandlungen noch Änderungen, damit für unsere Bauern wie versprochen bis 2013 Sicherheit und Planbarkeit herrscht", betonte Pröll.

Was die Modellfrage bei den Ausgleichszahlungen betreffe, so halte Österreich so lange wie möglich am entkoppelten Betriebsprämiensystem fest. "Im Bereich der Marktordnungsinstrumente sollte beispielsweise die Intervention nicht grundsätzlich abgeschafft, sondern nur auf null gestellt und im Bedarfsfall aktiviert werden. Ebenso sind bei einer Abschaffung der Milchquote flankierende Maßnahmen - insbesondere in den Benachteiligten Gebieten - erforderlich", forderte der Minister. Als Beispiele führte er eine Milchprämie oder Branchenkonzepte im Molkereibereich an. Zur geplanten Förder-Degression sage Österreich nicht grundsätzlich nein, allerdings gingen die zurzeit gemachten Vorschläge - so wie auch bei der Forcierung der Modulation - zu weit.

Borchardt: Abschaffung der Milchquoten praktisch fix

"Der Preisanstieg bei agrarischen Rohstoffen ist voll gerechtfertigt, weil er von einem sehr niedrigen Niveau aus erfolgt ist und hier gewissermaßen ein Nachholbedarf gegeben war", stellte Klaus-Dieter Borchardt von der Generaldirektion Landwirtschaft in der EU-Kommission in seinem Referat bei der Wintertagung fest. Die Sicherstellung der Nahrungsmittelversorgung habe in der EU einen hohen Stellenwert, dies gelte auch im Zusammenhang mit der Biotreibstoff-Strategie der Union.

Zum Health Check stellte Borchardt fest, dass es sich dabei "sicher um keine neue Reform handelt", sehr wohl aber sollten gewisse Weichenstellungen vorgenommen werden, um die EU-Agrarpolitik fit für Zeit nach 2013 machen. Der Kommissions-Vertreter legte ein klares Bekenntnis zum Weiterbestand der 1. Säule der GAP ab, weil sie direkte, gezielte Einflussmöglichkeiten biete und außerdem zu 100% von der EU finanziert werde.

Die Abschaffung der Milchquoten sei praktisch fix, Quoten seien bei steigender Nachfrage wie eine Zwangsjacke zu sehen, die die Chancen der Produzenten auf dem Weltmarkt verringerten. Für benachteiligte Gebiete solle es aus Sicht der Kommission nach der Quotenabschaffung Ausgleichsmaßnahmen geben.

Flächen sollen effizient genützt werden

Univ.-Prof. Dr. Harald von Witzke sprach von einem Konflikt zwischen der Sicherung der Welternährung und der Bioenergieproduktion. „Mit Ausnahme des Wirtschaftsjahres 2004/05 wurde weltweit seit dem Wirtschaftsjahr 2000/01 mehr Getreide verbraucht als produziert“, berichtete Dr. Klaus-Dieter Schumacher aus Hamburg. Er empfiehlt, die verfügbaren Flächen effizient zu nützen und auch ungenützte Flächen in die Produktion einzubeziehen.

Worüber sich alle Referenten einig waren: Die Produktion von Lebensmitteln muss Vorrang gegenüber der Bioenergieproduktion haben.


Aktualisiert am: 19.02.2008 08:05

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