Wintergetreide im Frühjahr 2009

Für die Entwicklung der Wintergetreidebestände spielen die Dauer des Wachstums im Kurztag, die Temperaturen und davon abhängig die Vernalisationsbedingungen und die Lichtverhältnisse eine wichtige Rolle. Sie beeinflussen wesentlich die weitere Bestandesführung.
Die Ausbildung der Ertragsanlagen erfordert auch eine ausreichende P- Versorgung.
Die Ausbildung der Ertragsanlagen erfordert auch eine ausreichende P- Versorgung.
Zunächst waren der September und die erste Hälfte des Oktobers deutlich kühler als in den Jahren zuvor, mit Ausnahme des Herbstes 2008, als der September ebenfalls recht kühl war. Das führte zum einem sehr verhaltenen Wachstum mit allerdings guter Wurzelausbildung, da die Struktur der Böden, anders als im Vorjahr, weitgehend intakt war. Ab Mitte November herrschte Winter, der bislang in ganz Österreich anhielt. Somit hatte das Wintergetreide bislang um 6 Wochen weniger Zeit, um im Kurztag (weniger als 14 Stunden) zu bestocken und Ertragsanlagen auszubilden. Andererseits ist die Vernalisation so stark ausgeprägt, dass das Getreide sofort zu schossen beginnt, wenn die dazu notwendige Tageslänge überschritten ist. Wir können deshalb davon ausgehen, dass die Mehrzahl der Bestände die notwendige Ährenzahl nur knapp erreichen wird. Das gilt für die Wintergerste, vor allem aber für Weizenbestände, die im Oktober gesät wurden und nicht mehr vor Wintereinbruch bestockten.

Fassen wir zusammen
- Die Wintergetreidebestände starten in diesem Jahr mit einer deutlichen Entwicklungsverzögerung. Die N- Nachlieferung aus dem Boden wird zudem voraussichtlich deutlich später einsetzen
- Das erfordert in den meisten Beständen eine frühe und vor allem höhere N- Startgabe, die um 20 bis 40 kg/ha N höher ausfallen muss als in den Vorjahren.
- Dafür kann wahrscheinlich die Anschlussdüngung reduziert werden.
- Die Bestandesführung muss bei der Wintergerste auf die Sicherung der Bestandesdichte ausgerichtet werden.
- Der Weizen kann zwar fehlende Ähren besser kompensieren, trotzdem sollten auch beim Weizen Bestandesdichte und Kornanlagen gefördert werden.
- Wir sollten aber vermeiden, dass die Bestände zu spät werden.
- Dazu dient die Startgabe mit nitrathaltigen N- Düngern (NAC), auch wenn Gülle ausgebracht werden muss.
- Auch eine ausreichende Versorgung mit Schwefel, Phosphor und Mangan ist notwendig, damit der Stickstoff zügig wirken kann.
- Stark frostgeschädigte Bestände sollten zusätzlich mit Kupfer und Bor aufgepäppelt werden (z.B. 0,3 l/ha Cu-Chelat und 50 g/ha Bor, auch im Getreide!)
- Herbizidmaßnahmen sollten erst dann durchgeführt werden, wenn die frostgeschädigten Bestände wieder durchgegrünt sind und 2 neue Blätter gebildet haben.
- Durch den frühen Einsatz von CCC während der Bestockung bzw. von Medax top zu Schossbeginn wird die Bestandesdichte abgesichert. Das Moddus ist dazu nicht geeignet.
- Bestände mit starkem Schneeschimmelbefall sollten frühzeitig mit geeigneten Fungiziden behandelt werden, dadurch wird deren Vitalität gestärkt. Dazu dient auch die Blattdüngung mit Mangan, Kupfer und Bor bzw. mit Magnesium auf Standorten mit unzureichender Magnesium- Versorgung (Urgesteinsböden).

Autor: Dr. Hansgeorg SCHÖNBERGER, N.U. Agrar, Schackenthal (D)


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Aktualisiert am: 05.03.2009 13:50
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