Wintergetreide: Optimale Anbautechnik und bedarfsgerechte Nährstoffversorgung

Der folgende Beitrag liefert von der Fruchtfolge, über die Bodenbearbeitung bis hin zu Aussaat und Düngung einen Überblick über die optimale Bestandesführung bei Wintergetreide, vorrangig bei Weizen. Die Grundlage für die Ergebnisse bildet eine Versuchsreihe der Versuchsstation Roggenstein.
Anbautechnische Maßnahmen, wie z.B. Bodenbearbeitung, Sortenwahl, Aussaattermin und Saatstärke, Düngung und Pflanzenschutz führen in Summe zu oft großen Ertragsschwankungen.
Anbautechnische Maßnahmen, wie z.B. Bodenbearbeitung, Sortenwahl, Aussaattermin und Saatstärke, Düngung und Pflanzenschutz führen in Summe zu oft großen Ertragsschwankungen.
Nach Getreidevorfrucht ist damit zu rechnen, dass die N-Mobilisierung etwas vermindert ist und später einsetzt. Dem sollte Rechnung getragen werden, indem die Düngungstermine evtl. etwas früher angesetzt und die N-Düngermengen entsprechend dem Bedarf bemessen, gegebenenfalls etwas erhöht, werden. Der im Allgemeinen etwas vorgezogene Düngereinsatz soll auch dazu beitragen die Wurzelentwicklung während der Bestockungs- und der frühen Schossphase zu fördern. Mit einer Abnahme der Effizienz des Betriebsmitteleinsatzes bei Getreide nach Getreide, ist vor allem dann zu rechnen, wenn erst in späteren Entwicklungsabschnitten (Ende der Schossphase bis Blühbeginn) die Intensität gesteigert wird. Auf Grund der meist schwächeren Wurzelausbildung durch den Fruchtfolgestress, reifen die Kulturen im 2. Getreideglied vorfruchtbedingt meist schneller ab, vor allem dann, wenn Hitze- und Wasserstress zusätzlich auftreten.

Zunahme der Tragfähigkeit
Im Rahmen der Untersuchungen wurde festgestellt, dass sich die Lagerungsdichte und die Verteilung der organischen Masse in der Krume, in Abhängigkeit von der Bodenbearbeitung verändert hat. Nach ca. 10-jähriger flacher nichtwendender Bodenbearbeitung haben die Lagerungsdichte und damit auch die Tragfähigkeit des Bodens in der Krume etwas zugenommen. Bei den gegrubberten Parzellen hat die Humusmenge in der bearbeiteten Schicht, bis ca. 15 cm, zugenommen und unterhalb dieser abgenommen. In der Summe hat sich die Gesamtmenge an Humus, in der Schicht von 0 – 30 cm, nach den bisherigen Messungen nicht verändert. Im Zusammenhang mit der differenzierten Arbeitstiefe und der etwas veränderten Humusverteilung in der Krume, hat sich auch die Nährstoffverteilung leicht verändert, was sich (bisher) jedoch nicht negativ auf die Entwicklung und die Leistung des Weizens ausgewirkt hat.

Nichtwendende Bodenbearbeitung
Die nichtwendende Bodenbearbeitung kann bei gezielter Krankheitsbekämpfung zu geringen ökonomischen Vorteilen führen, sie erhöht vor allem die Schlagkraft und vermindert die Erosionsgefahr in gefährdetem Gelände. Nach Ableitungen aus den o.g. Versuchen ist mit einer Einsparung bei den variablen Kosten und beim Arbeitsaufwand zu rechnen – ca. 20 Euro/ha und – 0,5 Akh/ha. Die Ertragsleistungen sind leicht angestiegen, ca. 2 dt/ha, dem steht evtl. ein etwas höherer Pflanzenschutzaufwand z.B. ca. 500 – 750 g Glyphosate/ha / Jahr und + ca. 10 Euro/ha bei Gräsermittel und Fungizid gegenüber.

Optimale Saatstärke
Die optimale Saatstärke sollte nur vor dem Hintergrund der Feldaufgangsbedingungen festgelegt werden. Zu berücksichtigen sind vor allem die Qualität von Saatbett, Sätechnik, der Saattermin u.a. und die zu erwartende Jugendentwicklung. Die Aussaatmenge ist in jedem Fall so zu wählen, dass unter dem Einfluss der späteren Produktionstechnik die optimale Ertragsstruktur gebildet werden kann. Die hohe Kompensationsleistung der meisten Getreidesorten trägt dazu bei, dass bei günstigen Aussat- und Entwicklungsbedingungen die Saatstärke in einem relativ weiten Bereich schwanken kann, wenn während der Jugendentwicklung günstige Entwicklungsbedingungen bestehen. Bei optimaler Bodenstruktur und durch die entsprechende Steuerung des N-Angebotes kann durch eine Förderung der Triebbildung bzw. Verminderung der Triebreduktion auch bei relativ dünnen Ausgangsbeständen die optimale Bestandesdichte erreicht werden. In einigen Feldversuchen wurden differenzierte Saatmengen (bei Weizen 220, 300 und 380 Körner/m², bei zweizeiliger Wintergerste, 240, 300 und 360 und bei mehrzeiliger Wintergerste, Roggen und Triticale 180, 240 und 300 Körner/m²) geprüft und kaum signifikante Ertragsunterschiede festgestellt.

Bedarf an Schwefel
Schwefel wird zur Umsetzung des aufgenommenen Stickstoffs benötigt, d.h. im Entwicklungsabschnitt der höchsten N-Aufnahme (ab EC 32 bis zur Kornbildung) ist auch der S-Bedarf am höchsten. Da Schwefel ähnlich wie Nitrat-N auswaschungsgefährdet ist, sollte die Düngung erst nach den Winterniederschlägen durchgeführt werden.

Spurennährstoffe
Wenn Bodenuntersuchungsergebnisse oder in früheren Jahren beobachtete Mangelsymptome auf ein niedriges Angebot an Spurennährstoffen hinweisen, ist eine entsprechende Spurennährstoffdüngung empfehlenswert (vor allem Magnesium, Mangan, u.a.). Auf dem Roggensteiner Versuchsstandort, der sich in gutem Strukturzustand befindet und ausgeglichene Nährstoffversorgungsstufen aufweist, wurden in einschlägigen Spurennährstoff Düngungsversuchen nur geringe Ertragseffekte festgestellt.

Autor: Johann DENNERT, Versuchsstation Roggenstein der TUM-Wissenschaftszentrum Weihenstephan


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Aktualisiert am: 04.09.2009 12:33
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