Wintergetreide: Mit der Aussaat die Basis für gute Erträge legen

Bei Roggen wirkt sich das Ende der Interventionsmöglichkeit besonders negativ aus. Auch für die anderen Getreidearten besteht wenig Aussicht, dass die Erzeugerpreise in den nächsten Monaten das Vorjahresniveau erreichen. Bei Weizen differieren die Preise der einzelnen Qualitäten deutlicher als in der Vergangenheit. Für den Landwirt geht es darum, entsprechende Erträge und Qualitäten mit möglichst geringen Produktionskosten zu erzeugen.

Ausreichend bestockte Wintergerste Anfang November. Zu Vegetationsende sollten die Pflanzen zusätzlich zum Haupttrieb 2 bis 3 Nebentriebe gebildet haben.
Ausreichend bestockte Wintergerste Anfang November. Zu Vegetationsende sollten die Pflanzen zusätzlich zum Haupttrieb 2 bis 3 Nebentriebe gebildet haben.
Wesentliche Grundlage für gute Wintergerstenerträge ist ein kräftiger Vorwinterbestand. Die Pflanzen sollten noch 3 bis 4 Triebe bilden; dafür sind 5 bis 7 Wochen Vegetationszeit nötig. Ähren von im Frühjahr angelegten Trieben können über die Kornzahl und das Tausendkorngewicht nicht ausreichend kompensieren. Bei anhaltend kühler Witterung bzw. in rauen Lagen sind Anbautermine zwischen 15. und 25. 9. meist sinnvoll, bei milden Bedingungen kann bis zum 5. 10. zugewartet werden. Wintergersten, die vor dem 20. 9. in den Boden kommen, wachsen oft zu üppig. Schon im Herbst sind sie durch Fritfliegen, viröse Gelbverzwergung, Mehltau und Zwergrost gefährdet. Im Frühjahr ist die Bestandesführung schwierig, nach Niederschlägen gehen die übermäßig dichten Bestände bald ins Lager. Dass man mit fixen Angaben zur optimalen Saatzeit aber ziemlich falsch liegen kann, hat uns der warme Herbst 2001 gezeigt: Im Pannonikum, im Alpenvorland, der Oststeiermark und im Südburgenland brachten jene Schläge, die zwischen 7. und 14. 10. gesät wurden, die besten Leistungen. Bei anderen Bedingungen wäre das viel zu spät. Die Saatstärken müssen an Sätermin und Bestellbedingungen angepasst sein: Für zweizeilige Sorten reichen 280 bis 380 Körner/m² oder je nach Tausendkorngewicht 130 bis 220 kg/ha, für mehrzeilige Sorten sind 250 bis 350 Körner/m² oder 110 bis 180 kg/ha nötig.

Bei den Qualitätsweizen hat LUDWIG seine Leistungsfähigkeit heuer wiederum unter Beweis gestellt, im Alpenvorland sowie im Mittel- und Südburgenland waren Erträge von 70 dt/ha keine Seltenheit. Bei dem Ertragsniveau ist es naturgemäß schwierig, 14 % Protein zu erreichen. CAPO zeichnet sich durch sein Hektolitergewicht und die gegenüber Ludwig um etwa 0,7 % höheren Eiweißwerte aus. Im Pannonikum ist CAPO nach wie vor erste Wahl, in den Feuchtlagen wirkt seine mäßige Standfestigkeit (Note 6,5) öfters begrenzend. Der später reifende und mittel standfeste (Note 5) GRANAT hat eine beachtliche Schlechtwettertoleranz (stabile Fallzahl) und gute Backeigenschaften. Der kurzhalmige RENAN hat im östlichen Alpenvorland und in der Steiermark mehrjährig entsprochen, neigt aber zu etwas schwankenden Leistungen. Die neuen Qualitätssorten ASTARDO und ANTONIUS wurden erstmals außerhalb des Trockengebietes getestet. Ihre Hektolitergewichte und Proteinwerte liegen noch geringfügig über CAPO, ANTONIUS ist zudem recht standfest (Note 2,5). Der ebenfalls stabile (Lagerung 3) EDISON bringt seine Erträge aus höheren Einzelährenleistungen, auf die stärkere Braunrostanfälligkeit (sei hingewiesen. Eine gewisse Renaissance erlebt ERLA KOLBEN im Biolandbau, hier wirkt sich die geringe Standfestigkeit (Note 8) nicht so negativ aus. Sorten wie ATRIUM, FRIDOLIN, JOSEF, SATURNUS und SW MAXI werden derzeit fast nur in Ostösterreich kultiviert.
Von ANTONIUS, ASTARDO, ATRIUM, CAPO, EDISON, ERLA KOLBEN, EXKLUSIV, GRANAT, JOSEF, LUDWIG, RENAN und SATURNUS wird Biosaatgut angeboten.

Von knapp fünfzig Wintergetreidesorten gibt es Biosaatgut. Mit wenigen Ausnahmen sind es Sorten, die auch von konventionell wirtschaftenden Betrieben genutzt werden. Vor allem bei Weizen arbeiten die Züchter daran, Sorten mit spezifischer Bioeignung auf den Markt zu bringen. Beispielsweise Qualitätsweizen mit höherem Proteinbildungsvermögen und guter Unkrautunterdrückung. Wenig Aussicht besteht, das Problem des Weizensteinbrandes durch Züchtung zu lösen. Wenngleich in geringem Maße auch Infektionen aus dem Boden nachgewiesen worden sind, kann doch gelten: Mit gesundem Saatgut ist das Problem des Gewöhnlichen Steinbrandes weitgehend gelöst. Unsere Untersuchungen mit Winterweizen haben auch gezeigt, dass CAPO und SATURNUS beim 1. Nachbau (obwohl dieser nicht durch Steinbrand beeinträchtigt war) ertraglich um 2,4 dt/ha gegenüber Beständen aus Z-Saatgut abfielen. EXKLUSIV war ertragsgleich.

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Aktualisiert am: 13.09.2004 15:07
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