Wintergetreide: Erfolgreich mit leistungsfähigen Sorten

Wintergetreide gewinnt an Wettbewerbskraft, die ertrags- und qualitätsorientierte Produktion lohnt mehr als in den zurückliegenden Jahren. Vielfältige Nutzungsmöglichkeiten erfordern angepasste Sorten und Strategien, folgend Auszüge aus den Tipps des Schwerpunktthemas.
Weltweit schrumpfende Getreidevorräte und ein zunehmender Bedarf für die Energieerzeugung bringen voraussichtlich auch für die Ernte 2008 überdurchschnittliche Erzeugerpreise.
Weltweit schrumpfende Getreidevorräte und ein zunehmender Bedarf für die Energieerzeugung bringen voraussichtlich auch für die Ernte 2008 überdurchschnittliche Erzeugerpreise.
Die Mehrzeiligen Gerstensorten gewinnen an Bedeutung. In den vergangenen Jahren wurden markante züchterische Erfolge bei der Krankheitstoleranz, dem Ertragspotential und der Kornausbildung erzielt. FRIDERICUS kombiniert eine überdurchschnittliche Winterhärte, gute Standfestigkeit (Note 3) und Krankheitstoleranz (Zwergrost 3, Netzflecken 3) mit bemerkenswerter Kornausbildung sowie hohem Ertragsvermögen und ist allgemein empfehlenswert. Die etwas früher reifende LAVERDA ist gegenüber Mehltau (Note 2), Zwergrost (Note 2) und Netzflecken (Note 3) widerstandsfähig und ähnlich ertragsstark. Ihre Standfestigkeit ist gut (Note 3), in der Totreife tendiert sie zum Halmknicken. LUDMILLA überzeugte wiederum mit bemerkenswerten Leistungen. Wegen ihrer knapperen Standfestigkeit (Note 5) ist sie für weniger N-intensive Bedingungen vorgesehen. AKROPOLIS ist etwas stabiler (Lagerung 4) als Ludmilla, erreicht im Alpenvorland aber nicht ganz deren Erträge. NICOLETTA ist ein standfester (Lagerung 2,5) Einzelährentyp mit guter Kornausbildung. Auf die Neigung zu Netzflecken (Note 7) sollte geachtet werden. Auf mittleren und besseren Böden Ostösterreichs hat TRAMINER (Lagerung 5) ihren Schwerpunkt, hier profitiert sie von ihrer Frosthärte (Note 4) und mittleren Toleranz gegenüber viröser Gelbverzwergung. Für den Biolandbau stehen Fridericus, Georgia und Nicoletta bereit.

Winterbraugerste ist aktuell
Obwohl die derzeitigen Braugerstenpreise die höchsten seit dem EU-Beitritt sind, dürfte die Sommergerste an Fläche einbüßen. Um die Versorgung heimischer Mälzereien zu sichern, wird erstmals Winterbraugerste in nennenswertem Ausmaß kontrahiert. Zum überwiegenden Teil werden die Flächen in Ostösterreich situiert sein. In unserem Sortiment sind die Zweizeiligen ASTRID, OPAL und VICKY als Braugerste beschrieben. Deren Qualität wurde bislang allerdings nur im Labor getestet, eine großtechnische Erprobung steht noch aus. Abgesehen von Opal steht auch zuwenig Saatgut bereit. Mehr Informationen zur Qualität liegen von den EU-Sorten VANESSA, MALWINTA und MAUREVA vor. Diese dürften an pannonische Bedingungen ausreichend adaptiert sein.

Qualitätsweizen für Feuchtlagen
ASTARDO ist auch im Alpenvorland, Mühl- und Waldviertel leistungsfähig. LUDWIG entspricht in sämtlichen Regionen; um 14 % Protein zu erreichen, ist eine gesteigerte N-Spätgabe einzuplanen. ANTONIUS bringt in außerpannonischen Regionen ebenfalls sehr hohe Proteinwerte. Bei unbeständiger Witterung in der Einreifeperiode reagiert seine Fallzahl negativ. Dies zeigte sich heuer in Oberösterreich, wo es bei Antonius vermehrt leichten Auswuchs gab. CAPO ist auch an feuchtere Bedingungen angepasst. Auf besseren Böden oder bei gesteigertem N-Aufwand wirkt seine Lagerneigung jedoch begrenzend. Angeboten wird weiters die spät reifende EU-Sorte Akteur.

Gute Preise für Ethanolweizen
Das zwischen den Marktpartnern ausgehandelte Preismodell ist für die Landwirte attraktiv. Für die Ernte 2008 wird ein Preis entsprechend der September-Mahlweizennotierungen der Börse für landwirtschaftliche Produkte in Wien abzüglich der Handelsspanne garantiert. Weiters ist die Preisdifferenz zu Qualitätsweizen auf höchstens 10 €/t begrenzt. Es ist allerdings der Abschluss eines Anbau- und Liefervertrages nötig. Demnach wären 2 bis 4 dt/ha Ertrag ausreichend, um mit Ethanolweizen höhere Deckungsbeiträge als mit Qualitätsweizen zu erzielen. Das ist - ausgenommen sind mittlere und seichtgründige Böden Ostösterreichs - mit geeigneten Sorten und eine ertragsbetonte N-Düngestrategie zweifellos machbar. Wegen des geringeren Qualitätsrisikos geht auch der Vergleich mit Mahlweizen zugunsten von Ethanolweizen aus. Die Produktion mit Energiepflanzenbeihilfe ist für Rübenbauern lohnend. Da von der Prämie von 45 €/ha nur etwa 12 €/ha einbehalten werden, erhöht sich der Deckungsbeitrag um zusätzlich 33 €/ha. Ohne Vertrag wird Ethanolweizen zu den üblichen Marktpreisen aufgekauft.

Autoren: DI Michael OBERFORSTER, DI Clemens FLAMM und Ing. Willibald PRIELER, AGES Wien


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Aktualisiert am: 24.08.2007 11:47
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