Wintergetreide Bestand sichern!

Die Entwicklung vor dem Winter war schwach, die Nährstoffvorräte sind in weiten Bereichen gering. Wird es im Frühsommer trocken, wird die Ernte gering. Eine auf guter Düngung basierende Bestandesführung wird heuer über den Erfolg entscheiden.
Heuer ist mit geringeren Erträgen zu rechnen. Gerste ist davon stärker betroffen als Weizen.
Heuer ist mit geringeren Erträgen zu rechnen. Gerste ist davon stärker betroffen als Weizen.
Das milde Wetter im Jänner ließ die Entwicklung der Bestände anspringen, so dass die früh gesäten Wintergerstenbestände inzwischen3 bis 4 kräftige Triebe mit mehr als 3 Blätter je Pflanze anlegten, die abhängig von der Stickstoffversorgung (Gülle!) bereits Seitentriebe 2. Ordnung bildeten.
Die später aufgelaufenen Wintergersten begannen inzwischen auch zu bestocken, wobei der Haupttrieb 4 bis 5 Blätter, die Seitentriebe maximal 2 Blätter haben, also noch recht labil sind.
Auch der Septemberweizen ist inzwischen mit 3 bis 4 kräftigen Trieben je Pflanze gut bestockt. Der ab Mitte Oktober gesäte Weizen bildete im Jänner wenigstens 2 neue Blätter am Haupttrieb und beginnt Seitentriebe zu schieben. Somit können die meisten Getreidebestände noch genug Ähren produzieren, wenn sie rechtzeitig mit Stickstoff gedüngt werden.
Ertragsbegrenzend wird sich trotzdem die schwache Wurzelausbildung auswirken. Je weniger Wurzelspitzen eine Pflanze bildet, umso schwächer bestockt sie. Sie legt weniger Spindelstufen in der Ähre an, der Weizen bildet auch weniger Körner je Ährchen. Die maximale Korngröße wird durch die geringe Zahl an Speicherzellen im Korn begrenzt.
Somit kann man jetzt schon voraussagen, dass in diesem Jahr die Kornzahl je Ähre und der Einzelährenertrag, und damit der Ertrag, häufig enttäuschen werden, die Gerste häufiger als der Weizen. Dieser hat mehr Zeit zum kompensieren. Aus diesem Grund muss die Bestandesführung in diesem Jahr abgestellt werden auf eine möglichst hohe, dem Standort angemessene Bestandesdichte.

Fazit

  • Nässe in der Ernte und nasse Bestellung wirkten sich nachteilig auf die Bodenstruktur aus.
  • Zusammen mit der kühlen Witterung im Oktober und dem Abschluss der Vegetation im November wirkte sich das ungünstig auf die Vorwinterentwicklung, vor allem auf die Wurzelbildung aus.
  • Der Frost im Dezember beseitigte die schlimmsten Strukturschäden im Saathorizont. Das Wachstum im Januar ließ auch die Bestände aufholen. Aufgrund der nach wie vor schwachen Wurzelausbildung und der häufig zu beobachtenden Verdichtung unterhalb des Saathorizontes muss das Wintergetreide in diesem Jahr höher angedüngt werden, auch die Anschlussdüngung muss voraussichtlich höher angesetzt werden.
  • Bei knapper P-Versorgung empfiehlt sich die Startgabe mit Volldünger bzw. mit NP-Dünger.
  • Die Schwefelversorgung kann durch S-haltige N-Dünger oder auf Mg-schwachen Standorten mit Kieserit abgesichert werden.


Autor: Dr. Hansgeorg SCHÖNBERGER, Schackenthal


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Aktualisiert am: 21.02.2008 15:15
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