Wintergetreide - mehr Stroh als Korn?

Ungewöhnlich hohe Temperaturen und die Trockenheit im vergangenen Herbst wirkten sich auf Boden und Pflanzen aus und führten zu üppigen Pflanzen mit schwachen Wurzeln. Kali und Phosphor sind in vielen Bereichen im Mangel. Mit starkem Krankheitsbefall ist zu rechnen.
Weizen mit guter äußerer und innerer Qualität verspricht hohe Erzeugerpreise.
Weizen mit guter äußerer und innerer Qualität verspricht hohe Erzeugerpreise.
Die Wintergetreidebestände sind größtenteils recht üppig entwickelt. Aufgrund des meist geringen Cytokininpegels ist i.d.R. trotzdem eine Andüngung (mit NO3-N) notwendig, um die Anlage von Ertragsorganen sicherzustellen. Das gilt nur, wenn im Herbst kein Stickstoff gedüngt wurde.
Wurde im Herbst Stickstoff gedüngt, kann die Startgabe entfallen. Dafür sollte die 2. N-Gabe betont werden, aber nicht vor dem Schossen fallen.
Wenn das Stroh nach Getreidevorfrucht kaum verrottet ist, muss nach pflugloser Bestellung die Startgabe, nach dem Pflug die 2. N-Gabe angepasst werden.
Allerdings ist aufgrund der zumeist guten Bodenstruktur mit einer hohen N-Freisetzung zu rechnen. Ob diese bereits früh zum Tragen kommt, hängt davon ab, wann die Vegetation in Gang kommt. Beim Weizen wird auch die 2. N-Gabe insgesamt verhalten ausfallen müssen. Bei der Wintergerste (und beim Roggen) wird die hohe Nachlieferung voraussichtlich erst auf die Spätgabe voll anzurechnen sein.
Aufgrund des hohen Lagerdruckes sollte die N-Düngung insgesamt zurückgenommen werden, gleichzeitig müssen Wachstumsregler konsequent eingeplant werden.
Die Mehrzahl der Getreidebestände ist krank mit Mehltau, Rost, Rhynchosporium und Netzflecken, teilweise bereits mit Halmbruch und Schneeschimmel. Der Krankheitsbefall ist vielfach schon bestandesgefährdend. Deshalb ist eine frühzeitige Bekämpfung angeraten. Ebenso sollten Blattläuse als Virusvektoren rechtzeitig ausgeschaltet werden.
Akuter Manganmangel sollte durch eine frühzeitige Blattdüngung (zB mit 2 - 3 kg/ha MnSO4 oder 0,5 - 1,0 l/ha Mn-Chelat) behoben werden.
Die Versorgung mit Phosphat und Kali wirkt sich auf vielen Standorten inzwischen ertragsbegrenzend aus.
Wenn das Getreide (und benachbarte Rapsbestände) im Herbst bereits unter P- und K-Mangel litten, ist im Frühjahr rechtzeitig zu düngen, um den notwendigen Bedarf zu decken.
Zu Getreide nach Getreide sind wenigstens 50 kg/ha P2O5 notwendig. Effektiv ist bei akutem P-Bedarf die NP-Blattdüngung.
Die K-Düngung im Frühjahr muss auf schweren Böden (100 - 120 kg/ha k) höher angesetzt werden, wenn das Stoppelgetreide (und Raps) offensichtlich bereits unter K-Mangel litten. Das war vor allem auf Standorten mit sehr hohen Mg-Gehalten der Fall. Dort sollte die K-Düngung ausschließlich mit 60er Kali erfolgen.
Die Versorgung mit Magnesium wird mit Kieserit oder bei gleichzeitigem K-Bedarf mit Kornkali (Kamex) oder Patentkali sichergestellt.

Autor: Dr. Hansgeorg SCHÖNBERGER, N.U. Agrar GmbH, Schackenthal ( www.nu-agrar.de)


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Aktualisiert am: 08.02.2007 13:25
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