Wintergetreide – Herbstunkrautbekämpfung: Neue Mittel, bewährte Methoden

Generell soll die Konkurrenz durch Unkräuter relativ früh ausgeschaltet werden. Die Mittelpalette wird heuer durch einige Produkte erweitert.
Kornblume tritt in den letzten Jahren wieder stärker auf – nicht alle Herbizide sind hier gut wirksam.
Kornblume tritt in den letzten Jahren wieder stärker auf – nicht alle Herbizide sind hier gut wirksam.
Die Herbst-Unkrautbekämpfung ist bei Wintergerste, Triticale, Winterroggen und früh gesätem Winterweizen in den feuchteren Anbaugebieten Österreichs eine Standardmaßnahme.

Sichere Bekämpfung
Die Vorteile einer Herbst-Unkrautbekämpfung sind ein rechtzeitiges und großteils sehr sicheres Ausschalten von maßgeblich im Herbst keimenden Unkräutern wie Klettenlabkraut, Kamille, Vogelmiere, Ehrenpreisarten, Ackerveilchen, Taubnessel. Sehr gut erfasst werden auch Ungräser wie Windhalm, Rispengräser und Ackerfuchsschwanzgras. Im Frühjahr reichen oft höhere Aufwandmengen der Wirkstoffe Isoproturon (IPU)- bzw. Chlortoluron) (CTU) in der Regel nicht mehr aus. Auch aus ökologischer Sicht sind hohe IPU/CTU-Mengen zu vermeiden, da die Wirkstoffe auf bestimmten Böden leicht ausgewaschen werden können. Viele Produkte brauchen feuchte Bedingungen zur optimalen Wirkung, die in der Regel im Herbst in den westlichen und südlichen Regionen mit größerer Wahrscheinlichkeit herrschen als im Frühjahr.

Nicht ohne Risiko
Gefahr besteht bei starken Niederschlägen oder starken Frösten unmittelbaren nach der Applikation; hier können Schäden in Form von Blattaufhellungen beobachtet werden. Bei lückigen Beständen, später Saat oder starker Auswinterung können im Frühjahr in diesen Beständen noch bekämpfungswürdige Unkräuter keimen. Ein Hauptnachteil ist die fehlende Wirkung gegen Wurzelunkräuter wie Distel, Ackerwinde oder Ampfer. Bei Klettenlabkraut kann bei starkem Druck bei manchen Produkten (siehe Tabelle) eine Korrektur im Frühjahr nötig werden - diese wird dann bei zB. frühem Fungizid- oder Wachstumsreglereinsatz in einem Arbeitsgang im Frühjahr durchgeführt. In der Praxis ist dies aber relativ selten der Fall.
Generell ist für alle eher bodenaktiven Produkte ein feinkrümeliger, feuchter Boden wichtig, Unkrautkeimlinge nehmen beim Durchstoßen sehr viel Wirkstoffe auf. Weiter ist auf eine gute Saatgutabdeckung (mind. 2 cm) zu achten; freiliegende Wurzeln werden durch Pflanzenschutzmittel geschädigt. Zur Wirkstoffaufnahme müssen die Unkräuter aktiv wachsen. Wüchsige Witterung bei und nach der Anwendung (auch während der Nacht) und keine Nachtfröste unter minus 3 bis minus 4°C in den ersten Tagen nach der Applikation sichern den Bekämpfungserfolg. 1 bis 2 Wochen nach der Anwendung soll generell noch aktives Wachstum von Kultur und Unkraut gegeben sein.
Die Anwendungsbedingungen inklusive der Abstände zu Oberflächengewässern müssen eingehalten werden. Eine Vorauflaufbehandlung spielt in der breiten Praxis keine Rolle. Treflan neu verliert die Anwendungsmöglichkeit mit 30.9.2008, manche Bundesländer haben jedoch eigene Regelungen.

Autor: DI Hubert KÖPPL, Landwirtschaftskammer OÖ, Linz


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Aktualisiert am: 23.09.2008 14:25

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