Wildfütterung: Achtung bei Kraftfutter

Bei der Verfütterung sog. „Kraftfuttermittel“ ans Wild ist Vorsicht geboten, da sie bei hohem Anteil in der Ration zu Pansenübersäuerung sowie Leber- und Nierenschäden führen können. Besonders bei hohen Schneelagen und ungenügender Beifütterung von strukturiertem Futter wie Grummet oder mangelnder natürlicher Beiäsung sind diese Gefahren groß, berichtet Dr. Armin Deutz.
Mais ist als alleiniges Kraftfutter ungeeignet für Wild. Die Wiederkäuer brauchen immer genügend Rohfaser bevorzugt aus gutem Grundfutter, um Kraftfutter als Ergänzung aufnehmen zu können.
Mais ist als alleiniges Kraftfutter ungeeignet für Wild. Die Wiederkäuer brauchen immer genügend Rohfaser bevorzugt aus gutem Grundfutter, um Kraftfutter als Ergänzung aufnehmen zu können.
Was sind Kraftfuttermittel?
Kraftfutter ist nicht gleich Kraftfutter
Kraftfuttermittel haben einen hohen Energie- bzw. Eiweißgehalt. Diese Ergänzungsfuttermittel und Konzentrate dürfen aufgrund ihrer hohen Gehalte an Energie (Stärke, Zucker) und auch an Rohprotein (Eiweiß) nicht alleine, sondern nur in Kombination mit rohfaserbetonten Grundfuttermitteln an Wiederkäuer verfüttert werden. Kraftfuttermittel sollen lediglich eine Energie- bzw. Rohprotein-Ergänzung darstellen.

gängige Kraftfutter
Zu den gängigen Kraftfuttermitteln zählen Trockenschnitzel, Melasse, Treber und getrocknete Schlempen, Bierhefe, Maiskleber, Weizenkleie, Raps-, Sonnenblumen- und Sojabohnenextraktionsschrot, Ackerbohne, Erbse, Körnermais, Hafer, Gerste, Triticale, Weizen und Roggen. Aber auch Kastanien, Bucheckern und Eicheln sind aufgrund ihrer Gehaltswerte zum Kraftfutter zu zählen.

Vorsicht bei viel Eiweiß
Während Körnermais und die Getreidearten sehr energiereich sind, finden sich in den Hülsenfrüchten (Bohnen, Erbsen, Soja) besonders hohe Rohproteingehalte. Diese stark unterschiedlichen Gehaltswerte sind beim Fütterungseinsatz unbedingt zu berücksichtigen. So wird es zum Beispiel nicht nur ernährungsphysiologisch unsinnig, sondern bereits tiergesundheitlich relevant, wenn rohproteinreiche Grundfuttermittel (gute Grummet, Grassilage) mit Sojaschrot, Schlempen oder Treber, also ebenfalls rohproteinreichen Kraftfuttermitteln ergänzt werden. Der Rohproteinüberhang dieser Ration hätte negative Auswirkungen auf das Äsungsverhalten der Tiere und Schälschäden sowie Verbiss könnten die Folge sein. Andererseits wären über kurz oder lang auch negative Auswirkungen auf die Wildtiergesundheit festzustellen. Achtung: rohproteinreiche Futtermittel werden wegen ihrer Schmackhaftigkeit von Wildtieren oft gierig aufgenommen.

Pansenaggressive Futtermittel
Hinsichtlich der pansenansäuernden Wirkung gibt es zwischen den einzelnen Kraftfuttermitteln sehr große Unterschiede, und so sollten insbesondere vermehrt pansenaggressive Futtermittel (Getreidearten, Melasse) nur mit Bedacht und nicht in Reinform eingesetzt werden.
Körnermais ist relativ energiereich und entfaltet seine pansenaggressive Wirkung insbesondere dann, wenn er in Form von Bruchmais vorgelegt wird. Bei Bruchmais wird die Oberfläche infolge des Brechens sehr stark vergrößert, die Stärke ist schnell im Pansen verfügbar, und dadurch kommt es zu einer sehr raschen und starken Absäuerung des Panseninhaltes (Gefahr der Pansenazidose). Bruchmais ist auch gegenüber einer Verpilzung verstärkt gefährdet, was auch für Hafer gilt.

Weitere Infos zur Wildfütterung und alles zur Jagd finden sie unter Jagd Aktuell im Internet.


Aktualisiert am: 07.02.2011 10:58
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