Wiederkäuergemäße Fütterung – die Besonderheiten der Verdauung beim Rind (ÖAG-Beilage)

Wiederkäuer verfügen über ein hoch entwickeltes Vormagensystem, das die Verwertung faserreicher Futterstoffe (Grünlandfutter etc.) ermöglicht. Dies hat auch zur starken Verbreitung der Wiederkäuer beigetragen und ist auch von großer ökologischer Bedeutung. Die Kenntnis der Grundlagen der Verdauung ist eine wichtige Voraussetzung für eine optimale Herdenführung und tiergemäße Fütterung.
Bei Milchkühen tritt die Hauptfressaktivität am frühen Morgen und vor Sonnenuntergang auf.
Bei Milchkühen tritt die Hauptfressaktivität am frühen Morgen und vor Sonnenuntergang auf.
Bei Weidehaltung wenden Rinder je nach Leistung, Futterangebot und Tageslänge zwischen 6 und 11 Stunden für die Futteraufnahme auf. Sie fressen im Allgemeinen innerhalb von 24 Stunden in 3–5 Hauptperioden, vorzugsweise am frühen Morgen und Abend. Beim Weiden wird das Grünfutter von den Rindern büschelweise aufgenommen, die Pflanzen werden von der sehr beweglichen Zunge umschlungen und in das Maul gezogen. Dort wird der Bissen von den Schneidezähnen gegen die Kauplatte gepresst und mit einem Kopfschwung abgerissen. Während des Grasens geht das Rind langsam vorwärts. In den Nachtstunden ist die Fressaktivität generell eingeschränkt, wobei vor allem im Herbst eine kurze Fressperiode um Mitternacht beobachtet werden kann. Die restliche Zeit wird für die Futtersuche, das Wiederkauen und andere Aktivitäten wie Ausruhen, Trinken, Ausscheiden und Sozialkontakte aufgewendet. Je geringer das Futterangebot ist, desto mehr Zeit wird für das Weiden aufgewendet. An heißen Tagen (etwa ab 25°C) geht die Weidefutteraufnahme in den Stunden mit der höchsten Temperatur zurück. Kühle Temperaturen beeinflussen das Weideverhalten nicht negativ. Wenn jedoch Wind in Kombination mit Regenfällen auftritt, kann es an diesen Tagen zu einem Rückgang der Weidefutteraufnahme kommen.

Trinkverhalten
Die tägliche Wasseraufnahme hängt von der Leistung, der Rationsgestaltung und von den Klimabedingungen ab. Bei Milchkühen gilt als Faustregel, dass der Wasserbedarf das 4–5fache der Tagesmilchmenge oder 5–6 Liter je kg TM-Aufnahme beträgt. An heißen Sommertagen kann sich diese Menge auch verdoppeln. In Abhängigkeit von der Lage der Wasserstellen nehmen Rinder 1–15 mal pro Tag Wasser auf. Üblicherweise wird Wasser nach Beendigung der Futteraufnahmeperioden sowie nach der Melkung aufgenommen. In der freien Natur sind Rinder daran gewöhnt, aus Bächen oder stehenden Gewässern sauberes Wasser aufzunehmen. Das Maul wird dabei ins Wasser getaucht, die Nasenlöcher bleiben über der Wasseroberfläche. Es wird in vollen Zügen getrunken. Fluchttiere wollen nämlich in kurzer Zeit möglichst viel Wasser trinken. Bei einem durchschnittlichen Trinkvorgang nehmen beispielsweise Kühe ca. 10 Liter Wasser innerhalb von 30 Sekunden zu sich. Es sollen daher offene Wasseroberflächen angeboten werden. Trogtränken sind besser geeignet als Selbsttränkeschalen.

Autoren: Dr. Andreas STEINWIDDER (Bio-Institut der HBLFA Raumberg-Gumpenstein) und Ao. Univ. Prof. Dr. Wilhelm F. KNAUS (Department für Nachhaltige Agrarsysteme der Univ. für Bodenkultur)


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Aktualisiert am: 19.04.2007 10:44