Wie viel Schulden kann eine Kuh(haut) tragen?

So manche Investitionsrechnung von Milchviehbetrieben wackelt, denn die Milchpreise sind unter Druck. Bessere Auszahlungspreise sind unwahrscheinlich. Sind die Schulden noch tragbar und wie viel kann maximal noch investiert werden?

Wie viel Schulden die Kuh tragen kann, hängt vom Betrieb ab. Sprechen Sie bei Engpässen frühzeitig mit Ihrem Berater und der Bank!
Wie viel Schulden die Kuh tragen kann, hängt vom Betrieb ab. Sprechen Sie bei Engpässen frühzeitig mit Ihrem Berater und der Bank!

Sofern Investitionen und/oder Quotenkäufe mit Fremdkapital finanziert sind, gilt die Sorge der betroffenen Geldinstitute der Fähigkeit der Landwirte, ihren künftigen Kapitaldienst, Zinsen und Tilgung, zu erfüllen. Wie viel Schulden kann also eine Kuh(haut) bzw. Kuhherde tragen? Auskunft darüber gibt die Kapitaldienstgrenze und Kapitaldienstreserve.
Die Kapitaldienstgrenzen zeigen an, wie viel Kredit maximal tragbar ist. Der nachhaltige Gewinn (Gewinn berichtigt um außerordentliche Erträge und/oder Aufwendungen) wird um die Differenz von Einlagen und Entnahmen korrigiert. Ergebnis ist die Eigenkapitalbildung. Der Kapitaldienst umfasst Zinsen und Tilgung. Bei der vorangegangenen Gewinnermittlung sind die Zinsen bereits berücksichtigt. Folglich sind diese wieder zuzuschlagen. Die Tilgung wird noch besonders berücksichtigt. Ergebnis ist die langfristige Kapitaldienstgrenze. Abschreibungen werden in diesem Fall langfristig vollständig zu Ersatzinvestitionen benötigt.
Bei der mittelfristigen Kapitaldienstgrenze wird angenommen, dass derzeit keine Ersatzinvestitionen für Gebäude notwendig sind. Das trifft vor allem zu, wenn die Bausubstanz jüngeren Datums ist. Abschreibungen entfallen dann kurz – oder gar mittelfristig. Zudem sind sie nur eine kalkulatorische Größe, es ist also damit kein Geldabfluss verbunden. Folglich sind diese zumindest für einen überschaubaren Zeitraum gefahrlos für die Kreditfinanzierung heranziehbar.
Bei der kurzfristigen Kapitaldienstgrenze werden alle Abschreibungen für Maschinen und Geräte zur Deckung des gegenwärtigen Kapitaldienstes genutzt. Geschieht dies über einen längeren Zeitraum, ist der Betrieb in seiner Existenz gefährdet: Es bleibt kein Geld mehr für Ersatz- oder Neuinvestitionen übrig. Nur für auslaufende Betriebe ist das akzeptabel.


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Aktualisiert am: 27.10.2003 13:42
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