Wider Erwarten: starker Maikäferflug in NÖ beobachtet

Eher zufällig wurde im Donau-Auwald bei Spillern (Stockerau) ein massiver Befall durch Maikäfer an den austreibenden Bäumen entdeckt. Durch einen einzelnen, schwerfällig im Kronendach umherfliegenden Käfer aufmerksam geworden, konnten zunächst nur einzelne Käfer in der näheren Umgebung an einigen Ahornen gefunden werden. Bei genauem Hinsehen erkannte man das tatsächliche Ausmaß: Massen von Käfern auf den Trieben und jungen Blättern der Bäume.
Maikäfer an den gerade austreibenden Eichen
Maikäfer an den gerade austreibenden Eichen
Besiedelt wurden Ahorn, Linde, Hainbuche, Pappel und Esche – also jene Baumarten, die im Austrieb schon etwas weiter fortgeschritten waren. Am stärksten waren die Maikäfer jedoch an den gerade austreibenden Eichen des Bestandes anzutreffen. Um bestimmen zu können, welche der beiden häufigsten Maikäferarten hier am Werk waren, wurden frei nach Wilhelm Busch einzelne Bäumchen geschüttelt - flugs fielen zur kühlen Morgenstunde dutzende Käfer zu Boden.
Wald- und Feldmaikäfer
Wie von Dr. Andreas Kahrer, Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), prognostiziert, bestand diese Massenvermehrung zu überwiegendem Maße aus Waldmaikäfern (Melolontha hippocastani), da schon 2009 erstmals in dieser Region ein verstärktes Auftreten von Waldmaikäfern im Raum Spillern, Stockerau und Tulln registriert wurde. Gleichzeitig wurden aber auch Feldmaikäfer (Melolontha melolontha) gefangen. Diese Maikäferart ist 2011 von Krems bis in das nördliche Weinviertel streckenweise in Massen aufgetreten.
Maikäferstämme auf Wanderschaft
Bis jetzt liegen weitere Meldungen von Maikäfer-Vorkommen aus Tulln und Krems vor, eine Bestimmung der Arten war den Beobachtern allerdings noch nicht möglich. „Da die einzelnen Flugstämme ziemlich strikt ihren – in Niederösterreich in der Regel – dreijährigen Entwicklungszyklus einhalten, müssen die diesjährigen Käfer einem anderen Flugstamm als jenem der vorjährigen Maikäfer (III1) angehören. Der entsprechende Flugstamm wäre demnach III2, wobei röm. III für die Generationsdauer von 3 Jahren und der Index das Flugjahr als den Rest der Jahreszahl durch 3 charakterisiert (aus Maikäferflugkarte nach Faber 1961)“, erklärt DI Bernhard Perny vom Bundesforschungszentrum für Wald (BFW). Dieser findet sich allerdings nur in einer kleinen Enklave im Gebiet um im Waldviertel nördlich von Dürnstein/Wachau, weiter westlich wieder bei Ybbs und um Linz. Ein anderes Gebiet dieses Flugstammes ist nördlich von Salzburg, wo heuer bereits MittApril in Seeham Feldmaikäfer gesichtet wurden.

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Aktualisiert am: 31.05.2012 14:16
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