Wettermärkte treiben die Preise zu neuen Rekorden

In den letzten Jahren mussten wir uns daran gewöhnen, dass die Einflussfaktoren auf unsere Preise vielschichtiger und unabhängiger von Angebot und Nachfrage an Agrargütern wurden. In diesem Frühjahr reduziert sich hingegen wieder alles auf das Wetter und die Aufwuchsbedingungen.
Weltweit zeichnen sich eine verminderte Erntmenge und steigende Preise ab.
Weltweit zeichnen sich eine verminderte Erntmenge und steigende Preise ab.
Während es im US-Weizengürtel rund um Kansas wie bei uns zu heiß und zu trocken ist, leiden weiter östlich Sommerweizen, Mais und Sojabohnen und weiter nördlich Raps in Kanada unter viel zu großer Nässe. Dort kommt es zu Aussaatverzögerungen und soweit bislang absehbar auch zu Flächenreduzierung. Diese Meldungen sind es, die die großen Agrarrohstoffbörsen in Chicago und Kansas zu den fulminanten Preissteigerungen im Mai veranlasste. So stieg in Chicago der Maiskurs im Mai um umgerechnet fast 30 Euro/t auf 210 Euro/t und der Weizen in Kansas um 23 Euro/t auf umgerechnet 245 Euro/t. In diesem Umfeld und das westeuropäische Wetter vor Augen kam es auch an der Pariser Matif zu Kursen, die an die aus der Saison 2007/2008 heranreichen. Weizen übersprang an der Börse Ende Mai die 250 Euro-Marke. Raps nimmt dort Anlauf auf die 500 Euro/t. 2007/08 waren die Preise von einer rasant steigenden Weltwirtschaft und damit einer größeren Nachfrage getrieben und weniger durch schlechte Ernten. Heute kommt zu einer wieder stark wachsenden Weltwirtschaft eine zweite Missernte in Folge hinzu.

Prognosen nach unten korrigiert
Der Internationale Getreiderat (IGC) korrigierte Ende Mai seine Prognose für die Welt-Weizenernte um 5 Mio. t auf 667 Mio. t nach unten. Für die EU sehen die Analysten mit 141 Mio. t Weizen schon 2 % weniger als bisher. Gelegentlich findet man Angebote von 250 Euro/t ab Hof für 12%igen B-Weizen der neuen Ernte, aber in dieser Situation ist kaum jemand bereit Verträge abzuschließen. Ein repräsentativer Markt findet seit Wochen nicht mehr statt. Eine besondere Stellung nimmt der Raps in diesem Jahr ein. An der europäischen Börse Matif in Paris ist man sich bereits seit Ende April darüber einig, dass die Versorgung des europäischen Rapsmarktes in diesem Jahr äußerst knapp ausfallen wird. Die beiden großen Rapsanbauländer Frankreich und Deutschland hat es besonders erwischt. Der Deutsche Raiffeisenverband reduzierte seine Schätzung für Deutschland innerhalb von acht Wochen um 1 Mio. t auf 4,4 Mio. t. Auch in Süddeutschland und Österreich rücken gute Erträge in weite Ferne.

Autor: Katja BICKERT, Bruchenbrücken-Agrar OHG, Friedberg (D)

Den detaillierten Marktbericht lesen Sie in der Ausgabe 12 von Der fortschrittliche Landwirt.

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Aktualisiert am: 05.06.2011 11:22
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