Wer den Cent nicht ehrt…

Viele Landwirte beschäftigen sich viel zu wenig mit der Finanzierung ihrer Betriebe. Dass aber gerade im täglichen Umgang mit dem Girokonto noch Finanzierungskosten gesenkt werden können, ist vielen Betriebsleitern nicht bewusst.



Durch eine durchdachte Finanzierungsstrategie lassen sich viele Euros sparen.
Durch eine durchdachte Finanzierungsstrategie lassen sich viele Euros sparen.
So beinhaltet die Finanzierung landwirtschaftlicher Betriebe nicht nur die bestehenden Kreditvereinbarungen mit der Bank, sondern auch das Girokonto (Kontokorrent). Gerade bei der Führung des Girokontos können die Betriebe Zinskosten und Gebühren sparen. Um dieses zu realisieren, müssen die Konditionen des Girokontos überprüft werden. So sollte auf dem laufenden Geschäftskonto ein angemessener Dispositionskredit eingeräumt sein. Dieser muss dem Betrieb ausreichend Kapital zur Verfügung stellen, um einen auftretenden Liquiditätsengpass zu überbrücken. Er darf aber nicht zur Finanzierung einer Investition verleiten. Wird die Kreditlinie doch einmal überschritten, dann berechnet die Bank zusätzlich zu den Kontokorrentzinsen 4 – 5 % Überziehungszinsen. Deshalb zahlt es sich aus, vor Überschreitung der eingeräumten Kreditlinie mit der Bank über eine Aufstockung des Dispositionskredites zu verhandeln! Die meisten Banken werten eine solche Vorgehensweise von seiten des Landwirtes positiv und stimmen dem Anliegen im Allgemeinen mit einer zeitlichen Begrenzung auch zu. Denn eine vertrauensvolle Zusammenarbeit kann nur durch einen zeitraumnahen und intensiven Informationsfluss der Partner entstehen.

Gerade durch eine optimale und durchdachte Führung des Girokontos können viele Betriebe erheblich Zinsen und damit auch Finanzierungskosten einsparen. In einzelnen Betrieben sind hierbei Einsparungen von einigen Hundert € möglich, die rasch realisiert werden sollten. So muss im ersten Schritt der Zinssatz für den Dispositionskredit und der Kreditrahmen mit der Hausbank ausgehandelt werden. Außerdem kann durch eine Abstimmung der Zahlungsströme (Ausgaben und Einnahmen) eine Reduzierung der Zinskosten erreicht werden. Dazu müssen die regelmäßigen Ausgaben (Kapitaldienst, Pachten etc.) so terminiert werden, dass die Wertstellung der Einnahmen bereits erfolgt ist. Weiterhin sollten Rabatte oder Skonti bei Preisverhandlungen vereinbart und auch gezogen werden. Diese Vorgehensweise lohnt sich sogar bei kurzzeitiger Finanzierung des Betrages über den Dispositionskredit des Girokontos. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das Kapital zum regulären Zahlungsziel auch zur Verfügung steht.

Autor: Bernd LÜHRMANN, Osnabrück


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Aktualisiert am: 09.11.2005 15:06
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