Wenn Tierschutz das Tier verletzt

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Im Rahmen seiner Meisterarbeit hat Franz Baisl an einer bayernweiten Versuchsreihe zur Mast von Schweinen mit verschiedenen Schwanzlängen teilgenommen. Die Ergebnisse waren ernüchternd.
Familie Baisl nahm an einer bayernweiten Versuchsreihe zur Mast von Schweinen mit verschiedenen Schwanzlängen teil. V.li.: Franz, Christa, Lorenz, Josefine und Johanna Baisl. Foto: Goldberger
Familie Baisl nahm an einer bayernweiten Versuchsreihe zur Mast von Schweinen mit verschiedenen Schwanzlängen teil. V.li.: Franz, Christa, Lorenz, Josefine und Johanna Baisl. Foto: Goldberger
„Wenn eine Schweinebucht schlimmer als ein Schlachthof aussieht, dann frage ich mich, was das noch mit Tierschutz zu tun hat.“ Franz Baisl schüttelt den Kopf und schiebt seinen Laptop in die Mitte des großen Tisches, sodass alle die Fotos sehen können. Der Junior-Schweinebauer hat im Rahmen seiner Meisterarbeit an einer bayernweiten Versuchsreihe zur Mast von Schweinen mit verschiedenen Schwanzlängen teilgenommen und Erlebtes festgehalten: Blutverschmierte Buchten, Schweine mit angefressenen Schwanzstummeln und bewegungsunfähige Tiere – was hier zu sehen ist, bricht einem das Herz.

Keine schöne Zeit
Von Januar bis Juli 2016 hat Baisl den Versuch durchgeführt. Als Schüler der Höheren Landbauschule (HLS) Rotthalmünster hat er diesen Versuch auch zu seiner Meisterarbeit gemacht. Gemeinsam mit seinem Vater Lorenz und seiner Mutter Christa bewirtschaftet er eine Landwirtschaft mit 110 Zuchtsauen, 750 Schweinemastplätzen und ca. 80 ha Ackerland. Der Betrieb liegt in Gilgöd (Landkreis Altötting), einem typischen Grünlandgebiet.

Lorenz erklärt: „Wir hatten in den 1990er-Jahren schon ein paar Schweine und erweiterten diesen Bestand und die Pachtflächen sukzessive.“ Neben seiner Tätigkeit am Hof kümmert sich Lorenz auch noch als LKP-Ringberater um den Pflanzenbau im Landkreis Altötting. Außerdem führt er bei vielen Betrieben in der Region die Pflanzenschutzmaßnahmen durch. All das braucht viel Zeit, und Zeit ist auch das Stichwort für Junior und Senior Baisl, wenn es um den Langschwanzversuch geht. „Es war keine schöne Zeit“, erinnert sich Lorenz, und Franz ergänzt: „Wir hatten immer wieder stark verletzte Schweine, zwei davon starben sogar.“ Heu, Stroh, Beschäftigungsmaterial, mehr Platz – Familie Baisl versuchte vieles. „Eine Zeit lang hat es dann gut geklappt und plötzlich ging es wieder los.

33 Euro Mehrkosten pro Schwein
Wir hatten Zeiten, da sind wir gar nicht mehr richtig aus dem Stall gekommen“, erinnert sich Christa. Alleine 20 Euro Mehrkosten pro Schwein sind im Versuch durch die höhere Arbeitszeit angefallen. Insgesamt lagen die Mehrkosten bei 33 Euro pro Schwein (inkl. Verluste, höheres Platzangebot, Beschäftigungsmaterial, Behandlungen etc.).

Mehr über den Betrieb Baisl sowie die Ergebnisse des Langschwanz-Versuches lesen Sie in der aktuellen LANDWIRT-Ausgabe 17/2017.
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Aktualisiert am: 25.08.2017 09:51