Wenn Schule Angst macht

Leistungsdruck, Demütigung, Ausgrenzung und Diskriminierung führen bei Schulkindern zu körperlichen Beschwerden und psychischer Beeinträchtigung. Früherkennung schützt vor größerem Schaden.
Ein gesundes Selbstbewusstsein ist für das Bestehen in einer Gruppe Gleichaltriger besonders wichtig.
Ein gesundes Selbstbewusstsein ist für das Bestehen in einer Gruppe Gleichaltriger besonders wichtig.
Der 12-jährige Fabian steht schweißgebadet vor der Schultür. Er zittert am ganzen Körper. Er kann dieses Gebäude nicht betreten! Der Bub läuft zu seinem Fahrrad, schwingt sich hinauf und strampelt in die Pedale als ginge es um sein Leben. Er hat nur einen Wunsch: weit weg von der Schule!
Allein der Gedanke an seine Klassenkollegen, die ihn immer wieder hänseln, wenn er stotternd eine Redeübung hält oder auf die Fragen der Lehrer keine Antwort weiß, lässt ihn verzweifeln. Eigentlich ist Fabian ein aufgeweckter, sportbegeisterter Bub, aber das Wort Schule versetzt ihn in Angst und Schrecken.

Diagnose Schulangst
Fabian steht nicht alleine da. Immer mehr Kinder und Jugendliche entwickeln Schulängste, die unterschiedliche Auswirkungen haben. Magenschmerzen, Kopfweh und allgemeines Unwohlsein überfallen zu Wochenbeginn so manchen Schüler. Stunden vorher war die Welt noch in Ordnung.
Die Weigerung zur Schule zu gehen, beginnt oft nach einer Zeitspanne, in der die Kinder viel persönliche Nähe der Mutter oder einer anderen Bezugsperson erfahren haben. Sie kann aber auch nach einem belastenden Ereignis wie einem Schul- oder Wohnortswechsel, Krankheit und Tod von Angehörigen oder auch bei Lehrerwechsel auftreten.
Wenn sich ein Kind jeden Morgen krank fühlt und scheinbar geringe körperliche Beschwerden vorbringt, um nicht in die Schule gehen zu müssen, sollten Eltern dies unbedingt ernstnehmen. Wichtig ist es, physische Symptome zunächst medizinisch abklären zu lassen. Es könnte tatsächlich eine Krankheit dahinterstecken. Ist von ärztlicher Seite betrachtet alles in Ordnung, dann handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Schulangst.
Eltern fällt es als emotional Beteiligte oftmals schwer mit den Ängsten ihres Kindes umzugehen. Bei manchen Kindern muss nach tiefer liegenden Ursachen gesucht werden. In den meisten Fällen gibt es aber eine offensichtliche Erklärung für Schulängste.
Kinder, die unter Schulangst leiden, fürchten sich vor Demütigungen, Ausgrenzungen und Diskriminierungen, also vor realen Situationen. Oft leiden sie zusätzlich unter Schuldgefühlen, da sie möglicherweise den Erwartungen der Eltern nicht entsprechen. Kurzfristig merkt das betroffene Kind durch sein Verweigerungsverhalten eine gefühlsmäßige Erleichterung, da durch das Fernbleiben von der Schule die Angst auslösenden Situationen wegfallen.

Autorin: Roswitha WURM, Wien


Aktualisiert am: 12.01.2009 14:57
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