Weniger Schlupf spart Kraftstoff und schützt den Boden

Angesichts der hohen Kraftstoffpreise gewinnt der energiesparende Einsatz des Kraftstoffs in der Außenwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Aufgrund der zahlreichen Einflussfaktoren ist die komplexe Schnittstelle Reifen/Boden für die Zugkraftübertragung und für den physikalischen Bodenschutz ein wichtiges Analyseobjekt.
Resultat nach 100 m Versuchsfahrt: geringster Schlupf mit Zwillingsbereifung (Traktor rechts).
Resultat nach 100 m Versuchsfahrt: geringster Schlupf mit Zwillingsbereifung (Traktor rechts).
Unter Schlupf versteht man einen relativen Zeit- bzw. Wegverlust, der sich in einer verringerten Flächenleistung und somit erhöhtem Kraftstoffverbrauch pro Hektar äußert. Jedoch ist ein gewisser Schlupf für die Radzugkraftübertragung notwendig. Während bis zu einem Schlupf von 10 % Reifen- und Bodenverformungen vorherrschen, kommt es darüber zur Abscherung an der Kontaktfläche und somit auch zur Bodenschädigung.

Gerade in der Grundbodenbearbeitung, wo eine hohe Zugkraft erforderlich ist, können hohe Laufwerkverluste über dem Schlupf auftreten. Günstige Bedingungen für Zugleistungsübertragungen sind bei trockenen und tragfähigen Böden gegeben. Die Laufwerkverluste über den Schlupf können bei Zugarbeiten (zB Pflügen) im Herbst bei feuchten Böden enorm sein. Witterung und Bodenverdichtung beeinflussen die Tragfähigkeit und Scherfestigkeit des Bodens, so dass man von jahreszeitlich unterschiedlichen Zugleistungen ausgehen muss. Der Wunsch nach termingerechter Arbeitserledigung unter günstigen Witterungsbedingungen führt u. a. dazu, dass neue Traktoren in der Regel um 15 – 20 kW stärker sind als die abzulösenden Traktoren. Eine Verbesserung der Übertragung von Zugleistung (Produkt aus Zugkraft und Fahrgeschwindigkeit) wird u. a. durch den Allradantrieb erreicht, welcher durch den Multipass-Effekt verstärkt wird. Untersuchungen zeigen, dass der Schlupf bei der Ermittlung der Flächenleistung und des Kraftstoffverbrauchs pro Hektar eine beachtenswerte Größe ist.

Eine Halbierung des Schlupfes von 6 % auf 3 % bewirkte beim Pflügen eine Kraftstoffeinsparung von ca. 2 l/ha. Dies war einerseits auf die gestiegene Flächenleistung und auf den reduzierten stündlichen Kraftstoffverbrauch zurückzuführen. Beim Grubbern war der Schlupf um einiges höher – hier führte der Allradantrieb zu einer Schlupfreduktion von 15 % auf 5 %, was ebenfalls eine Kraftstoffeinsparung von ca. 2 l/ha bewirkte.

Autor: Dr. Gerhard MOITZI, Institut für Landtechnik im Department für Nachhaltige Agrarsysteme; Universität für Bodenkultur (BOKU), Wien


Aktualisiert am: 10.10.2006 13:40
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